Von Allach bis Zamilapark

Bild zeigt verschiedene Wappen (farbig)

Einleitung - Literatur zu den Münchner Stadtbezirken

Ganz in der Nähe von München liegt das Pfarrdörfchen Schwabing, ein historisch alter Ort, zu welchem man entweder durch den englischen Garten, oder die Königinstraße, oder auf der Nürnberger Landstraße kommt, auf welcher Seite man gleich am Anfang des Dorfes ein altes Kirchlein mit einem Friedhof und einem ehemaligen Hospital, das Ambrosihaus genannt, vor Augen hat, eine ganz malerische Partie. 1
München ist nicht nur München. Ein Blick auf die Geschichte der Stadt zeigt, dass einen Großteil der Fläche des aktuellen Stadtgebiets ehemals selbstständige und seit der Mitte des 19. Jahrhunderts eingemeindete Dörfer und Siedlungen ausmachen, deren historische Wurzeln oft viel weiter zurückreichen als diejenigen des heutigen Stadtkerns einschließlich der Vorstädte.
Beginnen wir trotzdem im Zentrum.
Mitte des 12. Jahrhunderts - also zur Zeit des »offiziellen Gründungsjahres« - umfaßte München etwa 14 Hektar. Seit dem 14. Jahrhundert kannte man die Einteilung der »Altstadt« in vier Viertel, die durch die kreuzförmige Straßenführung (die Straße vom Sendlinger Tor im Süden zum Schwabinger Tor im Norden sowie die Salzstraße von Ost nach West) vorgegeben war. Seit dem 15. Jahrhundert erhielten diese Viertel die bis heute gebräuchlichen Bezeichnungen Angerviertel, Graggenau, Hackenviertel und Kreuzviertel.
Während sich am Bild des mittelalterlichen München kaum Entscheidendes veränderte, hatten die politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umwälzungen des 18. Jahrhunderts sehr wohl ihre Auswirkungen auf die Residenzstadt. »München kann fernerhin keine Festung mehr sein,« hatte Kurfürst Karl Theodor bereits 1791 erkannt und mit der Öffnung des Mauerrings den Grundstein für die endgültige Integration der St.Anna-Vorstadt beziehungsweise des Lehels gelegt. Etwa zur selben Zeit entstand am Rande des 1789/90 angelegten Englischen Gartens die »Schönfeldvorstadt«. Der planmäßige Ausbau der Stadt setzte mit Max IV. Joseph ein, der 1806 als Max I. Joseph den Königsthron bestiegen hatte. Eine 1804 bestellte Baukommission erarbeitete Generalpläne zur Stadterweiterung, die ihren sichtbaren Ausdruck in der Maximiliansvorstadt fanden. Der Thronfolger und spätere König Ludwig I. (seit 1825) gab der Vorstadt ihren klassizistischen Anstrich und machte sie zum Zentrum von Kunst, Kultur und Bildung. Weniger Erfolg war der Ludwigsvorstadt beschieden, die als modernes grünes Viertel geplant war, dann aber von den Entwicklungen der Industrialisierung (Entstehung des Hauptbahnhofs und verschiedener Arbeitersiedlungen) buchstäblich überrollt wurde. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts engagierten sich zunehmend auch die Mitglieder des aufstrebenden Bürgertums in Sachen Stadterweiterung; so zum Beispiel die Bankiersfamilie von Eichthal, auf deren Grund am Heilig-Geist-Anger ab 1861 die Isarvorstadt mit dem Gärtnerplatzviertel entstand. 2
Trotz dieser eindrucksvollen Stadterweiterungsmaßnahmen blieb der Flächen- und damit der Wohnungszuwachs immer hinter dem Bevölkerungswachstum zurück, zumal die seit der Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzende Industrialisierung immer mehr Menschen in die Hauptstadt trieb. Um dieses Platzproblem zu lösen und gleichzeitig so weit wie möglich von den wirtschaftlichen Möglichkeiten der Industrialisierung zu profitieren, ging man dazu über, die vor den Toren der Stadt gelegenen Dörfer und Ansiedlungen einzugemeinden. Den Anfang machten 1854 die Arbeiter- und Handwerkersiedlungen Au, Giesing und Haidhausen, gefolgt von Ramersdorf (1864) und Sendling (1877). Einen ersten Höhepunkt erlebte die Eingemeindungswelle gegen Ende des 19. Jahrhunderts mit Neuhausen, Schwabing (1890), Bogenhausen (1892), Nymphenburg (1899), Thalkirchen und Laim (1900). Kurz vor dem Ersten Weltkrieg kamen noch Forstenried (1912), Milbertshofen, Berg am Laim, Moosach und Oberföhring (1913) dazu. Bis zu Beginn der 30er Jahre blieb es mit der Eingemeindung von Daglfing und Perlach (1930) sowie Freimann (1931) und Trudering (1932) relativ ruhig. Nicht zuletzt die Nationalsozialisten, die aus München die »Hauptstadt der Bewegung« und ein Zentrum des »Dritten Reiches« machten, sorgten für eine Vergrößerung der Stadtfläche von 87 km² auf 311,5 km². Eingemeindet wurden im Jahr 1935 Fröttmaning, 1937 Riem, 1938 Feldmoching, Großhadern, Pasing, Allach, Ludwigsfeld, Ober- und Untermenzing sowie Solln und 1942 Aubing und Langwied/Lochhausen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde bis auf den heutigen Tag nur noch Frauenholz (1962 ) eingemeindet 3 ; ansonsten konzentrierte man sich mehr auf den Wiederaufbau und den Ausbau der Infrastruktur, der durch die Austragung der Olympischen Spiele 1972 einen beachtlichen Schub erhielt.
