
Die kommunalen Museen haben dem Kulturausschuss des Münchner
Stadtrats heute einen Überblick über ihr Programm 2011
gegeben. Die Städtische Galerie im Lenbachhaus wird während
der Sanierung und der Erweiterung der historischen Künstlervilla
Lenbachs im Kunstbau „Mondrian und De Stijl“, Aquarelle und
Zeichnungen von Egon Schiele und auch
Videokunst der Musiker von „Kraftwerk“ zeigen. Das
Münchner Stadtmuseum wird Industriefotografie unter anderem von
Bernd und Hilla Becher ausstellen. Projekte, die sich mit der
Stadtgesellschaft in der Gegenwart auseinandersetzen, sind ebenfalls
geplant. Außerdem zeigt das Stadtmuseum seine Fächersammlung
und präsentiert das 15. Figurentheaterfestival. Das Jüdische
Museum München setzt zunächst seinen Themenschwerpunkt
„Stereotypen“ fort und geht auf Beispiele aus der
Fernsehgeschichte ein, bevor es sich dann ab dem Jahresende dem Motto
„OSTWEST“ zuwendet. Und das Museums Villa Stuck stellt der
monographischen Aussstellung zu Heinrich Kley den zeitgenössischen
Künstler Cornelius Völker gegenüber. Anschließend
folgen Fotografien aus der Sammlung Goetz, eine Ausstellung zur zehnten
Verleihung des Danner-Preises für Kunsthandwerk und am Jahresende
Plakatkunst von Jules Chéret.
Während der Generalsanierung und Erweiterung des Lenbachhauses
zeigt die Städtische Galerie ihr Programm im Kunstbau. Nach der
bis 13. Februar 2011 verlängerten Ausstellung über Gabriel
von Max wird von April bis August „Mondrian und De Stijl“
eine umfassende Präsentation gewidmet. Ebenso wie das Bauhaus
beeinflusst die „De-Stijl“-Gruppe um Piet Mondrian und Theo
van Doesburg unseren Alltag noch heute. Mondrian, mit Kandinsky
und Malewitsch einer der Gründerväter malerischer
Abstraktion, schuf streng geometrische Gemälde, die heute als
Ikonen der Moderne gelten. Ihre charakteristische Struktur aus einem
schwarzen Raster, in das Flächen in den Grundfarben eingepasst
sind, führt längst ein reges Eigenleben in Kunst und Mode,
Werbung und Populärkultur. Möbel wie Gerrit Rietvelds
„Rot-Blauer-Stuhl“ genießen inzwischen den Status von
Design-Klassikern. Aber auch Film, Musik und Literatur fanden die
Beachtung der stilbildenden niederländischen Avantgarde-Gruppe.
Die Ausstellung in München entsteht in Kooperation mit dem
Gemeentemuseum in Den Haag, Heimat der weltweit umfangreichsten
Sammlung an Bildern Piet Mondrians.
Im Oktober/November wird die Band „Kraftwerk“ zu Gast sein
im Kunstbau und visuelle Kunst zeigen, die elementarer
Bestandteil ihrer Arbeit als Musiker ist. Bereits seit 40 Jahre
prägen die Düsseldorfer Künstler nicht nur die
elektronische Tanzmusik maßgeblich, sie beeinflussen mit ihrem
Gesamtauftritt auch die Videokunst und gestalterische Entwicklungen,
die über den Musikbereich weit hinausreichen.
Zum 100-jährigen Jubiläum der historischen Redaktionssitzung
von Wassily Kandinsky und Franz Marc wird dem Almanach “Der Blaue
Reiter” am 24. Oktober 2011 eine szenische Lesung gewidmet.
„Egon Schiele. Das unrettbare Ich“ lautet der Arbeitstitel,
unter dem eine Ausstellung mit Aquarellen und Zeichnungen aus der
Albertina Wien vorbereitet wird. Sie ist ab Dezember geplant und soll
bis März 2012 dauern. Egon Schiele ist einer der populärsten
Künstler der Moderne, der so stark wie kaum ein anderer für
die Verschmelzung von Biographie und Werk steht. Seine bekanntesten
Arbeiten wurden vielfach herangezogen, um diesen engen Bezug zu
interpretieren. Die Ausstellung im Kunstbau des Lenbachhauses mit ca.
