Daten zur Stadtgeschichte

Die Stadtgeschichte in der Frühen Neuzeit

1522Herzog Wilhelm IV. erlässt das erste bayerische Religionsmandat. Es ist eine Zensur-Verordnung, die die Verbreitung und das Lesen von lutherischem Schrifttum unter Strafe stellt. Damit beginnt in Bayern offiziell die Gegenreformation gegen die Lehre Martin Luthers und anderer Reformer des alten Glaubens.

 
1558 Gründung der Hofbibliothek (heute Bayerische Staatsbibliothek in der Ludwigstraße). Um diese Zeit beginnt die Schaffung von einer Reihe von Zentralbehörden (Geistlicher Rat 1556/1570, Hofkammer 1572) in München, die heute noch als Staatsministerien, Regierungs- und Verwaltungsgebäude staatlicher Behörden oder Gerichten einen breiten Raum im Stadtbild, z.B. in der Ludwigstraße und am Hofgarten, einnehmen. München ist heute nicht nur Sitz der bayerischen Staatsregierung, sondern auch der Regierung des Regierungsbezirkes Oberbayern.

 
1559 Erstmals seit dem 13. Jahrhundert wird mit den Jesuiten durch Herzog Albrecht V. wieder ein neuer Orden nach München gerufen. Sie haben unter anderem die Aufgabe durch die Unterweisung von Schülern und durch öffentliche Propagandaveranstaltungen wie monströse Theateraufführungen mit biblischen Themen im Freien aufklärend für den alten, den katholischen Glauben, zu wirken. Bereits ein Jahr später eröffnen sie das erste Münchner Gymnasium (Jesuiten- oder später Wilhelms-Gymnasium).

 
1560/
70
Beginn großer Neubauten für die "Neufeste" an der heutigen Residenzstraße, aus der in den folgenden Jahrhunderten die umfangreiche Anlage der Residenz (mit Hofgarten von 1613) als Wohnung und Regierungszentrale der Herzöge, Kurfürsten und Könige entsteht.

 
1583/
90
Bau von Jesuitenkirche St. Michael und Jesuitenkolleg an der Neuhauser Straße. Diese größte Kirche im Stil der Renaissance nördlich der Alpen mit dem nach St. Peter in Rom größten Tonnengewölbe der Welt leitete auch den neuen Stil des Barock in Süddeutschland ein und wurde beispielhaft für über 100 Nachfolgebauten.

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Das Jesuitenkolleg St. Michael 1597
 
1589 Herzog Wilhelm V. gründet das Hofbräuhaus für das Brauen von braunem Bier (braunes Hofbräuhaus) an der heutigen Sparkassenstraße, im Anschluss an das sog. Zerwirkgewölbe. Bis dahin bezog der Herzogshof das Bier von bürgerlichen Bierbrauern in der Stadt oder ließ es von auswärts, unter anderem aus der berühmten Bierstadt Einbeck in Niedersachsen, einführen. Am Platzl, wo das weltberühmte Haus heute noch steht, wurde 1602 das weiße Hofbräuhaus - also für das Brauen von Weißbier - eingerichtet und beide Brauhäuser erst 1808 hier vereinigt. Der Brauereibetrieb wurde 1890 aus der Innenstadt hinausverlegt. Das Hofbräuhaus am Platzl, das seither nur noch Gaststätte ist, erhielt seine heutige Gestalt 1896.

 
1601 Mit der Berufung der Kapuziner nach München wird eine beispiellose Welle von neuen Klostergründungen durch das Herzogs- und Kurfürstenhaus eingeleitet, die bis 1754 andauert. Alleine 15 neue Klöster, dazu Kirchen, Kapellen und Klostergebäude breiten sich in der Stadt aus. Viele von ihnen wurden bei der Klosteraufhebung (Säkularisation) nach 1803 vernichtet. Trotzdem vermitteln die noch erhaltenen Bauten aus dieser Zeit immer noch den Eindruck einer katholisch-geistlichen Stadt.

 
1618-
1648
Dreißigjähriger Krieg in ganz Deutschland, ein Religionskrieg der katholischen (Kaiserhaus Habsburg und bayerischer Herzog Maximilian) und der protestantischen Partei (Böhmen und sein König Friedrich V., die Dänen und Schweden). Die Auseinandersetzung brachte dem bayerischen Herzog 1623 die Kurfürstenwürde ein und damit das Recht, zusammen mit sechs (später sieben) weiteren Fürsten, den Kaiser wählen zu dürfen. Der Krieg führte zum Ausbau der Festungswerke (Mauer und Graben) um die Stadt, von denen heute nur noch spärliche Reste vorhanden sind, und zur Besetzung der Stadt 1632 durch die (protestantischen) Schweden unter ihrem König Gustav Adolf, dessen "Wirken" auch in anderen deutschen Städten schmerzlich bekannt wurde.

