Gutachten bestätigt erneut: 2. S-Bahn-Stammstreckentunnel ist die
beste Lösung
(25.2.2010) Auch das zur Landtags-Anhörung vorgelegte Gutachten zur
Flughafenanbindung München hat nach Ansicht von Oberbürgermeister
Christian Ude "eindrucksvoll bestätigt, dass die Landeshauptstadt München mit ihrer bereits seit dem Jahr 2001 eingenommenen Haltung pro
2. Stammstreckentunnel richtig liegt. Dieses Vorhaben des Freistaates
Bayern und der Deutschen Bahn AG hat sich erneut als einzig sinnvolle
Infrastrukturlösung für eine tiefgreifende Verbesserung des S-Bahn-Systems herausgestellt.
Ganz besonders gilt dies für die innerstädtische
Führung einer attraktiven Express-S-Bahn zum Flughafen zusammen mit
dem von der Stadt bereits seit 20 Jahren, seit 2006 speziell mit dem Vorschlag "MünchenAirportExpress" angestrebten Ausbau der S8-Strecke
mit einem Tunnel im Münchner Nordosten. Diese Planungen stellen neben
zahlreichen anderen Maßnahmen bedeutsame Bausteine für einen zukunftsfähigen Bahnknoten München dar. Alle teilweise schon früher und
nun aktuell in Erwägung gezogenen und eingehend untersuchten Alternativlösungen und Vorschläge weisen gravierende Nachteile auf und sollten
nicht weiter verfolgt werden."
Im einzelnen stellt das Planungsreferat der Stadt fest:
Die
2. S-Bahn-Stammstrecke in Tunnelführung
mit ihren neuen Haltepunkten Hauptbahnhof, Marienhof und Ostbahnhof sowie dem Ausbau
der Stationen Laim (unter Einbeziehung der Umweltverbundröhre) und
Leuchtenbergring bei Gesamtkosten von zirka 1,5 Milliarden Euro mit
netzergänzenden Maßnahmen bringt folgende Hauptvorteile mit sich:
- Steigerung der Leistungsfähigkeit des S-Bahn-Netzes,
- Erhöhung der Betriebsqualität,
- Fahrzeitverkürzungen in Richtung Innenstadt,
- deutliche Verkehrsverlagerung von der Straße und damit
- Reduzierung des CO2-Ausstoßes,
- Bypass im Störfall, zudem Verhinderung von Verspätungsübertragungen aus dem Außen- auf den Innenstadtbereich,
- ufgrund Nutzen-Kosten-Verhältnis volkswirtschaftlich sinnvoll, deshalb
förderfähig,
- Realisierbarkeit bis zu den angestrebten Olympischen Winterspielen
2018.
Ein
S-Bahn-Südring-Ausbau
ist zwar technisch und betrieblich machbar
und führt zu einer verbesserten verkehrlichen Erschließung der südlichen
Stadtgebiete, scheidet jedoch wegen gravierender Nachteile aus:
- geringe Entlastung der bestehenden Stammstrecke,
- keine schnelle Erreichbarkeit der zentralen Aufkommensschwerpunkte,
- wesentliche Eingriffe und Auswirkungen (Eigentumsrechte, Umwelt,
Stadtbild),
- vergleichsweise hohe Gesamtkosten von rund 1,3 Milliarden Euro mit
netzergänzenden Maßnahmen,
- schlechtes Nutzen-Kosten-Verhältnis, somit auch nicht förderfähig,
- Inbetriebnahme voraussichtlich erst 2023 möglich.
Die künftige
Schienenanbindung des Flughafens München über den
"Ostkorridor"(Gesamtplanfall 5) unter Einbeziehung des 2. Stammstreckentunnels mit einem viergleisigen Ausbau der S8-Strecke im Münchner
Nordosten weist jedenfalls bei der von der Stadt für erforderlich gehaltenen Tunnelführung zwischen Daglfing und Johanneskirchen erhebliche Vorteile auf und sollte weiter verfolgt werden:
- von der Stadt bereits seit 2002 geforderte Express-S-Bahn-Verbindung
zwischen Hauptbahnhof und Flughafen in nur 23 Minuten,
- zukunftsorientierte Möglichkeiten für den grenzüberschreitenden Güterverkehr (Brenner-Basis-Tunnel);
- Beseitigung von Verkehrs- und Umweltproblemen im Münchner Nordosten;
- beste Entwicklungsmöglichkeiten für das Gebiet östlich der S8-Strecke
mit erheblichen Einwohner- und Arbeitsplatzpotenzialen.
