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Berühmte Verstorbene auf dem Alten SüdfriedhofBei der Fülle des vorhandenen Materials handelt es sich bei den Listen nur um eine Auswahl, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.Nachnamen P - Se
Johann Ignaz Perner1796 bis 1867Grab 37-13-34 Johann Ignaz Perner kam als zehntes Kind eines Ebersberger Gerichtsdieners und Gastwirts zur Welt. Trotz der bescheidenen Verhältnisse im Elternhaus konnte den Kindern eine gute Ausbildung ermöglicht werden. Perner war überall Klassenbester, obwohl er stets der jüngste Schüler seiner Klasse war. Er bestand in Landshut das Studium der Philosophie und der Rechtswissenschaften mit Auszeichnung. Nachdem er in Landshut und München als Gerichtsbeamter tätig war, machte er sich in München als Rechtsanwalt selbstständig. Seine Kanzlei lief so erfolgreich, dass er sich schon mit 36 Jahren zur Ruhe setzen konnte. Er reiste und wanderte durch Europa und sah dabei auch die Schattenseiten in Form von Leid und Elend. Sein auf den Wanderungen gereifter Plan, in München einen Tierschutzverein zu gründen, beruhte auf der Vorstellung, dass die sittliche Hebung eines Volkes ohne Mitleid nicht möglich sei. Das Vorgehen gegen die Misshandlung von Tieren sollte der Abstumpfung und Verrohung der Menschen entgegenwirken und zu einem besseren Miteinander führen. Perners Ideen fanden zunächst nur Hohn und Spott. Er verfolgte sein Ziel jedoch beharrlich, schrieb über 15.000 Briefe in Tierschutzangelegenheiten, sammelte Geld und warb ehrenamtliche Mitarbeiter. Der Münchner Tierschutzverein wurde der erste Tierschutzverein weltweit. Es folgten rasch weitere Vereine in Bayern, Deutschland, Europa und auf der ganzen Welt. Perner vermachte sein gesamtes Vermögen von 13.000 Gulden den Tierschutzvereinen.
Max von Pettenkofer1818 bis 1901Grab 31-1-34 Max von Pettenkofer kam als Bauernsohn im Donaumoos zur Welt. Bei einem kinderlosen Onkel in München konnte er nach dem Abitur eine Apothekerlehre beginnen. Pettenkofer brach die Lehre ab, um als Schauspieler unter dem Künstlernamen "Tenkof" in Regensburg und Augsburg zu leben. Er verliebte sich in seine Cousine, die aber nur einen "ordentlichen" Mann heiraten wollte. Also zog es ihn zurück zur Apotheke seines Onkels, der ihn aber weiterschickte, da ein Mann, der einmal Komödiant gewesen sei, seiner Meinung nach nicht mehr Apotheker, sondern höchstens noch Mediziner werden konnte. Pettenkofer ging nach Gießen und wurde Assistent des Chemikers Justus von Liebig. Hier gelang ihm der Gallensäurenachweis und die Entdeckung des Kreatinins im Muskelgewebe. Nebenbei arbeitete Pettenkofer beim königlichen Hauptmünzamt in München an chemischen Fragen der Münzherstellung, entwickelte für den Hofbaumeister Leo von Klenze einen besseren Zement und erfand eine Methode - das "Pettenkofern" - um patinierte Ölgemälde in der königlichen Galerie zu reinigen. 1847 wechselte Pettenkofer ganz nach München und lehrte an der Universität. Er forschte am menschlichen Stoffwechsel und untersuchte die Belüftung von Wohnräumen. 1865 richtete er in München weltweit den ersten Lehrstuhl für Hygiene ein. Pettenkofer wollte die Cholera bekämpfen und führte die Seuche auf unhygienische Lebensverhältnisse und unsauberes Trinkwasser zurück. Er befand sich damit im Streit mit Robert Koch, der den Cholera-Erreger entdeckt hatte. Um seine Theorie zu untermauern, trank Pettenkofer vor seinen Studenten eine ganze Kultur von Cholera-Erregern - ohne gesundheitliche Folgen. Auf die Initiativen Max von Pettenkofers gehen die Kanalisationen der großen Städte und Maßnahmen für ein reines Trinkwasser zurück. Im Alter von 81 Jahren war Pettenkofer so fit, dass er den Herzogstand bei Kochel besteigen konnte. Er fürchtete sich aber vor geistiger Umnachtung und körperlichem Gebrechen und schied kurz darauf freiwillig aus dem Leben.
