Foto: Stadtarchiv
Karl Scharnagl / 1924-1933 - 1945-1948
Karl Scharnagl wurde am 17. Januar 1881 in München geboren. Hier besuchte der die Volksschule und die städtische Handelsschule. Er lernte als Bäcker und Konditor im elterlichen Geschäft und macht die Gehilfen- und die Meisterprüfung. Für das Zentrum, später die Bayerische Volkspartei, war er 1911 -18, 1920-24 und 1928-32 Mitglied des Bayerischen Landtags. 1919 wurde er in den Münchner Stadtrat gewählt. Vom 1. Januar 1925 bis 31. März 1933 war er erster Bürgermeister der Stadt München. 1926 verlieh ihm das Bayerische Innenministerium den Titel Oberbürgermeister.
1924 - 1933
In Scharnagls Amtszeit fiel der weitere Ausbau der städtischen Versorgungsbetriebe, die Erweiterung des Verkehrsnetzes, die Schaffung neuer städtischer Einrichtungen im Sozial- und Gesundheitswesen, der Ausbau des Flughafens auf dem Oberwiesenfeld und der Erwerb des Lenbachhauses, in dem die Städtische Galerie adäquat untergebracht wurde. 1927/28 entstand als ersten Münchner Hochhaus das zwölfgeschossige Technische Rathaus in der Blumenstraße.
Große Erfolge wurden in der kommunalen Wohnungspolitik erzielt. Karls Scharnagel 1925 in seiner Programmrede nach der Bürgermeisterwahl: "Dem Wohnungselend, unter dem nahezu die ganze Mieterschaft leidet, kann nicht durch Rationalisierung, Einkerkerung und Rechtlosmachung abgeholfen werden, sondern nur durch großzügigste Produktion von Wohnungen." 1926 gelingt es Scharnagl, in Amerika eine Millionenanleihe für München zu ergattern. Mit diesem Geld werden die Elektrizitäts- und Wasserwerke ausgebaut und der Grundstock für zwei gemeinnützige Wohnbaugesellschaften gelegt.
Die Schlussphase ist düste: 1932 fehlen im Haushaltsentwurf wegen der Massenarbeitslosigkeit 16,3, Millionen Reichsmark. Die Staatsaufsichtsbehörde greift ein und machte einen Zwangsabgleich.
Scharnagl wehrt sich am 9. März 1933 gegen die nationalsozialistische Gleichschaltung, weicht aber am 20. März "der Gewalt".
1945 - 1948

Am 4. Mai 1945, vier Tage vor dem offiziellen Ende des zweiten Weltkrieges, setzen die siegreichen Amerikaner Karl Scharnagln wieder ins Amt des Oberbürgermeisters ein.
Noch im gleichen Monat beginnt er in "Radio München, ein Sender der amerikanischen Militärregierung" die Sendereihe "Hier spricht der Bürgermeister". Das größte Problem stellt die durch die Kriegszerstörungen verursachte katastrophale Wohnungsnot dar; sie wird noch verschärft durch die rückkehrenden Evakuierten, Soldaten und einströmenden displaced persons und die ab Sommer 1946 verstärkten Transporte mit Heimatvertriebenen aus dem Osten.
In seiner ersten Rede vor dem von der Besatzungsmacht eingesetzten Stadtrat stellt Scharnagl am 1. August 1945 fest:
"Wir können uns nicht scharf genug trennen von allen jenen, die durch ihre Mitarbeit in mehr oder minder großem Ausmaß die NSDAP hochgebracht und ihr verbrecherisches Treiben so viele Jahre hindurch gestützt haben. Wir wollen keine bloße Hass- und Vergeltungspolitik betreiben; wir wollen und müssen aber verhindern, dass auch nur Reste dieser verkommenen Anschauung gewissenloser Elemente in unserer Bevölkerung und vor allem im Öffentlichen Leben bestehen bleiben können."
Scharnagl macht sich besonders verdient um die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Brennmaterial sowie um den Wiederaufbau der Verwaltung, der Krankenhäuser und später der Schulen.
Am 6. Juni 1946 wird Karl Scharnagl zum 3. Mal zum Oberbürgermeister gewählt. Nach dem Wahlsieg der SPD 1948 wird er unter Thomas Wimmer 2. Bürgermeister, tritt aber nach einem Jahr bereits in den Ruhestand. Karl Scharnagl starb am 6. April 1963.