 
1638

Im Verlauf des Krieges lässt Kurfürst Maximilian mitten auf dem Marktplatz die Mariensäule errichten und löst damit einerseits ein Gelübde von 1632 für die Erhaltung seiner beiden Hauptstädte Landshut und München vor des Feindes endlichem Ruin und Zerstörung ein, gestaltete damit aber auch ein Symbol des durch den Krieg wiedererstarkten Glaubens und veranschaulichte durch die 1641 zu Füßen der Statue klicken für eine vergrößerte Dartstellung!
Die Mariensäule am
Marienplatz
 angebrachten bronzenen Heldenputti die vier Plagen der Zeit: Hunger (Drache), Krieg (Löwe), Pest (Basilisk) und Ketzerei (Schlange).
1663 klicken für eine vergrößerte Dartstellung!
 Grundsteinlegung St. Kajetan
Grundsteinlegung zur Kirche St. Kajetan des Ordens der Theatiner und dem anschließenden Klosterkomplex am Ende der heutigen Theatinerstraße. Sie verdankt ihr Entstehen einem Gelöbnis der Kurfürstin Henriette Adelaide (Adelheid) für die Geburt des lange erwarteten Erbprinzen Max Emanuel.
1664 Baubeginn für das Schloss Nymphenburg, das in den folgenden etwa 100 Jahren zu einer imposanten Anlage mit weitläufigem Park ausgebaut wird.

1701 Grundsteinlegung zum neuen Schloß Schleißheim als Sommerresidenz des Kurfürsten in unmittelbarer Nachbarschaft zu dem schon ab 1616 erbauten alten Schloß.

1702 Erstmals wird berichtet, dass die Schäffler (Fassmacher, Böttcher) einen Tanz aufführen, den sog. Schäfflertanz, der immer noch alle sieben Jahre während der Faschingszeit aufgeführt wird. Der Legende nach soll er seine Entstehung einer Pestepidemie verdanken. Tatsächlich dürfte es sich um einen alten Handwerksbrauch ähnlich dem Gautschen beim Freisprechen der Buchdrucker-Gesellen handeln.

Schäffler; Fassadendetail vom Neuen Rathaus
  Fassadendetail des Neuen
  Rathauses mit Schäfflern
1702/
1715
Infolge eines Erbfolgekrieges um Spanien, wo das Königshaus vor dem Aussterben im Mannesstamme stand, stellte sich der bayerische Kurfürst Max Emanuel gegen Österreich und das erbberechtigte Kaiserhaus Habsburg auf die Seite des französischen Königs als ebenfalls Erbberechtigtem. Dies führte zum Krieg mit Österreich. In dessen Verlauf 1704 Flucht des Kurfürsten nach Brüssel (Aufenthalt bis 1715) und Besetzung Bayerns und Münchens durch Österreich mit eigener Administration. 1705 Bauernaufstände in weiten Teilen Bayerns gegen die Österreicher und vor den Toren Münchens blutige Schlacht in den Weihnachtstagen (sog. Sendlinger Mordweihnacht).

1742 Nach dem Tod von Kaiser Karl VI. in Wien entbrannte ein Kampf um die Kaiserkrone mit seiner Tochter Maria Theresia, da der Kaiser keinen männlichen Erben hinterlassen hatte. Deshalb kam es 1741 zum Krieg Bayerns mit Österreich und in dessen Verlauf nach der 1742 erfolgten Wahl des bayerischen Kurfürsten zum Kaiser Karl VII. Albrecht erneut zur Besetzung Münchens durch die Österreicher, die bis 1744 währte.

1753Nymphenburger Porzellan, Figuren von Franz Anton Bustelli
Figuren von A. Bustelli

Gründung einer Porzellanmanufaktur, seit ihrer Verlegung 1761 nach Nymphenburg "Nymphenburger Porzellanmanufaktur" genannt.

1777 Tod des Kurfürsten Max III. Joseph, ohne legitimen männlichen Erben. Dadurch erlischt das altbayerische Haus der Wittelsbacher und es erbt nach einem alten Hausvertrag die pfälzische Linie mit dem Kurfürsten Karl Theodor, der mit seinem gesamten Hofstaat von Mannheim nach München übersiedelt.

1789 In den Isarauen vor der Stadt wird mit der Anlage des Englischen Gartens begonnen, eines der frühesten, größten und bedeutendsten englischen Landschaftsgärten in Deutschland und wegen seiner von Anfang an vorgesehenen Zugänglichkeit für die Öffentlichkeit auch der erste sozusagen "demokratische" Garten des Kontinents. Er sollte volkserzieherisch der Bewegung und der Erholung von den Geschäften dienen, sowie dem geselligen Umgang und der Annäherung aller Stände. klicken für eine vergrößerte Darstellung!
Planaufnahme vom Englischen  Garten, 1806
 
1791 Mit der Niederlegung der Bastei vor dem Neuhauser oder Karlstor beginnt die Schleifung der Stadtmauern, von denen heute nur noch kümmerliche Reste vorhanden sind sowie ein Teil der Stadttore (Isartor vollständig, Sendlinger Tor und Neuhauser oder Karlstor teilweise). Vor dem Karlstor wird das Rondell angelegt, der Platz erhielt 1797 den Namen Karlsplatz nach dem Kurfürsten Karl Theodor, wird heute aber allgemein "Stachus" genannt, nach einem Gasthofbesitzer "Eustachius Föderl" (Stachius = Stachus), der an der Ecke zur Bayerstraße ein Gasthaus "Stachus", "Stachus-Garten" oder "Stachus-Wirt" besaß. An seiner Stelle steht heute der "Kaufhof".