Wie gut sind Münchner Jugendliche im 2. Lebensjahrzehnt
vor Infektionskrankheiten durch Impfungen geschützt?
Im Rahmen der Schulgesundheitspflege wurden im Jahr 2002 alle Kinder der 6. Jahrgangsstufe
(Alter der Kinder 11-13 Jahre) aufgerufen, ihre Impfbücher vorzulegen. Die
Untersuchung wurde von den Mitarbeiterinnen des Sachgebietes Prävention für
Kinder ab 3 Jahren und Jugendliche des Referates für Gesundheit und Umwelt
durchgeführt. Ziel war es, den aktuellen Impfstatus zu erfassen, eine gezielte
Impfberatung und in einigen ausgewählten Schulen Impfungen durchzuführen.
Die Schwestern informierten die KlassenlehrerInnen aller Schulen schriftlich oder
persönlich über die geplante Aktion. Die Eltern wurden gebeten, ihren
Kindern die Impfbücher in die Schule mitzugeben. In den Schulen wurden die
Kinder über den Schutz vor Infektionskrankheiten durch Impfungen, Nebenwirkungen
von Impfungen, das geplante Vorgehen bei der Impfberatung und der nachfolgenden
Impfaktion informiert.
Nach ein bis zwei Wochen wurden die Impfbücher von den Schwestern eingesehen,
der Impfstatus dokumentiert und bei bestehenden Impfdefiziten gezielte Impfberatungen
gemäß den Empfehlungen der STIKO (Ständige Impfkommission des
Robert Koch-Institutes) erteilt. Zu diesem Zeitpunkt wurden folgende Daten erfasst:
- Impfbuchvorlage (ja/nein)
- Schule
- Alter des Kindes
- Geschlecht
- Nationalität (deutsch / nicht deutsch)
- Geburtsland (Deutschland / Ausland)
- Art und Anzahl der bisher erfolgten Impfungen
An einigen ausgewählten Schulen wurden die Kinder im Rahmen des Gesundheitsunterrichts
nochmals intensiv über den Schutz vor Infektionskrankheiten durch Impfungen
aufgeklärt. Den Eltern wurde entsprechendes Informationsmaterial übergeben.
Sie erhielten den Hinweis, dass die Ärztin die Impfung vor Ort, nach Einverständniserklärung
durch die Erziehungsberechtigten, in der darauf folgenden Woche durchführen
wird.
Der detailreich erfolgten Auswertung der Impfdokumentation lassen sich zusammenfassend
folgende Ergebnisse entnehmen.
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Impfbuchvorlage
Von 7923 Kindern in 85 Schulen folgten 4696 Kinder dem Aufruf zur Impfbuchvorlage,
das ist ein Anteil von 59% (57% der Knaben und 62% der Mädchen).
Hinsichtlich Nationalität/Geburtsland erfolgte eine Gruppierung in Deutsche
(D), in Deutschland geborene Ausländer (AD) und im Ausland geborene Ausländer
(AA). 2318 der 7923 Kinder gehören zu den Gruppen AD und AA (29%).
Tabelle 1: Impfbuchvorlagen (in Prozent)
| Nat. |
Gesamt |
Knaben |
Mädchen |
Haupts. |
Reals. |
Gymn. |
| D |
60 |
58 |
62 |
56 |
47 |
65 |
| AD |
68 |
64 |
72 |
68 |
68 |
66 |
| AA |
47 |
43 |
51 |
47 |
29 |
54 |
Auch in den einzelnen Schulen ist die Impfbuchvorlage sehr differenziert. Als
wesentliche Gründe dürfen vermutet werden: Subjektive Einstellung der
KlassenlehrerInnen zum Impfen (deren Einflussnahme auf die Impfbereitschaft der
Kinder nicht zu unterschätzen ist) und unterschiedliche Intensität der
Aufklärung durch die Ärztinnen und Schwestern.
