Schriftzug Rathaus Umschau

Erfahrungen nach einem Jahr interkulturellem Integrationskonzept

(27.2.2009) In München leben Menschen aus über 180 Ländern, 36 Prozent der Münchnerinnen und Münchner haben einen Migrations- hintergrund. Das heißt, sie selbst sind oder ein Elternteil ist zuge- wandert. Integrationspolitik hat eine lange Tradition in München. Bereits 1974 wurde der Ausländerbeirat – bundesweit die erste Ausländervertretung – geschaffen. Am 20. Februar 2008 hat der Stadtrat einstimmig die Grundsätze und Strukturen der Integrations- politik der Landeshauptstadt München beschlossen.

Das Integrationskonzept bündelt die Aktivitäten und schafft Verbindungen zwischen der Stadtverwaltung, den Münchnern mit und ohne Migrationshintergrund und den Angehörigen verschiedener Religionen. Der Stadtrat hat die Stelle für interkulturelle Arbeit im Sozialreferat beauftragt, die Federführung bei der stadtweiten Umsetzung des Integrationskonzepts zu übernehmen. Am heutigen Freitag hat Oberbürgermeister Christian Ude in einer Pressekonferenz einen Erfahrungsbericht nach einem Jahr Integrationskonzept gegeben. Die bisher erzielten Erfolge können sich sehen lassen.

München hat bei der Studie "Ungenutzte Potentiale – zur Lage der Integration in Deutschland" des Berliner Instituts für Bevölkerung und Entwicklung hervorragend abgeschnitten. Bei bundesweiten Wett- bewerben gewinnt München immer wieder Preise, mehrmals ausge- zeichnet wurde die Stadt als Arbeitgeberin für ihre kulturelle Vielfalt am Arbeitsplatz. Innovative Projekte überzeugen externe Geldgeber. Die Stiftung der HypoVereinsbank und der Unicredit hat mehr als 300.000 Euro für ein Sprachförderprojekt für Kinder im Rahmen der Integrationskurse gespendet. Die Kosten für die Imamfortbildung tragen das Bundesamt für Migration und der Europäische Integrationsfonds.

Integration in der Stadtverwaltung

Eine wichtige Aufgabe ist die interkulturelle Öffnung der Verwaltung. Jedes Angebot muss zugänglich sein, hoheitliches oder planerisches Handeln muss auf die Belange von Menschen mit Migrationshintergrund ausgerichtet sein und die Beschäftigten brauchen interkulturelle Kompetenz.

Im Sozialreferat, im Kreisverwaltungsreferat und im Personal- und Organisationsreferat sowie in den städtischen Krankenhäusern sind Dolmetscher für mindestens zehn Sprachen im Einsatz, um bei nicht ausreichenden Deutschkenntnissen helfen zu können.

Die Landeshauptstadt ist mit 30.000 Beschäftigten die größte Arbeit- geberin in München. Zusammen mit der Ludwig-Maximilians-Universität wurde ein neues Personalauswahlverfahren für Nachwuchskräfte entwickelt. Danach können Schwächen in der deutschen Sprache durch andere Kompetenzen wie Mehrsprachigkeit oder Sozialkompetenz ausgeglichen werden.

Insgesamt hat die Stadt München den Anteil der Azubis mit Migrations- hintergrund von 2006 bis 2008 von 8,55 auf 19 Prozent steigern können, bei Verwaltungsfachangestellten oder Kauffrauen für Bürokommunikation sogar auf knapp 40 Prozent. Außergewöhnlich ist auch die interkulturelle Öffnung der Ausbildung für den gehobenen Dienst. Seit 2008 gibt es einen städtisch finanzierten Bachelor-Studiengang für Nicht-EU-Bürgerinnen und -Bürger, die die staatliche Beamtenlaufbahn nicht einschlagen können. Dafür ist die Landeshauptstadt München von der Bundesregierung im Bereich kulturelle Vielfalt in der Ausbildung mit dem ersten Preis und mit dem zweiten Platz im Bereich kulturelle Vielfalt am Arbeitsplatz in der Kategorie öffentliche Verwaltung prämiert worden.