Ernst von Possart1841 bis 1921Grab 31-1-30 Der Sohn eines Pfarrers begann seine berufliche Laufbahn als Buchhändler in Berlin und machte nebenher eine Schauspielausbildung, um sich künftig seiner wirklichen Berufung widmen zu können. Über Breslau, Bern und Hamburg kam Ernst von Possart nach München. Am Hoftheater war er Schauspieler, Regisseur, Direktor und schließlich Generalintendant. Er inszenierte den jährlichen Münchner Festspielsommer, gründete das Prinzregententheater, um die Werke von Richard Wagner in angemessenem Umfeld aufführen zu können und führte im Residenztheater eine drehbare Bühne ein. Mit Werken wie "Die Kunst des Sprechens" und "Der Lehrgang des Schauspielers" versuchte er, sein Wissen und seine Erfahrungen weiterzugeben. In diesem Grab ist auch Anna Possart (1843 bis 1919) bestattet, die unter ihrem Mädchennamen Anna Deinet als Kammersängerin und Mitglied der Hofoper bekannt war. 1868 heiratete sie Ernst von Possart und wirkte bis zu ihrer Pensionierung mit großem Erfolg an der Münchner Hofbühne.
Joseph Pschorr1770 bis 1841Grab 9-1-19 Das bayerische Reinheitsgebot für Bier wurde am 23. April 1516 durch Herzog Wilhelm IV. erlassen und regelte mit der Bierbrauerei einen wichtigen bayerischen Wirtschaftszweig. Der Brauersohn Joseph Pschorr war ein Vordenker und Visionär aber auch ein mühevoller Arbeiter mit kaufmännischem Geschick. Er heiratete die Münchner Brauerstochter Therese Hacker und übernahm von seinem Schwiegervater die Hacker-Brauerei, die er an die Spitze der Münchner Brauereien führte. Durch den Bau eines riesigen Lagerkellers gelang es ihm, das Bier auch im Sommer frisch zu halten, wodurch erstmals ganzjährig gelagert werden konnte. Joseph Pschorr übernahm die Brauerei "Zum Bauernhansl" und gründete in der Neuhauser Straße die "Pschorr-Brauerei", die er zur zweit beliebtesten Brauerei Münchens hinter seiner eigenen Hacker-Brauerei führte. Auf diese Weise konnte Joseph Pschorr seinen beiden Söhnen je eine Brauerei hinterlassen. Als einziger Brauer steht die Büste von Joseph Pschorr in der Ruhmeshalle an der Bavaria. Seine Tochter Josephine Pschorr wurde die Mutter des Komponisten Richard Strauß, der seinen "Rosenkavalier" den lieben Münchner Verwandten der Familie Pschorr widmete.
Georg von Reichenbach1772 bis 1826Alte Arkaden 11 Der Sohn eines Mechanikers brachte sich neben der Ausbildung an der Mannheimer Militärschule im Selbststudium Mathematik und Physik bei und betätigte sich schon früh als technischer Erfinder. Kurfürst Karl Theodor wurde auf ihn aufmerksam und finanzierte eine Studienfahrt nach England, die er mit Franz von Baader antrat. Hier lernte Reichenbach u.a. bei der Maschinenfabrik von James Watt, der gerade die Dampfmaschine erfunden hatte. Zurück in München stellte Reichenbach Präzisionsmessinstrumente unter Anwendung des von ihm entwickelten Kreisteilungsprinzips her. Nachdem Josef von Utzschneider seinem Betrieb beigetreten war, wurden die "mathematisch-mechanischen Werke" führend in der Feinmechanik. Mit der Aufnahme Josef von Fraunhofers erlebte der Betrieb einen weiteren großen Aufschwung. Reichenbach war daneben mit vielen anderen Projekten in Bayern und Österreich beschäftigt. So wurde er zum Salinenrat nach Berchtesgaden berufen, führte den Bau von Brunnen und Rohrleitungen aus, legte Sümpfe trocken und schuf Wasserwerke für die Trinkwasserversorgung.