Die Tunnelführung wird näher untersucht, Finanzierungsmodelle werden zu
entwickeln sein. Im Falle der Weiterplanung einer anvisierten Führung von
Fernverkehr zum Flughafen über die S1-Stecke würden Lösungen für die
Querungs- und Lärmproblematik zu prüfen sein.
Schließlich liegt nunmehr auch eine vertiefende Begutachtung eines
"Nordtunnel light"
(Hauptbahnhof – Schwabing in Tieflage, Verbindung
über DB-Nordring zur S8-Strecke) vor, die von der Stadtverwaltung noch
genauer zu prüfen sein wird.
Im Rahmen einer Gegenüberstellung der Bewertungsergebnisse hat sich gezeigt, dass
- die untersuchten Varianten des Konzepts "Nordtunnel light" bei einem
Investitionsbedarf zwischen 3,4 und 3,7 Milliarden Euro zu einem
schlechteren Ergebnis führen, als die Kombination aus 2. S-Bahn-Stammstrecken-Tunnel und Flughafenanbindung über eine ausgebaute
S8-Trasse gemäß Flughafengutachten (ohne Pasinger Kurve),
- bei Berücksichtigung der Anforderungen an die Infrastruktur (Fern-
verkehrstauglichkeit) demnach der Nutzen eines "Nordtunnel light"
unterhalb der hiermit verbundenen Kosten liegt,
- die Voraussetzungen für eine (Mit-)Finanzierung durch den Bund somit
nicht gegeben wären
- und dieser Planfall nach Aussage der Gutachter keine Perspektive für
die Fernverkehrsanbindung des Flughafens bietet.
Hingegen wurde für die
Gesamtmaßnahmen 2. Stammstreckentunnel
mit Flughafenanbindung über eine ausgebaute S8-Strecke
ein Investitionsbedarf von rund 2,9 Milliarden Euro und ein Nutzen-Kosten-Verhältnis
von 1,7 errechnet (ohne eine vom rechtlich notwendigen Immissionsschutz her gesehen nicht zwingend vorzusehende Tunnelführung im
Münchner Nordosten).
Damit hat sich jedenfalls die bisherige Einschätzung der Landeshauptstadt
München bestätigt, wonach der Planungsvorschlag "Nordtunnel light" aus
verschiedenen gewichtigen Gründen keine tragfähige und verfolgenswerte
Alternative zu den favorisierten Lösungen für S-Bahn-Ausbau und Flugha-
fenanbindung darstellt. Aus städtischer Sicht problematisch erscheint ein
"Nordtunnel light" unter anderem
- verkehrlich (zum Beispiel kaum Entlastung der bestehenden Stamm-
strecke und keine weitreichenden Möglichkeiten für das Störfallmanagement, Mischverkehr mit verschiedenen negativen Folgen, aufwändige zusätzliche Ausbaumaßnahmen im Schienennetz),
- räumlich und städtebaulich (zum Beispiel Anordnung der Stationen und
des Flucht- und Rettungswegesystems mit Notausgängen, Baustelleneinrichtungsflächen) und, was noch schwerwiegender ist,
- es wäre ein vollständiger Neubeginn der zeitraubenden Planungen,
Verfahren und weiteren Projektvorbereitungen mit allen Unwägbarkeiten erforderlich und damit gravierende weitere Verzögerungen bei der
Lösung vorhandener und anstehender Verkehrsprobleme (erfahrungsgemäß bis 2025/2030) zu erwarten.
Für den dicht bebauten Stadtbereich wird sich bei derartigen Verkehrsgroßprojekten sicherlich keine rundum zufriedenstellende und völlig problemlose Lösung finden lassen. Es bleibt daher nur eine gründliche Untersuchung und eine eingehende Abwägung verschiedener Möglichkeiten mit
ihren vor- und nachteiligen Auswirkungen beim Bau und beim künftigen
Betrieb, ihres verkehrlichen und volkswirtschaftlichen Nutzens und aller
ansonsten wichtigen Aspekte.
Dazu Oberbürgermeister Ude: "Dies ist hinreichend geschehen – und
nach wie vor zeigen sich die deutlich überwiegenden Vorteile einer 2. S-Bahn-Stammstrecke mit Tunnelführung. Nun muss aber auch eine Realisierungsentscheidung getroffen werden und alle noch notwendigen planerischen, rechtlichen und finanziellen Schritte müssen zügig erfolgen, um
zum Ziel zu kommen. Es hilft weder den Bahnfahrgästen noch der Entwicklung der Metropolregion München, wenn immer wieder neue Planungsideen aufgetischt werden und schließlich eine akzeptable Verkehrslösung in weite Ferne rückt."
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