Bürgermeister Hep Monatzeder

Grußwort zur Ausstellung "Die Verzauberten - Gesichter und Geschichten alter schwuler Männer"
- von Hep Monatzeder

Liebe Besucherinnen und Besucher der Ausstellung,

„Verzauberte“ nannte man früher jene Männer, deren Existenz ansonsten lieber totgeschwiegen wurde . Dies ist mit der freundlichste Begriff, der in der deutschen Sprache für Schwule je gebraucht wurde. Gleichzeitig diente er aber auch dazu, jenes nicht als das benennen zu müssen, was anscheinend so unvorstellbar war: dass ein Mann einen Mann lieben könnte.

Leider folgte in der Lebensrealität homosexueller Männer im letzten Jahrhundert - wie auch in vielen Jahrhunderten davor - auf das magische Dasein ganz schnell die Entzauberung: Verfolgung, Internierung im KZ, strafrechtliche Verfolgung in der Nachkriegszeit mit einem Nazi-Paragrafen 175 StGB, der bis 1969 unverändert weiter Gültigkeit hatte und erst 1994 endgültig abgeschafft wurde, Stigmatisierung und Ausgrenzung.
Wer glaubte, dass fast vier Jahrzehnte nach dem 2. Weltkrieg die Weiterentwicklung der Zivilgesellschaft dazu geführt hätte, dass sich homosexuelle Menschen keiner Verfolgung mehr ausgesetzt sehen müssten, hatte sich bitter getäuscht. Die sog. Aidskrise, die Anfang der 1980er Jahre ausbrach, führte zu massiven lesben- und schwulenfeindlichen Entwicklungen in Deutschland und gerade auch in München. Es wurde heftigste Minderheitenhetze betrieben, die Rede war von „ausdünnen“, „in Lager sperren“, „kennzeichnen“.
Alles nur furchtbar? Nein, weit gefehlt.
Schwule Männer haben sich seit jeher darauf verstanden, sich für ihr soziales, sexuelles, kulturelles und partnerschaftliches Leben Nischen zu schaffen, in denen bunte, kreative Netzwerke voller Schaffensdrang möglich waren. Schwule Senioren haben viel zu erzählen, ihre Geschichte und Geschichten sind Zeugnis der gesellschaftlichen Entwicklung in unserer Stadt.Foto: Susie Knoll Die Ausstellung zeigt die Gesichter von zehn schwulen Männern, die in diesen Jahrzehnten aufgewachsen sind und gelebt haben. Sie erzählt ganz eigene und doch ähnliche Lebensgeschichten. So individuell die Biografie jedes Einzelnen ist, so kollektiv ist die Erfahrung an Ausgrenzung und Benachteiligung, manchmal sogar an Gewalt. Es ist sicher nicht falsch, von einer verwundeten Generation zu sprechen.

Für mich ist es eine Ehre, als Bürgermeister der Landeshauptstadt München die Schirmherrschaft für diese Ausstellung zu übernehmen. Ich möchte dies auch als Ausdruck dafür verstanden wissen, dass die Landeshauptstadt im Rahmen ihrer Möglichkeiten versucht, jenes Unrecht, dass viele schwule Männer erfahren mussten, wenigstens ein bisschen wieder gut zu machen.
Ich danke der städtischen Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen und dem Schwulen Kommunikations- und Kulturzentrum Sub e.V., die diese Ausstellung gemeinsam realisiert haben sowie der Fotografin Susie Knoll und den zehn Porträtierten für ihren Mut, mit ihren Geschichten an die Öffentlichkeit zu gehen. Ein herzlicher Dank auch an das forum homosexualität münchen e.V.

Herzliche Grüße

Hep Monatzeder
Bürgermeister