20.01.2011

Programm 2011 der städtischen Museen

Die kommunalen Museen haben dem Kulturausschuss des Münchner Stadtrats heute einen Überblick über ihr Programm 2011 gegeben. Die Städtische Galerie im Lenbachhaus wird während der Sanierung und der Erweiterung der historischen Künstlervilla Lenbachs im Kunstbau „Mondrian und De Stijl“, Aquarelle und Zeichnungen von Egon Schiele und auch
Videokunst der Musiker von „Kraftwerk“ zeigen. Das Münchner Stadtmuseum wird Industriefotografie unter anderem von Bernd und Hilla Becher ausstellen. Projekte, die sich mit der Stadtgesellschaft in der Gegenwart auseinandersetzen, sind ebenfalls geplant. Außerdem zeigt das Stadtmuseum seine Fächersammlung und präsentiert das 15. Figurentheaterfestival. Das Jüdische Museum München setzt zunächst seinen Themenschwerpunkt „Stereotypen“ fort und geht auf Beispiele aus der Fernsehgeschichte ein, bevor es sich dann ab dem Jahresende dem Motto „OSTWEST“ zuwendet. Und das Museums Villa Stuck stellt der monographischen Aussstellung zu Heinrich Kley den zeitgenössischen Künstler Cornelius Völker gegenüber. Anschließend folgen Fotografien aus der Sammlung Goetz, eine Ausstellung zur zehnten Verleihung des Danner-Preises für Kunsthandwerk und am Jahresende Plakatkunst von Jules Chéret.

Städtische Galerie im Lenbachhaus / Kunstbau

Während der Generalsanierung und Erweiterung des Lenbachhauses zeigt die Städtische Galerie ihr Programm im Kunstbau. Nach der bis 13. Februar 2011 verlängerten Ausstellung über Gabriel von Max wird von April bis August „Mondrian und De Stijl“ eine umfassende Präsentation gewidmet. Ebenso wie das Bauhaus beeinflusst die „De-Stijl“-Gruppe um Piet Mondrian und Theo van Doesburg unseren Alltag noch heute. Mondrian, mit Kandinsky und  Malewitsch einer der Gründerväter malerischer Abstraktion, schuf streng geometrische Gemälde, die heute als Ikonen der Moderne gelten. Ihre charakteristische Struktur aus einem schwarzen Raster, in das Flächen in den Grundfarben eingepasst sind, führt längst ein reges Eigenleben in Kunst und Mode, Werbung und Populärkultur. Möbel wie Gerrit Rietvelds „Rot-Blauer-Stuhl“ genießen inzwischen den Status von Design-Klassikern. Aber auch Film, Musik und Literatur fanden die Beachtung der stilbildenden niederländischen Avantgarde-Gruppe. Die Ausstellung in München entsteht in Kooperation mit dem Gemeentemuseum in Den Haag, Heimat der weltweit umfangreichsten Sammlung an Bildern Piet Mondrians.
Im Oktober/November wird die Band „Kraftwerk“ zu Gast sein im Kunstbau und visuelle Kunst  zeigen, die elementarer Bestandteil ihrer Arbeit als Musiker ist. Bereits seit 40 Jahre prägen die Düsseldorfer Künstler nicht nur die elektronische Tanzmusik maßgeblich, sie beeinflussen mit ihrem Gesamtauftritt auch die Videokunst und gestalterische Entwicklungen, die über den Musikbereich weit hinausreichen.
Zum 100-jährigen Jubiläum der historischen Redaktionssitzung von Wassily Kandinsky und Franz Marc wird dem Almanach “Der Blaue Reiter” am 24. Oktober 2011 eine szenische Lesung gewidmet.
„Egon Schiele. Das unrettbare Ich“ lautet der Arbeitstitel, unter dem eine Ausstellung mit Aquarellen und Zeichnungen aus der Albertina Wien vorbereitet wird. Sie ist ab Dezember geplant und soll bis März 2012 dauern. Egon Schiele ist einer der populärsten Künstler der Moderne, der so stark wie kaum ein anderer für die Verschmelzung von Biographie und Werk steht. Seine bekanntesten Arbeiten wurden vielfach herangezogen, um diesen engen Bezug zu interpretieren. Die Ausstellung im Kunstbau des Lenbachhauses mit ca. 120 Arbeiten eröffnet einen neuen Zugang zum Werk des expressionistischen Malers, indem erstmals Schieles Ideenwelt in den Vordergrund gerückt wird. Dank einer umfassenden Auswahl von Aquarellen und Zeichnungen können alle fundamentalen Themen seiner Kunst aufgezeigt werden. Durch die Gegenüberstellung von Bildern mit Auszügen aus Schieles poetischen Schriften wird sein Selbstverständnis und Weltbild deutlich.