Johann Andreas Schmeller1785 bis 1852Grab 2-7-40 Der Sohn eines Korbflechters war so begabt, dass er bereits im Alter von 8 Jahren den anderen Dorfkindern Unterricht gab. Dadurch wurde der Pfarrer auf ihn aufmerksam und vermittelte seine Ausbildung am nahegelegenen Kloster Scheyern. Johann Andreas Schmeller sollte nun Geistlicher werden. Schmeller wechselte zur Schule nach Ingolstadt und München und beschäftigte sich mit Literatur und Grammatik. Von dem Ziel, Pfarrer zu werden, hatte er sich schnell verabschiedet. Nach verschiedenen Schicksalsschlägen und Misserfolgen kam er über das Militär nach Spanien und in die Schweiz. 1815 schaffte er es, nach München zurückzukehren. Sein unglücklicher Aufenthalt in der Fremde veranlasste ihn, sich mit der bayerischen Mundart auseinander zu setzen. Er schrieb Bücher über die bayerische Grammatik, schuf ein bayerisches Wörterbuch und forschte über die Lautbildung und Aussprache der ungezählten bayerischen Dialekte. Seine berufliche Erfüllung fand Schmeller in seiner langjährigen Tätigkeit als Bibliotheksrat und schließlich als Universitätsprofessor.
Ludwig Michael von Schwanthaler1802 bis 1848Neue Arkaden 1 Ludwig Michael von Schwanthaler entstammte einer Dynastie von Bildhauern, die in drei Jahrhunderten 21 Künstler hervorbrachte. Nach Besuch der Kunstakademie übernahm er den Betrieb seines verstorbenen Vaters. Schwanthaler schuf zunächst Bildwerke und Denkmäler im klassizistischen Stil und wechselte später immer mehr zum romantischen Baustil. Seine wichtigsten Werke sind Figurengruppen für die Walhalla bei Regensburg und die Münchner Propyleen sowie die Figuren des Tilly und Wrede für die Münchner Feldherrenhalle. Sein Lebenswerk aber war die Erschaffung des Modells der Bavaria, die in den Werkstätten Ferdinand von Millers gegossen wurde. Die Fertigstellung des Werkes erlebte Schwanthaler nicht mehr, er starb zwei Jahre vor der feierlichen Einweihung.
Friedrich Ludwig von Sckell1750 bis 1823Grab 6-7-34 Nach Reisen in Frankreich und England wurde Friedrich Ludwig von Sckell als Unterhofgärtner des Kurfürsten Karl Theodor angestellt. Seine erste Tätigkeit war die Umgestaltung des Hofgartens von Schwetzingen. Als Karl Theodor von der Pfalz nach München zog, nahm er Sckell mit. Der Nachfolger Karl Theodors, der Kurfürst und spätere erste bayerische König Maximilian I. übergab Sckell die Münchner Hofgarten Intendanz. Hier übernahm er die Fertigstellung des Englischen Gartens, der auf seine eigenen Pläne zurückging. Die Gestaltung bedeutete einen Bruch mit dem bisher vorherrschenden französischen Stil mit streng geometrischen Formen und exakt zugeschnittenen Pflanzen. Nach Sckells Auffassung galt die Natur auch in ihrer unberührten Form als ansprechend. Mit dem Englischen Garten wollte Sckell die natürliche Schönheit durch behutsame Eingriffe sichtbar machen. Sckell legte an der Kreuzung des Schwabinger Baches mit dem Eisbach einen Wasserfall an und schuf mit dem Kleinhesseloher See eines der beliebtesten Ausflugsziele Münchens. Nach seinem Konzept sollten die Eingriffe in die Natur immer geringer werden, je weiter man im Englischen Garten nach Norden kommt, bis schließlich der Englische Garten in der Hirschau unmerklich in die freie Natur übergeht. In München war Friedrich Ludwig von Sckell zusammen mit dem Baumeister Karl von Fischer mit dem Entwurf eines Generalplans für die Münchner Stadterweiterung befasst. Außerhalb Münchens legte Sckell u.a. Gärten in Mainz, Homburg und Landshut an. In der Grabstätte ist auch Karl Rottmann (1798 bis 1850) bestattet, der als Landschafts- und Hofmaler berühmt wurde.