Alle 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Ausländerbehörde im Kreisverwaltungsreferat sind interkulturell geschult und bis 2011 werden alle 1.850 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Sozial- bürgerhäusern interkulturell fortgebildet. Die Schulung umfasst beispielsweise Wissen über Kommunikation. Im deutschen Kulturkreis wird zum Beispiel während des Gesprächs Blickkontakt gesucht, in anderen Kulturkreisen dagegen gilt es als unhöflich.

Integration auf dem Arbeitsmarkt

In Deutschland fehlen gut ausgebildete Fachkräfte. In diesem Bereich werden die Potentiale und Ressourcen von Menschen mit Migrations- hintergrund zu wenig genutzt. Nur 0,6 Prozent der Bildungs- und Berufsabschlüsse, die Migrantinnen und Migranten im Ausland erworben haben, werden hier anerkannt. Diese Lücke schließt “Amiqua" - ein Kooperationsprojekt der Landeshauptstadt München mit der Handwerkskammer München und den Innungen. Sie bieten Lehrgänge, bei denen am Ende der Gesellenbrief erworben werden kann und die Migrantinnen und Migranten in ihrem erlernten Beruf arbeiten können. Der Zugang zu den Lehrgängen wird durch eine Eignungsprüfung und nicht durch formal anerkannte Zeugnisse ermöglicht.

Integration durch Sport und Gesundheitsprävention

Integration betrifft auch den Freizeitbereich: Ganz neu ist die Fortbildung zur "interkulturellen Sportassistentin" – ein Angebot des Sportamtes für Migrantinnen, damit mehr Frauen den Einstieg in den Sportverein schaffen. Männliche Jugendliche kommen über Fußball, junge Migrantinnen dagegen sind in den Vereinen bislang unterrepräsentiert.

Das Referat für Gesundheit und Umwelt bemüht sich um die Gesundheitsvorsorge von Migrantinnen und Migranten. An bekannten Orten in den Stadtvierteln werden Blutzuckertests oder Venen- bemessungen angeboten. Frauen von Donna Mobile sind als Dolmetscherinnen vor Ort. Das neue Angebot wird gut angenommen, zu den ersten Gesundheitstagen in Ramersdorf kamen 40 Migrantinnen und Migranten. In diesem Jahr sind weitere Kooperationen mit den Alten- und Service-Zentren geplant.

Integration durch Wohnungsbau

Voraussetzung für das interkulturelle Zusammenleben ist der Zugang zu Wohnraum. Mit dem Modell der "Münchner Mischung" haben in Neubaugebieten alle Menschen, unabhängig von Einkommen und Herkunft, Chancen, dort zu wohnen. Beispielhaft gelungen ist dies in der Nordheide, wo viele Familien mit Migrationshintergrund im Rahmen des München Modells Eigentum erwerben konnten. Integrative Wirkung haben dort vor allem die Bewohnergärten, wo am Wohnort soziale Netzwerke zwischen Nachbarn, Freunden und Familien geknüpft werden. Sie sind ein beliebter Aktionsraum und Treffpunkt für Feste.

Integration durch Wissenstransfer

Dafür steht "MünchenKompetenz", ein Ausbildungsprogramm für Imame und muslimische Seelsorgerinnen und Seelsorger. Neben vielen Informationen über staatliche und städtische Infrastruktur sollen sie die Gelegenheit erhalten, Kontakte in die Stadtverwaltung zu knüpfen, um ihren Gemeindemitgliedern in Alltagsfragen Rat und Hilfe geben zu können.

Im Jahr 2010 wird der erste Integrationsbericht vorliegen. Nur wenn es gelingt, gute Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen mit Migrationshintergrund zu gestalten, wird die Stadtgesellschaft für die Zukunft gerüstet sein.

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