120 Arbeiten eröffnet einen neuen Zugang zum Werk des
expressionistischen Malers, indem erstmals Schieles Ideenwelt in den
Vordergrund gerückt wird. Dank einer umfassenden Auswahl von
Aquarellen und Zeichnungen können alle fundamentalen Themen seiner
Kunst aufgezeigt werden. Durch die Gegenüberstellung von Bildern
mit Auszügen aus Schieles poetischen Schriften wird sein
Selbstverständnis und Weltbild deutlich.
Der Blaue Reiter auf Reisen
Im Gegenzug zu den Leihgaben aus der Albertina werden Aquarelle,
Zeichnungen und Druckgrafik des Blauen Reiter aus dem Lenbachhaus nach
Wien verliehen. Die Ausstellung „Kandinsky und Der Blaue
Reiter“ aus dem Lenbachhaus mit Gemälden tourt derzeit durch
Japan (Tokyo, Nagoya, Kobe, Yamaguchi). Damit kann zum einen die
internationale Aufmerksamkeit für den Bestand der Städtischen
Galerie verstärkt werden. Zugleich werden während des Umbaus
Kosten für die Auslagerung der wertvollen Werke vermieden.
Nach der Ausstellung “Herlinde Koelbl – Mein
Blick. Eine Werkschau 1976 bis 2010” widmet sich die Sammlung
Fotografie des Münchner Stadtmuseums der Industriefotografie von
1857 bis heute. 120 Arbeiten aus der eigenen Sammlung zu diesem Genre
der Fotografie – unter anderem von Franz Hanfstaengl, Georg
Böttger, Francis Frith, Peter Keetman, Toni Schneiders, Ludwig
Windstoßer oder Joachim Brohm – werden zu sehen sein,
darunter auch Joachim Brohms Langzeitdokumentation des
Areals „Parkstadt Schwabing“, die zwischen 1997 und 2006
entstanden ist.
Parallel dazu findet die Ausstellung Bernd und Hilla Becher, Bergwerke
und Hütten, 110 Fotografien statt. Das Ehepaar Bernd und Hilla
Becher hat über vierzig Jahre an einer Bestandsaufnahme der
Industriearchitektur im Ruhrgebiet, insbesondere den für diese
Region typischen Bergwerken und Stahlhütten gearbeitet. Die
für die Geschichte der Region so wichtige Sprache der
Industriearchitektur findet hier zu einer gültigen
Darstellung. Zum ersten Mal wird in einer Ausstellung dieser
Bereich ihres Schaffens systematisch erschlossen.
Zum ersten Mal findet im März 2011 die „Bücherschau
junior“ im Münchner Stadtmuseum statt, die vom
Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband
Bayern veranstaltet wird.
Als Präsentation mit Gegenwartsbezug und im Rahmen der
Veranstaltungsreihe des Kulturreferats zur Geschichte des Protestes in
München werden im Münchner Stadtmuseum Aufnahmen des
Fotografen Branko Senjor (1936 -2005) gezeigt. Senjor hat den Alltag,
das Personal und die Kunstwerke in der Münchner Akademie der
Bildenden Künste fotografiert. Ende der 60er Jahre wurde er
Augenzeuge der Studentenunruhen, deren Manifestationen er mit der
Kamera dokumentierte. Seine Aufnahmen zeigen die damaligen
Verhältnisse und die wichtigsten Protagonisten der studentischen
Protestbewegung.
Die Fächersammlung des Münchner Stadtmuseums wird unter dem
Titel “Augenweide” ab Juli 2011 bis zum Jahresende die
Bedeutung des Fächers als ehemals wichtiges Accessoire in der
Damenmode beleuchten. Für die Damen des Rokoko, Empire,
Biedermeier und der Belle Epoque war das Spiel mit dem Fächer ein
gesellschaftliches Muss. 150 Fächer, vor allem aus dem 18. und 19.
Jahrhundert, aber auch neuere Beispiele aus dem 20. Jahrhundert werden
vertreten sein. Abgerundet wird die Schau durch zahlreiche historische
Modeabbildungen, die das Thema Fächer behandeln. Auch
Gemälde, Plakate und Modefotografien werden zu sehen sein.
Das “internationale figurentheaterfestival” in
München, das sein 15 jähriges Bestehen feiern kann, hat sich
das Motto “über MENSCHEN” gegeben. Es findet im
Oktober im Münchner Stadtmuseum statt und konzentriert sich auf
internationale Inszenierungen, die sich mit unserer sozialen oder
politischen Realität auseinandersetzen. Außerdem wird im
200. Todesjahr Heinrich von Kleists auch eine in ihrer Spielweise und
metaphorischen Bedeutung faszinierende Figurenform ins Zentrum der
Betrachtung rücken: Die Marionette.
