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V.l.n.r.: Christoph Reiserer, Georg Glasl, Sachiko Hara, Klaus Schedl

Begründung der Jury

Musikförderpreis 2009

Die Jury (Dr. Nikolaus Brass, Christian Mattick, Mathis Mayr, Carl Oesterhelt, Helga Pogatschar, Brigitte von Welser und die Stadträte Haimo Liebich (SPD), Thomas Niederbühl (Die Grünen/RL), Marian Offman (CSU), Richard Quaas (CSU), Regina Salzmann (SPD)) begründete ihr Votum wie folgt:

Georg Glasl

Der 1957 geborene Zitherspieler Georg Glasl arbeitet seit 1989 in München als Dozent am Konservatorium und jetzt an der Hochschule für Musik und Theater. Mit seinem seit 1995 immer weitere Kreise ziehenden Münchner Zitherfestival im Gasteig (wegen seiner Uraufführungsdichte respektvoll in einem WDR-Bericht als „Zither-Biennale“ bezeichnet) hat er ein Forum der Moderne geschaffen, „auf dem sich junge Musiker mit diesem in fast allen Kulturen gespielten Instrument selbstbewusst und auf hohem Niveau vorstel-len“ (Reinhard Schulz). Der Brückenschlag zwischen Volksmusik und Avantgarde ist Georg Glasls Domäne. Zahlreiche Komponisten, u. a. Violeta Dinescu, Wilfried Hiller, Peter Kiesewetter, Dieter Schnebel und Christian Wolff, haben für ihn und sein Instrument geschrieben. Er spielt bei zahlreichen Festivals und renommierten Konzertreihen (z.B. musica viva München, Mu-sikprotokoll im Steirischen Herbst, Wien modern), arbeitet intensiv mit Musikern außer-europäischer Kulturen zusammen und tritt zum Thema „Regionale Identität – regionale Musik“ als Dozent von Workshops an der Elfenbeinküste, in Tunesien und in den U.S.A. auf. Sein jüngstes musikalisches Produkt zu diesem Themenkomplex ist das Projekt „Dreigesang“, das er als Autor und Interpret zusammen mit der Performerin Ruth Geiers-berger und der Sängerin Martina Koppelstätter entwickelt hat. Georg Glasls Einfluss auf die Münchner Musik- und Performance-Szene und seine loka-le Bedeutung als Musiker, Mentor und Initiator sind nicht zu unterschätzen. Unermüdlich arbeitet er daran, innovative Entwicklungslinien aufzuzeigen, sie zusammen zu führen und sich mit Erfahrung und Eigensinn von hoher Originalität dabei selbst einzubringen. Wie z.B. beim Projekt „Marienleich“ oder bei der „Mozart-Juke-Box“ in der SalzNacht zum 850.Stadtjubiläum im Gasteig 2008 werden im Ergebnis ungewöhnliche Konzepte realisiert, manchmal verstörend anders, traditionell widerspenstig und hintersinnig, immer klanglich höchst ausdifferenziert.
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Sachiko Hara

Die Pianistin Sachiko Hara brilliert seit Jahren durch ihr präzises, schnörkelloses Klavier-spiel bei diversen Aufführungen zeitgenössischer Musik in München. Sie ist Mitglied beim Ensemble "Zeitsprung" und gastierte beim Münchner Ensemble "piano possibile" und der Taschenphilharmonie. Sachiko Hara konzertierte unter anderem bei der Konzertreihe "Klangspuren" der Münchner Biennale, auf der Ruhrtriennale 2008 und beim "Tschaikovsky Festival" in Vinitsa und Odessa. Außergewöhnlich ist ihre Bereitschaft, auch mit zeitgenössischen Komponisten jenseits der neuen Musikszene oder Musikern aus der experimentellen Popmusik zusammenzu-arbeiten, und so kann man Sachiko Haras Klavierspiel nicht nur bei Uraufführungen aktueller Werke Münchner Komponisten, sondern auch auf Tonträgern des Münchner Indielabels "Hausmusik" bewundern. Ihr scheinbar müheloses Musizieren auf höchstem Niveau wird hoffentlich noch bei vielen Projekten, Aufführungen und Aufnahmen zu hören sein.
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Christoph Reiserer

Christoph Reiserer zeichnet sich durch seinen Einfallsreichtum, Entdecker-, Pionier- und Forschergeist ebenso aus wie durch seine großen Qualitäten als Komponist und als In-strumentalist. Seine Vielseitigkeit stellt er sowohl bei Auftritten in der Improvisationsszene als auch bei Konzerten mit komponierter zeitgenössischer Musik, bei Theaterprojekten und anderen szenischen Aufführungen unter Beweis. Diese Arbeit hat ihm auch überregional Aner-kennung verschafft. Die Initiative „Musik zum Anfassen“ unterstützt er als maßgeblicher Ideengeber bei der kompositorischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Durch seine musikalische Arbeit bestimmt Christoph Reiserer in München das aktuelle Musikleben maßgeblich mit. Er überrascht mit seinen überaus erfindungsreichen, an-spruchsvollen, genau durchdachten und musikalisch hervorragenden Aktionen und Kom-positionen immer wieder aufs Neue. Zu seinen originellsten und spannendsten Projekten in den letzten Jahren zählen seine Bürooper „Und wenn wir dann soweit sind“ mit Cornelie Müller, „Flux 2008“ - eine Floßfahrt mit Flügel auf der Isar im Rahmen des Programmes „Kunst hören - Musik sehen“, Aktionen und Performances im Deutschen Museum sowie Installationen wie der klingende Tisch in der Seidlvilla.
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Klaus Schedl

Der 1966 geborene Komponist Klaus Schedl wurde insbesondere durch seine Musiktheater-Stücke an ungewöhnlichen Orten, aber auch durch seine programmatische Mitarbeit beim Ensemble piano possibile bekannt. Er löst kompositorisch die Grenzen zwischen E- und U-Musik auf und verfolgt konsequent seinen Stil. Dabei beweist er große Bandbreite in der Verwendung der Mittel und arbeitet für klassisches Instrumentarium ebenso routiniert wie mit elektronischen Klangerzeugern. Zu seinen wichtigsten Werken zählen „suchmaschinen im lichtleeren meer. Elektrisches Singspiel für 5 Taxis, 7 Sängerinnen und einen Maschinisten“, „Quaresma“, eine moderne Passionskomposition für Elektronik und grossen Chor, die in St. Lukas uraufgeführt wurde, „City Scan“ für Elektronik und vier Musiker, sowie seine Elektro-Oper „Regen aus der Erde“ in den Isarauen Münchens. Klaus Schedls multimedial erdachte Werke zeigen den modernen Konzeptkünstler, der Kategorien wie „angewandte Komposition“, „Popularmusik“ und „Gebrauchsmusik“ nicht als abwertend ansieht und die verschiedenen stilistischen Mittel zielgerichtet zur Ausformung eines eigenen Ausdrucks einsetzt.