2 Jahre LiMux –
Offene Standards, freie Software, starke Wirtschaft
Mux
Bürgermeisterin Christine Strobl im Pressegespräch
am 9. Juli 2008
 
LiMux läuft in München
Im Rahmen des LiMux-Projektes werden die Arbeitsplatzrechner der Landeshauptstadt München umgestellt. Die ersten PC laufen seit 2006 mit dem LiMux-Client (d. h. Linux als frei­es Betriebssystem und freie An­wendungsprogramme). Die Stadt setzt bei der Einführung auf eine „weiche Migration“, das heißt auf ein schrittweises Vorgehen. Viele Migrati­onsbereiche stellen ihre Rechner in zwei Schritten um: zunächst wird das Office­produkt der Firma Microsoft durch die freie Alternative OpenOffice.org ersetzt. Dies umfasst auch die Umstellung aller Vor­lagen und die Anpassung der Fachverfahren, die Microsoft Office zur Ausgabe von Daten nut­zen. Später folgt dann die Ablösung des kommerziellen Betriebssys­tems und der Umstieg auf den LiMux-Client.

Durch dieses Vorgehen wird die Umstellung, vor allem in den größeren Be­reichen erleichtert. Dies gilt vor allem für die Schulung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die dadurch in einzelnen Stufen erfolgen kann.

Inzwischen kann das Projekt bereits beachtliche Ergebnisse vorweisen:

  • Auf allen 14.000 Arbeitsplätzen der Stadtverwaltung wird freie Software eingesetzt (Web­browser, E-Mailclient). Betrachtet man diese Arbeitsplätze und das pädagogische Netz der Schulen zusammen, wird freie Software in München bereits auf ca. 38.000 Arbeitsplätzen genutzt.
  • Die Migration auf OpenOffice.org ist ebenfalls bereits weit fortgeschritten: schon auf über 8.000 Arbeitsplätzen (= 60%) ist das freie Softwarepaket installiert. Der WollMux, eine Ei­genentwicklung der LHM zur komfortablen Vorlagen- und Formularverwaltung, ist in 8 von 12 Referaten im Einsatz.
  • Der LiMux-Basisclient selbst läuft derzeit auf 1.200 Arbeitsplätzen. Das Direktorium und das Kulturreferat sind nahezu vollständig umgestellt, vier weitere Referate beginnen gerade mit der Umstellung. Im Laufe des kommenden Jahres werden alle Referate die Migration be­gonnen haben.
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Die Vorteile von LiMux für die Landeshauptstadt München
 
Vorteil: Förderung der lokalen Wirtschaft
Die Einführung von LiMux bedeutet eine deutliche Ausrichtung hin zur Nutzung von freier Soft­ware und eine weitreichende Vorgabe für die Zukunft.

Durch den Einsatz von kostenfreier Software bezahlt die Stadt nicht mehr vorrangig für die Be­schaffung der Software selbst, sondern nur für eventuell notwendige Anpassungen an die be­sonderen Kundenwünsche. Diese Flexibilität können große Firmen und kommerzielle Pro­gramme oftmals nicht bieten, so dass freie Software und offene Standards vor allem kleinen und mittleren Unternehmen ermöglichen, sich umfassend am Wettbewerb zu beteiligen.

Im Rahmen des Projektes wurden bisher insgesamt ca. 4 Millionen Euro (= ca. 1/3 der exter­nen Projektmittel) an kleine und mittlere Firmen vergeben.

Vorteil: Effizienzsteigerung
Durch die Einführung von LiMux wird an vielen Stellen die aktuelle Situation in der Münchner IT verbessert:

  • Durch eine konsequente Vereinheitlichung und Konsolidierung z. B. der städtischen Office-Vorla­gen wird eine Verringerung von Formularen um ca. 30% erreicht.
  • Geschäftsprozesse, vor allem im Office-Bereich, werden optimiert. Wenn für sehr viele Be­schäftigte die Arbeit ein Stück einfacher wird, ergibt dies zusammengerechnet pro Jahr die Arbeitsleistung von ca. 80 Mitarbeitern, die künftig besser genutzt werden kann.

Beispiel: Vor der Migration wurden in einer Abteilung Daten in Excel-Tabellen gepflegt. Eine andere Abteilung pflegte nahezu dieselben Daten für einen anderen Verwaltungsvorgang in einer zweiten Excel-Tabelle. Für beide Abteilungen wurde jeweils eine Intranet-Anwendung erstellt. Die gemeinsamen Daten beider Anwendungen liegen in einer einzigen Daten­bank. Damit ist kein Abgleich mehr notwendig und die Daten werden nur einmal gepflegt.

  • Wir erwarten eineEinsparung von Lizenzkosten in Höhe von über 3 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren (Wegfall von Ersatzbeschaffungen/Updates für Windows und MS-Office, Fachverfah­ren, Infrastruktur).
  • Durch eine umfangreiche Vernetzung, Austausch und Zusammenarbeit mit anderen Kom­munen und Behörden können z.B. gegenseitig Ergebnisse genutzt und Programme gemein­sam entwickelt werden. Besonders hervorzuheben ist hier die Kooperation zwischen dem Auswärtigen Amt und der Landeshauptstadt München (siehe Presseartikel).
 
Beispiel: Bei gemeinsamen Messeauftritten wurde sowohl die Arbeit geteilt, als auch das Interesse an dem Auftritt merklich erhöht. Die Stadt München plant künftig ein Programm des Auswärtigen Amtes beim Paßwesen zu nutzen. Dieses wiederum hat Interesse an un­serer Office-Anwendung und wir arbeiten zusammen, um Hersteller und Behörden zu über­zeugen, offene Standards und freie Software zu unterstützen.