Ebenfalls im Oktober gibt es Bread & Puppet Theater aus den USA zu
sehen. Die Ausstellungsinstallation des bekannten US-amerikanischen
Künstlers mit deutschen Wurzeln, Peter Schumann, zeigt seine
faszinierenden Großfiguren und Masken und stellt die Frage, wie
politisch Figurentheater sein kann.
Die Ausstellung “Karl Hubbuch und das Neue Sehen 1925-1945”
wird Ende Oktober 2011 eröffnet werden. Hubbuch, einer der
wichtigsten neusachlichen Maler des 20. Jahrhunderts, wird in dieser
Ausstellung erstmals als Fotograf gewürdigt. Im Zentrum der mehr
als 100 Arbeiten umfassenden Präsentation steht Hubbuchs intensive
Auseinandersetzung mit dem Modellbildnis und der
Straßenfotografie.
Für das Ausstellungsjahr 2010/2011 hat das Jüdische Museum
die Thematik "Stereotypen" gewählt. Nach "Typisch! Klischees von
Juden und Anderen" folgt "Das war spitze! Jüdisches in der
deutschen Fernsehunterhaltung". Vom 13. April bis zum 6. November 2011
geht es um die öffentliche Inszenierung von sogenannten
Medienfiguren, ob als „real existierende Jüdinnen und
Juden“ oder als “fiktiv inszenierte Filmfiguren“ im
Fernsehen. Eine wesentliche Rolle wird dem jüdischen Quizmaster
und Moderator Hans Rosenthal zugemessen. In seiner langjährigen
Karriere als Unterhaltungsmacher hat er sich zwischen den Rollen des
„Spielmeisters“, des Holocaust-Überlebenden und des
langjährigen stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrats der
Juden in Deutschland bewegt. Beispiele jüdischer Klischees in
Fernsehformaten wie „Lindenstraße“ oder die
ARD-Sendereihe „Tatort“ mit ihrem besonderen Lokalkolorit
sind Beispiele für die Besetzung jüdischer Rollen im
Fernsehfilm.
Mit seinem Jahresthema OSTWEST reagiert das Jüdische Museum ab
November 2011 auf einen Wandel. Spätestens mit der Zuwanderung von
mehr als 190.000 russisch-jüdischen Migrantinnen und Migranten
nach 1990 kann von einem neuen Kapitel jüdischen Lebens in
Deutschland gesprochen werden. Während Jüdische Museen in
Deutschland im Allgemeinen an die Geschichte und Kultur derjenigen
erinnern, denen in den 1930er Jahren die Flucht ins Exil gelang oder
die die Verfolgung nicht überlebten, wird das Jüdische Museum
München den umgekehrten Weg gehen. In drei Ausstellungen werden
die Geschichte und Kultur derjenigen jüdischen Personen und
Gruppen nachgezeichnet, deren Familiengeschichte und Biographie in
Osteuropa begann und von dort an die Isar gelangte. Der Bogen spannt
sich von Migrantinnen und Migranten, die Anfang des 20. Jahrhunderts
von Osteuropa in den Westen kamen über die jüdischen
Displaced Persons, die nach 1945 eine unfreiwillige Heimat in den
Flüchtlingslagern in und um München fanden bis zu den so
genannten Kontingentflüchtlingen, die heute die Mehrheit der
Jüdinnen und Juden in Deutschland ausmachen. Eine Ausstellung, die
nicht eine Geschichte von Flucht und Vertreibung, sondern von
Zuwanderung und Beheimatung nachzeichnet, ist ein Novum für
München und wird eine wichtige Vermittlungsfunktion
übernehmen. Dem wird auch der begleitende Katalog Rechnung tragen.
Im Studienraum des Museums werden 2011 mehrere Kabinettausstellungen,
sowohl aus eigenen Sammlungsbeständen, als auch in Kooperation mit
anderen Einrichtungen, unter anderem dem Institut für
Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität, realisiert
werden.
Das Ausstellungsprogramm bringt angewandte und bildende Künste
in Verbindung und knüpft damit an die gattungsübergreifende
Idee des Gesamtkunstwerks Franz von Stucks an.
Mit der Ausstellung »Heinrich Kley (1863–1945). Ein Meister
der Zeichenfeder im Kontext seiner Zeit« (17.02. bis 01.05.
