Stadtteilkultur – Hintergrund

Die Geschichte der kulturellen Stadtteilarbeit ist eng verbunden mit der Aufbruchsstimmung der 70er Jahre. Unter dem Motto „Kultur für alle“ von Hilmar Hoffmann entwickelte sich ein erweiterter Kulturbegriff, der sowohl die Potenziale der kulturellen Selbsttätigkeit ins Licht rückte wie auch Teilhabe forderte und auf verbesserte Zugangsmöglichkeiten aller Bürgerinnen und Bürger zu Kunst, Kultur und Bildung zielte. Hermann Glaser und Karl Heinz Stahl prägten die Formel „Bürgerrecht Kultur“ und betonten damit die grundlegende Aufgabe eines demokratischen Gemeinwesens, Chancengleichheit in Bezug auf Kultur und Bildungsangebote einzulösen.

Diese kulturpolitischen Leitideen haben bis heute ihre Gültigkeit. Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sind jedoch im Wandel. Die Globalisierung der Lebensumstände, die Notwendigkeit zu Flexibilität und Mobilität, der Trend zur Individualisierung und die Beschleunigung in unserer Wissensgesellschaft seien als beispielhafte Faktoren genannt, denen sich kein Individuum entziehen kann, und die sich auf die jeweils eigene Identität bzw. die damit verbundene Identitätssuche und -findung auswirken. Das urbane Leben fordert die Bereitschaft und Fähigkeit zur Auseinandersetzung mit Neuem und Ungewohntem. Hier bietet das Praxisfeld der Stadtteilkultur zahlreiche Ansatzpunkte: das eigene kreative Tun, die Mitwirkung in größeren kommunikativen Prozessen, die Übernahme von Verantwortung in einem überschaubaren Bereich und die Verankerung in einer Gruppe oder in einem Stadtteil sind wertvolle Möglichkeiten für Lern- und (Mit-)Gestaltungserfahrungen, die dem Rückzug ins Private und der Verunsicherung angesichts zunehmender Unübersichtlichkeit, Politikverdrossenheit oder auch Desorientierung entgegenwirken können.

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