Brienner Straße, Karolinenplatz (Barer Straße, Karlstraße, Meiserstraße)
Foto der sogenannten Ehrentempel In den sogenannten Ehrentempeln waren die Särge der zu »Blutzeugen der Bewegung« stilisierten Toten des missglückten Putsches von 1923 aufgebahrt.

Parteizentrale München – Machtzentrale Berlin

Als Reichshauptstadt war Berlin das politische Zentrum des NS-Staates. München diente als »Hauptstadt der Bewegung« vor allem den Repräsentationsbedürfnissen. Hier verblieb zudem die Reichsleitung der NSDAP. Andere nationalsozialistische Organisationen und Verbände hatten im Umfeld des Königsplatzes ihre Zentrale oder waren mit einer Nebenstelle vertreten.

Rudof HeßDer »Stellvertreter des Führers«, Rudolf Heß (1894–1987). München spielte nach 1933 im nationalsozialistischen Kräftesystem eine zunehmend nachrangige Rolle gegenüber Berlin. Wichtig blieb die »Hauptstadt der Bewegung« jedoch als Zentrum der Parteibürokratie. Einflussreiche Funktionäre hatten hier ihre Dienststellen, so der »Stellvertreter des Führers« Rudolf Heß (1936–1941), der »Leiter der Parteikanzlei« Martin Bormann (1941–1945) mit Sitz in der ehemaligen päpstlichen Nuntiatur (40) oder der »Reichsschatzmeister der NSDAP« mit Sitz im »Verwaltungsbau« (42)

Wichtige Aufgaben des »Stellvertreters des Führers« (von 1941 an »Parteikanzlei«) waren Kontroll- und Leitungsfunktionen gegenüber Partei und Staat, z.B. in der »Rassen«- und Personalpolitik. Der Reichsschatzmeister bewirtschaftete und vermehrte nicht nur das enorme Vermögen der NSDAP. Die Mammutbehörde mit zeitweise mehr als 3.200 Mitarbeitern verwaltete zudem die bei Kriegsende rund acht Millionen Mitglieder der Partei.

Das »Oberste Parteigericht« am Karolinenplatz 4 (44) hatte die Aufgabe, parteiinterne Streitigkeiten zu regeln und parteischädigendes Verhalten einzelner Mitglieder zu ahnden. In der Barer Straße 15 befand sich das »Hauptarchiv der NSDAP« unter der Leitung von Robert Ley (45). Dieses war u.a. dafür verantwortlich, dass die Geschichte der Partei zum pseudoreligiösen Mythos umgedeutet wurde.

Foto vom Königsplatz Zwischen 1933 und 1938 wurde das historische Ensemble des Königsplatzes aus dem 19. Jahrhundert zum zentralen Aufmarschplatz und kultischen Zentrum der NS-Bewegung umgestaltet.

Kartenausschnitt
  1. Stab des »Führer«-Stellvertreters Rudolf Heß (1936–1941), »Parteikanzlei« Martin Bormann (ab 1941) Reichsschatzamt der NSDAP, Brienner Straße [15]
  2. Zentrale Informationstafel, Arcis-/Ecke Brienner Straße 43
  3. »Oberstes Parteigericht der NSDAP«, »Verwaltungsgebäude NSDAP« (1935–1945), Karolinenplatz 4
  4. »Hauptarchiv, Reichsorganisationsleitung, Hauptpersonal- und Organisationsamt der NSDAP« (1934–1945), Barer Straße 15

Adressangaben

Zeitgenössische Adressangaben vor 1945 finden Sie in eckigen Klammern.

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