Vorteil: offene Standards
Die Stadtverwaltung setzt künftig verstärkt auf offene Standards wie den von der ISO definier­ten Standard „Open Document Format“ (ODF). Durch die offene Beschreibung des Formats können ODF-Dateien nicht nur von dem Programm eines Herstellers gelesen werden. Das be­deutet Unabhängigkeit von einem oder wenigen Herstellern.

Beispiel: Die Fachprogramme, die die LHM im Rahmen der Migration neu erstellt hat, können ihre Formulare und Dokumente direkt als ODF-Dateien ausgeben, ohne dass dafür ein Office-Programm notwendig ist.

Die EU Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes hat kürzlich gefordert, dass „kein Bürger und keine Firma dazu gezwungen werden darf, einen proprietären Standard anstelle eines offenen zu verwenden, nur weil eine öffentliche Behörde so entschieden hat“.

In München wird der offene Standard verwendet! Deshalb konnte OB Ude in Brüssel auch LiMux als Praxisbeispiel für offene Standards präsentieren (siehe Pressemeldung).
Durch die künftige Nutzung von ODF entfällt der Zwang, die Softwareprodukte einer bestimm­ten Firma zu kaufen und einzusetzen. Die frei­en Officeprodukte (z.B. OpenOffice.org) können kostenfrei bezogen und genutzt werden und sie sind für viele Betriebssysteme verfügbar. Kom­merzielle Standards können nur von kommerziellen Programmen eingehalten werden. Diese Programme brauchen oft sowohl ein kommerzielles Betriebssystem als auch genau da­für passende Infrastruktur (Server). Jedes kommerzielle Produkt muss gekauft werden.

Mit offenen Standards werden Monopolstellungen vermieden und der Wettbewerb gefördert.

Die elektronische Kommunikation, gerade auch mit Bürgerinnen und Bürgern, ist auch bei ei­ner Umstellung bei der Stadt München gewährleistet. Das freie Officeprogramm OpenOffice.org kann neben den ODF-Dateiformaten auch die Daten anderer Programme ver­arbeiten, wie z.B. die Formate doc (Textverarbeitung), xls (Tabellenkalkulation) und ppt (Prä­sentation). Weil diese Formate jedoch keine offenen Standards sind, kann es vorkommen, dass dabei nicht immer alle Forma­tierungen erhalten bleiben.

Zusätzlich wird durch offene Formate eine langfristige Lesbarkeit der elektronischen Daten si­chergestellt. Wie wichtig die Berücksichtigung der langfristige Verarbeitbarkeit ist, wurde jüngst durch Meldungen zu spektakulären Datenverlusten in den USA (NASA, Volkszählungsdaten von 1960) deutlich.


Vorteil: Zukunftssicherheit
Die aktuelle Migration schafft die Grundlage dafür, dass zukünftige Anpassungen mit geringem Aufwand durchgeführt werden können:

  • in den IT-Abteilungen der LHM wird umfangreiches Knowhow aufgebaut, das zukünftig für eine größere Unabhängigkeit von Beratungs- und Entwicklungsfirmen sorgen wird;
  • die durchgängige Umstellung auf plattformunabhängige Technologien (z.B. Webverfah­ren) macht die IT unabhängiger und reduziert zukünftige Auf­wände;
  • durch den Einsatz offener Formate und offener Standards wird eine Produkt- und Herstel­ler-Unabhängigkeit gewährleistet.

Wenn es nicht nur einen Hersteller für ein Produkt gibt, besteht auch keine Gefahr, dass die­ser das Produkt nicht mehr weiterentwickelt oder aufgekauft wird.

Der Grundgedanke bei freier Software ist Zusammenarbeit und ein „Geben und Nehmen“.
Die Stadt München benutzt freie Software, wie z.B. das Betriebssystem Linux, das Officesys­tem OpenOffice.org und viele weitere Programme. Im Gegenzug hat München seit Juni seine Eigenentwicklung für die Verwaltung von Formularen und Vorlagen, den WollMux als freie Software auf der Plattform der Europäischen Kommission veröffentlicht (siehe WollMux). Außerdem werden die Fehlerbereinigungen und Verbesserungsvorschläge der Stadt München z.B. für OpenOffice.org gerne und schnell aufgenommen und innerhalb kurzer Zeit steht eine neue, verbesserte Version zur Verfügung.

Open Source (wird oft als Synonym für freie Software verwendet) ist eines der wichtigsten IT- Themen der nächsten Jahre. Laut dem weltweit führenden IT-Beratungsunternehmen Gartner werden bis 2012 80% aller Softwareprodukte Open Source Komponenten enthalten. Das Technologie- und Marktforschungsunter­nehmen IDC prognostiziert den weltweiten Umsatz für das Jahr 2011 mit Beratungs- und Inte­grationsleistungen im Zusammenhang mit Open Source Software auf 5,8 Milliarden Dollar.

Die richtungsweisende Entscheidung des Stadtrates für freie Software und offene Standards aus dem Jahr 2003 und deren praktische Umsetzung wird auch deshalb mit großem, stetig wachsendem Interesse verfolgt, Anfragen aus aller Welt belegen dies.
Inzwischen folgen bereits viele Kommunen und Unternehmen der freien Wirtschaft dem Open­Source-Gedanken und setzen freie Software ein (Beispiele: IBM, Debeka, Karstadt, Auswärti­ges Amt, franz. Gendarmerie).


Es ist die Strategie der LHM, durch die konsequente Nutzung offener Standards und freier Software eine weitgehende Unabhängigkeit von Hersteller, Dienstleistern und technischen Plattformen zu erreichen. Damit weiß sich die LHM auf einem innovativen Zukunftsweg hin zu einer modernen, offenen Verwaltung.
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