Foto der Villenkolonie
Häuser an der Peter-Vischer-Straße um 1910

Villenkolonie I

In den 1890er Jahren begann der Architekt August Exter mit der Errichtung der ersten Villenkolonie in Pasing. Der relativ kostengünstige Grund ermöglichte eine großzügige gartenstädtische Anlage, die den zeitgenössischen Vorstellungen des Bürgertums vom gesunden Wohnen entsprach. Der zweite Standortvorteil war die durch die Eisenbahnstation unterstrichene Nähe zu München. Pasing nördlich der Bahnlinie wurde erst durch Exters Villenkolonien entwickelt. Das erforderte umfangreiche Erschließungsarbeiten, zum Beispiel durch eine eigene Kanalisation, die eine Verunreinigung des Nymphenburger Kanals verhindern sollte. Sozialer Mittelpunkt der Villenkolonie I waren der Wensauer Platz (früher Marktplatz) und die Gaststätte »Luisengarten« an der Orthstraße.
Eine Mädchenschule besonderer Art entstand 1920 in dem von Richard Riemerschmid erbauten Gebäude an der Oselstraße 21. Die Baltendeutsche Martha von Grot (1867-1962) gründete und leitete das sechsklassige Privatlyzeum bis 1927. Christliche Werte ebenso wie Liberalität und Toleranz prägten die Mädchenerziehung dort. Es entstand eine vertrauensvolle Gemeinschaft von Lehrerinnen und Schülerinnen, die beiden Seiten half, die Anfechtungen durch das nationalsozialistische Regime zu überstehen. In den 1950er Jahren wurde die Grotschule in das neue Elsa-Brandström-Gymnasium an der Ebenböckstr. 1 integriert. Im Gebäude an der Oselstraße ist jetzt eine Grundschule.

In der Oselstraße 14, die bis 1947 Richard-Wagner-Straße hieß, lebte zeit seines Lebens der Pasinger Künstler Hans Osel (1907-1996). Zu Osels bekanntesten Werken zählen die Brunnenfiguren von Liesl Karlstadt auf dem Münchner Viktualienmarkt und der Fischbrunnen auf dem Pasinger Viktualienmarkt. Sowohl die Pasinger Oselstraße als auch die Oselschule sind benannt nach dem Vater des Bildhauers. Heinrich Osel (1863–1919) war 1905–1907 Abgeordneter des Zentrums im Berliner Reichstag und 1918 Gründungsmitglied der Bayerischen Volkspartei, für die er im Bayerischen Landtag saß. Am 21. Februar 1919 wurde er dort von aufgebrachten Anhängern des kurz zuvor ermordeten Kurt Eisner erschossen.

Schülerinnen der Grotschule mit ihrer Direktorin Luise Hess, um 1934/35.
Das Gebäude der Grotschule in den 1920er Jahren.
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