Der Blaue Reiter auf Reisen
Im Gegenzug zu den Leihgaben aus der Albertina werden Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafik des Blauen Reiter aus dem Lenbachhaus nach Wien verliehen. Die Ausstellung „Kandinsky und Der Blaue Reiter“ aus dem Lenbachhaus mit Gemälden tourt derzeit durch Japan (Tokyo, Nagoya, Kobe, Yamaguchi). Damit kann zum einen die internationale Aufmerksamkeit für den Bestand der Städtischen Galerie verstärkt werden. Zugleich werden während des Umbaus Kosten für die Auslagerung der wertvollen Werke vermieden.

Münchner Stadtmuseum

Nach der Ausstellung “Herlinde Koelbl –  Mein Blick. Eine Werkschau 1976 bis 2010” widmet sich die Sammlung Fotografie des Münchner Stadtmuseums der Industriefotografie von 1857 bis heute. 120 Arbeiten aus der eigenen Sammlung zu diesem Genre der Fotografie – unter anderem von Franz Hanfstaengl, Georg Böttger, Francis Frith, Peter Keetman, Toni Schneiders, Ludwig Windstoßer oder Joachim Brohm – werden zu sehen sein, darunter auch   Joachim Brohms Langzeitdokumentation des Areals „Parkstadt Schwabing“, die zwischen 1997 und 2006 entstanden ist.
Parallel dazu findet die Ausstellung Bernd und Hilla Becher, Bergwerke und Hütten, 110 Fotografien statt. Das Ehepaar Bernd und Hilla Becher hat über vierzig Jahre an einer Bestandsaufnahme der Industriearchitektur im Ruhrgebiet, insbesondere den für diese Region typischen Bergwerken und Stahlhütten gearbeitet. Die für die Geschichte der Region so wichtige Sprache der Industriearchitektur findet hier zu einer gültigen Darstellung.  Zum ersten Mal wird in einer Ausstellung dieser Bereich ihres Schaffens systematisch erschlossen.
Zum ersten Mal findet im März 2011 die „Bücherschau junior“ im Münchner Stadtmuseum statt, die vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels – Landesverband Bayern veranstaltet wird.
Als Präsentation mit Gegenwartsbezug und im Rahmen der Veranstaltungsreihe des Kulturreferats zur Geschichte des Protestes in München werden im Münchner Stadtmuseum Aufnahmen des Fotografen Branko Senjor (1936 -2005) gezeigt. Senjor hat den Alltag, das Personal und die Kunstwerke in der Münchner Akademie der Bildenden Künste fotografiert. Ende der 60er Jahre wurde er Augenzeuge der Studentenunruhen, deren Manifestationen er mit der Kamera dokumentierte. Seine Aufnahmen zeigen die damaligen Verhältnisse und die wichtigsten Protagonisten der studentischen Protestbewegung.
Die Fächersammlung des Münchner Stadtmuseums wird unter dem Titel “Augenweide” ab Juli 2011 bis zum Jahresende die Bedeutung des Fächers als ehemals wichtiges Accessoire in der Damenmode beleuchten. Für die Damen des Rokoko, Empire, Biedermeier und der Belle Epoque war das Spiel mit dem Fächer ein gesellschaftliches Muss. 150 Fächer, vor allem aus dem 18. und 19. Jahrhundert, aber auch neuere Beispiele aus dem 20. Jahrhundert werden vertreten sein. Abgerundet wird die Schau durch zahlreiche historische Modeabbildungen, die das Thema Fächer behandeln. Auch Gemälde, Plakate und Modefotografien werden zu sehen sein.
Das “internationale figurentheaterfestival” in München, das sein 15 jähriges Bestehen feiern kann, hat sich das Motto “über MENSCHEN” gegeben. Es findet im Oktober im Münchner Stadtmuseum statt und konzentriert sich auf internationale Inszenierungen, die sich mit unserer sozialen oder politischen Realität auseinandersetzen. Außerdem wird im 200. Todesjahr Heinrich von Kleists auch eine in ihrer Spielweise und metaphorischen Bedeutung faszinierende Figurenform ins Zentrum der Betrachtung rücken: Die Marionette.
Ebenfalls im Oktober gibt es Bread & Puppet Theater aus den USA zu sehen. Die Ausstellungsinstallation des bekannten US-amerikanischen Künstlers mit deutschen Wurzeln, Peter Schumann, zeigt seine faszinierenden Großfiguren und Masken und stellt die Frage, wie politisch Figurentheater sein kann.
Die Ausstellung “Karl Hubbuch und das Neue Sehen 1925-1945” wird Ende Oktober 2011 eröffnet werden. Hubbuch, einer der wichtigsten neusachlichen Maler des 20. Jahrhunderts, wird in dieser Ausstellung erstmals als Fotograf gewürdigt. Im Zentrum der mehr als 100 Arbeiten umfassenden Präsentation steht Hubbuchs intensive Auseinandersetzung mit dem Modellbildnis und der Straßenfotografie.