Soviel zur historischen Entwicklung. Artikel 60 der Gemeindeordnung schreibt vor, dass das Gebiet von Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern unter Berücksichtigung historischer Zusammenhänge in Stadtbezirke einzuteilen sei. Seit der ersten Bezirkseinteilung Münchens im Jahr 1818 wurden diese historischen Zusammenhänge offenbar zunehmend vernachlässigt. 4
Dies erschwerte nicht zuletzt auch die Erstellung einer Bibliographie zum Thema, da eine gleichzeitig offizielle und auf historischen Daten basierende Gliederungsstruktur als Basis fehlt. Nach reiflicher Überlegung schien es der Verfasserin zumindest das Sicherste, auf eine aktuelle Stadtbezirkskarte zurückzugreifen. Der vorliegenden Auswahlbibliographie liegen daher die entwicklungsgeschichtlich wenig relevanten 25 Stadtbezirke Münchens zugrunde 5. Die in dieser Karte ebenfalls aufgeführten Bezirksteile und Bezirksviertel (Untereinheiten eines Stadtbezirks) wurden nur als zusätzliche Schlagworte für die Katalogrecherche verwendet, nicht jedoch als Gliederungselemente. Stattdessen wurden die Titel innerhalb eines Bezirks den folgenden vier Sachgruppen zugeordnet: Zum Bezirk: Allgemeine Entwicklung, historische Ereignisse; Siedlungsstrukturen: Gebäude, Straßen, Plätze, öffentliche Anlagen, Viertel; Einrichtungen: Museen, Kirchen, Krankenhäuser, politische Organisationen, Schulen/Universitäten, Unternehmen, Vereine etc.; Personen: Erinnerungen, (Auto-) Biographien. Unter »Weitere Titel« finden sich diejenigen Veröffentlichungen, die - obgleich von einer gewissen Bedeutung - in der Monacensia noch nicht inventarisiert sind.
Recherchiert wurde fast ausschließlich in der Monacensia-Bibliothek (Maria-Theresia-Straße 23, Bogenhausen) und dort im wesentlichen im Schlagwortkatalog unter den Begriffen »Stadtbezirke«, »Eingemeindete Vororte« und »Straßen und Plätze« sowie im OPAC der Münchner Stadtbibliothek, in dem die neuere Literatur ab einschließlich 1994 erfaßt ist. Bei der Auswahl der Titel mußte aus Platzgründen unter anderem fast die gesamte Literatur mit einem Umfang von weniger als 10 Seiten weggelassen werden. Dadurch konnte auch eine Besonderheit des Monacensia-Katalogs nicht berücksichtigt werden, die für Stadtteilhistoriker von Bedeutung sein dürfte: Der Schlagwortkatalog umfaßt nämlich nicht nur Zeitschriftenaufsätze, sondern auch Zeitungsartikel (Süddeutsche Zeitung, Münchner Merkur, Abendzeitung, tz und so weiter), die nach bestimmten Themen sortiert sind.
München ist nicht nur München.
Das weiß niemand besser als die Münchnerinnen und Münchner selbst, die sich viel eher als Maxvorstädter, Moosacher, Bogenhausener, Auer oder Westendler empfinden und sich in Vereinen, Bürgerinitiativen und ähnlichen Vereinigungen auf Stadtteilebene organisieren. Auch das historische Interesse der Münchner konzentriert sich eher auf das engere Umfeld denn auf die Stadtgeschichte im allgemeinen, was unter anderem die in München vergleichsweise zahlreichen »Geschichtswerkstätten« und Geschichtsvereine beweisen. Leider fehlte bisher eine Zusammenstellung von Literatur, die für die Erforschung der Stadtteilgeschichte hilfreich gewesen wäre.
Die vorliegende Bibliographie will diese Lücke füllen. Sie versteht sich als Hilfestellung für alle Stadtteilhistoriker und als Anregung für die, die es noch werden wollen. Sie kann und will nicht auf objektive Vollständigkeit pochen, hat dafür aber einen Schwerpunkt auf der sogenannten und oft vernachlässigten »grauen Literatur« (kleinere Abhandlungen, Broschüren und so weiter) und läßt auch ältere Werke (die im Zweifelsfall als Quelle zu betrachten sind) nicht unberücksichtigt. Vergilbte Vereins- und Pfarrgemeinde-Chroniken müssen dabei vor allem in denjenigen Stadtteilen Lücken füllen, deren Geschichte bis jetzt nicht eben in Standardwerken festgehalten wurde - vgl. zum Beispiel das Literaturprofil von Langwied/Lochhausen. Schließlich versteht sich die Bibliographie auch als Einladung, die auf die Stadt München spezialisierten, sehr umfangreichen und nach verschiedenen Kriterien aufgeschlüsselten Bestände der Monacensia-Bibliothek zu nutzen.
Karen Siebert

Fussnoten

1 Friedrich Mayer, Neue Beschreibung von München mit Anführung seiner Umgebungen, Pforzheim 1841, Seite 419.
2 Vgl. Bayerischer Architekten- und Ingenieurverband (Hrsg.), München und seine Bauten nach 1912, München 1984, Seiten 9-13.
3 Vgl. Liste "Eingemeindete Vororte", Stand 01.09.1997, Stadtarchiv München.
4 Vgl. Kajetan Dürr, Historische Entwicklung der Münchner Stadtbezirke (Münchner Diskussionsforum für Entwicklungsfragen e.V./Berichte und Protokolle Nummer 103), München 1991.
5 Vgl. Landeshauptstadt München/Statistisches Amt: Münchener Statistik, Jg. 1996/Heft 9.
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