Alois Senefelder1771 bis 1834Grab 5-2-1 Alois Senefelder war Sohn eines Schauspielers. Er bekam eine solide Ausbildung, da der Vater verhindern wollte, dass eines der Kinder Schauspieler würde. Während seines Jura- und Chemiestudiums starb der Vater. Senefelder musste seine Studien aufgeben, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er schrieb das volkstümliche Theaterstück "Die Mädchenkenner", das am Hoftheater mit großem Erfolg aufgeführt wurde. Seine weiteren Versuche als Autor blieben erfolglos, doch kam er über das Schreiben mit dem Buchdruck in Berührung. Er stieß auf das bereits bekannte Steindruckverfahren, das aber nicht genutzt wurde. Senefelder verbesserte das Verfahren und gründete in München eine chemische Steindruckerei. Kurz darauf wurde er mit der Aufsicht über die königliche Steindruckerei betraut und stellte Steuerkataster und Landkarten her. 1826 gelang Senefelder ein erster Farbdruck. Seine Erfindungen waren wegweisend für die Reproduktionsverfahren, kamen aber erst nach seinem Tod voll zur Wirkung.
Johann Nepomuk Sepp1816 bis 1909Mauer rechts 195 Nach Reisen in Syrien, Palästina und Ägypten wurde der in Bad Tölz geborene Johann Nepomuk Sepp Professor für Geschichte an der Münchner Universität. Im Zuge der "Lola-Montez-Affaire" wurde er 1847 abgesetzt und aus München verbannt. Hinter Lola Montez verbarg sich die irische Tänzerin Elisabeth Gilbert. Sie trat 1846 unter dem Pseudonym Lola Montez in München auf, nachdem sie bereits durch andere europäische Städte gezogen war und stets einen Skandal verursacht hatte. König Ludwig I. sah die Vorstellung und verfiel ihr völlig. Die Tatsache, dass ein 60-jähriger König eine junge Geliebte hatte, wäre für sich gesehen noch kein Grund für eine Staatsaffäre und für die Abdankung des Königs gewesen. Die reichen finanziellen Zuwendungen Ludwigs an Lola Montez, die er zur Gräfin von Landsfeld gemacht hatte, fanden jedoch bei der hungernden Bevölkerung keinerlei Verständnis. Schließlich griff Lola Montez auch in die Politik ein und Ludwig I. vollzog, was sie ihm einsagte. Es gab das sogenannte "Kabinett Lola Montez" in dem auf ihren Geheiß viele kritische Minister ersetzt wurden. Auch Johann Nepomuk Sepp verlor auf diese Weise seine Universitäts-Professur. Sepp wurde 1848 Abgeordneter im Frankfurter Parlament, bekam 1850 seinen Münchner Lehrstuhl zurück und wurde in die bayerische Abgeordnetenkammer gewählt. Seinen Lehrstuhl musste er 1867 wegen Streitigkeiten erneut räumen. Als Historiker hat sich Sepp um die Aufarbeitung der Sendlinger Mordweihnacht von 1705 und die damit zusammenhängenden Ereignisse verdient gemacht. Mit seinem Schwager Ludwig Merz (1817 bis 1857), der ebenfalls in diesem Grab beigesetzt ist, gab er das "Buch der Erde" heraus. Ludwig Merz war ebenfalls als Universitätsprofessor im Zuge der Lola-Montez-Affaire entlassen worden. Er arbeitete daraufhin als Optiker und lieferte mit seiner Firma "Merz und Söhne" große Fernrohre in alle Welt. Merz gründete den "Vinzenz-Verein" zur Unterstützung der Armen und gründete das Gesellenhaus in München. Wegen seines sozialen Engagements wurde Merz der "bayerische Kolping" genannt. |
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