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Impfschutz
Die folgenden Aussagen beziehen sich nur auf die erhobenen Impfdaten aus den vorgelegten
Impfbüchern. Eine Verallgemeinerung auf die Gesamtheit der Kinder der 6.
Jahrgangsstufe ist nicht ohne weiteres möglich. Es darf jedoch davon ausgegangen
werden, dass die Durchimpfungsrate der 41% Kinder ohne Impfbuchvorlage im Allgemeinen
schlechter zu bewerten ist.
Lediglich 10% der Kinder waren ohne Impfdefizite, dagegen besaßen 7% bei
keiner einzigen der in die Dokumentation aufgenommenen 8 Impfungen ausreichenden
Impfschutz (Grafik 1).
Grafik 1: Impfdefizite bei 0 - 8 Standardimpfungen
Beurteilt man nach der Nationalität, so schnitt die Gruppe AD mit 12% im
Vergleich zur Gruppe D mit 10% und zur Gruppe AA mit 9% ohne jegliche Impfdefizite
am besten ab. In der Gruppe AA hatten 16% keinerlei Impfschutz, in der Gruppe
D dagegen nur 6%, in der Gruppe AD 7%. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen,
dass nach den Richtlinien der STIKO nur dokumentierte Impfungen bewertet werden
können.
Der komplette Impfschutz, entsprechend der Definition der STIKO, differiert bei
den einzelnen Impfungen sehr stark, wie Tabelle 2 zeigt.
Tabellen 2: Impfschutz in den Standardimpfungen (in Prozent)
| Nationalität |
Dipht. |
Tetanus |
Pert. |
Polio |
| |
Mindestanzahl von Impfungen |
| 4 |
4 |
4 |
3 |
| Gesamt |
87 |
89 |
26 |
95 |
| Deutsche |
90 |
91 |
26 |
97 |
| Ausländer |
82 |
83 |
28 |
90 |
| Ausländer (AD) |
88 |
89 |
26 |
95 |
| Ausländer (AA) |
69 |
71 |
30 |
79 |
| Nationalität |
Masern |
Mumps |
Röteln |
Hep.B |
| |
Mindestanzahl von Impfungen |
| 2 |
2 |
2 |
3 |
| Gesamt |
66 |
65 |
58 |
48 |
| Deutsche |
66 |
65 |
57 |
45 |
| Ausländer |
68 |
65 |
59 |
55 |
| Ausländer (AD) |
73 |
72 |
66 |
57 |
| Ausländer (AA) |
58 |
53 |
47 |
51 |
Auch hier fällt auf, dass die Gruppe der in Deutschland geborenen ausländischen
Kinder einen mitunter besseren Impfschutz besitzt als die Gruppe der deutschen
Kinder. Am deutlichsten ist das bei der Impfung gegen Hepatitis B ausgeprägt
(AD 57%, D 45%).
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Impfungen durch den öffentlichen Gesundheitsdienst
Die Impfdokumentation weist aus, dass von den 90% Kindern mit nachgewiesenen Impfdefiziten
673 im Rahmen der genannten Aktion geimpft wurden. Es wurden 1168 Impfdosen mit
der in Grafik 2 dargestellten Verteilung verabreicht.
Grafik 2: Impfungen durch den öffentlichen Gesundheitsdienst
Damit konnten bei 16% der Kinder Impfdefizite abgebaut werden. Solche Unterschiede
lassen die Annahme gerechtfertigt erscheinen, dass durch eine gezielte und engagierte
Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen Gesundheitsdienst, den niedergelassenen
ÄrztInnen und den Schulen die Impfbereitschaft wesentlich erhöht werden
kann.
Fazit
Diese Untersuchung hat ergeben, dass bei 11 bis 13jährigen erhebliche Impflücken
bestehen.
Dr. med. Brigitte Weise
Landeshauptstadt München
Referat für Gesundheit und Umwelt
Gesundheitsvorsorge
Prävention für Kinder ab 3 Jahren und Jugendliche
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