Jüdisches Museum München

Für das Ausstellungsjahr 2010/2011 hat das Jüdische Museum die Thematik "Stereotypen" gewählt. Nach "Typisch! Klischees von Juden und Anderen" folgt  "Das war spitze! Jüdisches in der deutschen Fernsehunterhaltung". Vom 13. April bis zum 6. November 2011 geht es um die öffentliche Inszenierung von sogenannten Medienfiguren, ob als „real existierende Jüdinnen und Juden“ oder als “fiktiv inszenierte Filmfiguren“ im Fernsehen. Eine wesentliche Rolle wird dem jüdischen Quizmaster und Moderator Hans Rosenthal zugemessen. In seiner langjährigen Karriere als Unterhaltungsmacher hat er sich zwischen den Rollen des „Spielmeisters“, des Holocaust-Überlebenden und des langjährigen stellvertretenden Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland bewegt. Beispiele jüdischer Klischees in Fernsehformaten wie „Lindenstraße“ oder die ARD-Sendereihe „Tatort“ mit ihrem besonderen Lokalkolorit sind Beispiele für die Besetzung jüdischer Rollen im Fernsehfilm.
Mit seinem Jahresthema OSTWEST reagiert das Jüdische Museum ab November 2011 auf einen Wandel. Spätestens mit der Zuwanderung von mehr als 190.000 russisch-jüdischen Migrantinnen und Migranten nach 1990 kann von einem neuen Kapitel jüdischen Lebens in Deutschland gesprochen werden. Während Jüdische Museen in Deutschland im Allgemeinen an die Geschichte und Kultur derjenigen erinnern, denen in den 1930er Jahren die Flucht ins Exil gelang oder die die Verfolgung nicht überlebten, wird das Jüdische Museum München den umgekehrten Weg gehen. In drei Ausstellungen werden die Geschichte und Kultur derjenigen jüdischen Personen und Gruppen nachgezeichnet, deren Familiengeschichte und Biographie in Osteuropa begann und von dort an die Isar gelangte. Der Bogen spannt sich von Migrantinnen und Migranten, die Anfang des 20. Jahrhunderts von Osteuropa in den Westen kamen über die jüdischen Displaced Persons, die nach 1945 eine unfreiwillige Heimat in den Flüchtlingslagern in und um München fanden bis zu den so genannten Kontingentflüchtlingen, die heute die Mehrheit der Jüdinnen und Juden in Deutschland ausmachen. Eine Ausstellung, die nicht eine Geschichte von Flucht und Vertreibung, sondern von Zuwanderung und Beheimatung nachzeichnet, ist ein Novum für München und wird eine wichtige Vermittlungsfunktion übernehmen. Dem wird auch der begleitende Katalog Rechnung tragen.
Im Studienraum des Museums werden 2011 mehrere Kabinettausstellungen, sowohl aus eigenen Sammlungsbeständen, als auch in Kooperation mit anderen Einrichtungen, unter anderem dem Institut für Kunstgeschichte der Ludwig-Maximilians-Universität, realisiert werden.

Museum Villa Stuck

Das Ausstellungsprogramm bringt angewandte und bildende Künste in Verbindung und knüpft damit an die gattungsübergreifende Idee des Gesamtkunstwerks Franz von Stucks an.
Mit der Ausstellung »Heinrich Kley (1863–1945). Ein Meister der Zeichenfeder im Kontext seiner Zeit« (17.02. bis 01.05. 2011), die in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Museum für Karikatur Hannover - Wilhelm-Busch entsteht, präsentiert die Villa Stuck einen Zeitgenossen Franz von Stucks. Erstmals wird das Werk des Malers und Zeichners Heinrich Kley in einer umfassenden monographischen Ausstellung gezeigt und in den Kontext seiner Zeit gestellt. Kley genoss zu Lebzeiten den Ruf eines erstrangigen Industriemalers, der seine Motive hauptsächlich in den Krupp’schen Gussstahlfabriken und Hüttenwerken fand. Der breiten Öffentlichkeit wurde der Künstler durch die Mitarbeit an den Zeitschriften "Simplicissimus" und "Jugend" bekannt.
Einen Schwerpunkt der Villa Stuck bildet die Gegenüberstellung von Kunst des 19. Jahrhunderts und zeitgenössischen künstlerischen Positionen. Parallel zur Ausstellung »Heinrich Kley« zeigt die Villa Stuck Werke des 1965 in Kronach geborenen Künstlers Cornelius Völker. Die Ausstellung »Cornelius Völker« (17.02. bis 08.05. 2011), die in enger Kooperation mit dem Wilhelm-Hack-Museum Ludwigshafen, dem mönche haus museum goslar und dem Von der Heydt-Museum Wuppertal entsteht, ist die erste umfassende Präsentation zu seinem Werk. Die Trivialität der Sujets steht bei Völkers Bilderserien zweifellos in der Tradition der Pop Art, die malerische Umsetzung nicht. Bei näherem Hinsehen entwickeln Farbauftrag und Pinselstrich ein geradezu physisches Eigenleben.
Die große Sommerausstellung der Villa Stuck »Streetlife and Homestories. Fotografien aus der Sammlung Goetz« (02.06. bis 18.09.2011) stellt das Thema Fotografie in den Mittelpunkt und knüpft die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Villa Stuck und Sammlung Goetz im Rahmen der Ausstellung »Hautnah« (2002) an. Erstmalig wird die herausragende Fotokollektion der bedeutenden Privatsammlung in einer umfassenden Überblicksschau  öffentlich präsentiert. Die Gegenüberstellung von bedeutenden Fotokünstlern wie August Sander mit Gegenwartskünstlern wie Wolfgang Tillmans ermöglicht nicht nur einen Blick auf die Sammlungstätigkeit von Ingvild Goetz, sondern auch auf Tendenzen der künstlerischen Haltung in der Fotografie und Wechselwirkungen zwischen ihren Epochen.
Mit der Präsentation »Danner Preis 2011« (13.10.2011 bis 08.01.2012) widmet sich die Villa Stuck erneut den angewandten Künsten. Im Jahr 2011 jährt sich zum zehnten Mal der Danner-Preis, der international renommierte Landeswettbewerb für das Kunsthandwerk in Bayern. Das Museum Villa Stuck widmet den prämierten Exponaten eine Ausstellung und einen umfangreich bebilderte Katalog.
Den Jahresausklang feiert die Villa Stuck mit der Ausstellung »Jules Chéret (1836 – 1932). Künstler der Belle Epoque und Pionier der Plakatkunst« (10.11.2011 bis 05.02.2012). Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit Les Arts Décoratifs, Paris. Jules Chéret gilt als der Vater des modernen Plakats. Als Lithograf, Drucker, Zeichner, Maler, Dekorateur und Illustrator ist er eine herausragende Gestalt des Pariser Künstler- und Literatenmilieus an der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert. Unter Einsatz der Farblithografie entwickelte Chéret das Werbeplakat zu einer eigenständigen Kunstform und trug mit seiner gewaltigen Produktion von Farbplakaten zur Verwandlung des städtischen Erscheinungsbildes der Kunstmetropole Paris bei.
Einen ausstellungsübergreifenden Aufgabenschwerpunkt bildet die Vermittlungsarbeit für Kinder und Jugendliche im Museum Villa Stuck. Das Programm FRÄNZCHEN bietet auch 2011 zahlreiche Veranstaltungsangebote für diese Zielgruppe. Die Fortführung des 2010 erprobten Projektes KONTAKTlinse – eines integrativen Medienworkshops mit unbegleiteten Flüchtlingen – ist geplant.


Weitere Informationen bei den Pressestellen der städtischen Museen
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