2011), die in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Museum für
Karikatur Hannover - Wilhelm-Busch entsteht, präsentiert die Villa
Stuck einen Zeitgenossen Franz von Stucks. Erstmals wird das Werk des
Malers und Zeichners Heinrich Kley in einer umfassenden monographischen
Ausstellung gezeigt und in den Kontext seiner Zeit gestellt. Kley
genoss zu Lebzeiten den Ruf eines erstrangigen Industriemalers, der
seine Motive hauptsächlich in den Krupp’schen
Gussstahlfabriken und Hüttenwerken fand. Der breiten
Öffentlichkeit wurde der Künstler durch die Mitarbeit an den
Zeitschriften "Simplicissimus" und "Jugend" bekannt.
Einen Schwerpunkt der Villa Stuck bildet die Gegenüberstellung von
Kunst des 19. Jahrhunderts und zeitgenössischen
künstlerischen Positionen. Parallel zur Ausstellung
»Heinrich Kley« zeigt die Villa Stuck Werke des 1965 in
Kronach geborenen Künstlers Cornelius Völker. Die Ausstellung
»Cornelius Völker« (17.02. bis 08.05. 2011), die in
enger Kooperation mit dem Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen, dem
mönche haus museum goslar und dem Von der Heydt-Museum Wuppertal
entsteht, ist die erste umfassende Präsentation zu seinem Werk.
Die Trivialität der Sujets steht bei Völkers Bilderserien
zweifellos in der Tradition der Pop Art, die malerische Umsetzung
nicht. Bei näherem Hinsehen entwickeln Farbauftrag und
Pinselstrich ein geradezu physisches Eigenleben.
Die große Sommerausstellung der Villa Stuck »Streetlife and
Homestories. Fotografien aus der Sammlung Goetz« (02.06. bis
18.09.2011) stellt das Thema Fotografie in den Mittelpunkt und
knüpft die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Villa Stuck und
Sammlung Goetz im Rahmen der Ausstellung »Hautnah« (2002)
an. Erstmalig wird die herausragende Fotokollektion der bedeutenden
Privatsammlung in einer umfassenden Überblicksschau
öffentlich präsentiert. Die Gegenüberstellung von
bedeutenden Fotokünstlern wie August Sander mit
Gegenwartskünstlern wie Wolfgang Tillmans ermöglicht nicht
nur einen Blick auf die Sammlungstätigkeit von Ingvild Goetz,
sondern auch auf Tendenzen der künstlerischen Haltung in der
Fotografie und Wechselwirkungen zwischen ihren Epochen.
Mit der Präsentation »Danner Preis 2011« (13.10.2011
bis 08.01.2012) widmet sich die Villa Stuck erneut den angewandten
Künsten. Im Jahr 2011 jährt sich zum zehnten Mal der
Danner-Preis, der international renommierte Landeswettbewerb für
das Kunsthandwerk in Bayern. Das Museum Villa Stuck widmet den
prämierten Exponaten eine Ausstellung und einen umfangreich
bebilderte Katalog.
Den Jahresausklang feiert die Villa Stuck mit der Ausstellung
»Jules Chéret (1836 – 1932). Künstler der Belle
Epoque und Pionier der Plakatkunst« (10.11.2011 bis 05.02.2012).
Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit Les Arts
Décoratifs, Paris. Jules Chéret gilt als der Vater des
modernen Plakats. Als Lithograf, Drucker, Zeichner, Maler, Dekorateur
und Illustrator ist er eine herausragende Gestalt des Pariser
Künstler- und Literatenmilieus an der Schwelle vom 19. zum 20.
Jahrhundert. Unter Einsatz der Farblithografie entwickelte
Chéret das Werbeplakat zu einer eigenständigen Kunstform
und trug mit seiner gewaltigen Produktion von Farbplakaten zur
Verwandlung des städtischen Erscheinungsbildes der Kunstmetropole
Paris bei.
Einen ausstellungsübergreifenden Aufgabenschwerpunkt bildet die
Vermittlungsarbeit für Kinder und Jugendliche im Museum Villa
Stuck. Das Programm FRÄNZCHEN bietet auch 2011 zahlreiche
Veranstaltungsangebote für diese Zielgruppe. Die Fortführung
des 2010 erprobten Projektes KONTAKTlinse – eines integrativen
Medienworkshops mit unbegleiteten Flüchtlingen – ist
geplant.
Weitere Informationen bei den Pressestellen der städtischen Museen
Zu
den Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern