Internationales Symposium "PERSPEKTIVE GESUNDHEIT"
vom 17.-18. April 2008 in München
Vor gut 20 Jahren entstand in München die Idee für das Gesunde Städte-Netzwerk
für Deutschland. Zehn Jahre nach dem Symposium „Für immer gesund?!“
fand im April 2008 wieder ein internationales Symposium „PERSPEKTIVE GESUNDHEIT“
in München statt. Präsentiert und zum ersten Mal in der Öffentlichkeit
diskutiert wurde die
Leitlinie
Gesundheit als ein stadtentwicklungsplanerisches Instrument für München.
Eingeladen hatte das Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt
München sowie das Gesunde-Städte-
Netzwerk in Kooperation mit dem Netzwerk
Kindergesundheit und Umwelt e.V. und Nicht-Regierungsorganisationen (NGO). Viele
Gäste kamen aus München, aber auch aus anderen der 63 Healthy-Cities-Mitgliedskommunen
in Deutschland, aus den Nachbar-Netzwerken Österreichs und der Schweiz, die
von Herrn Bürgermeister Hep Monatzeder und Vertretern der angrenzenden Netzwerke
begrüßt wurden.
1. Konferenztag, Donnerstagnachmittag, 17. April 2008
Im ersten Teil der Veranstaltung wurden Fragen diskutiert, die sich als roter
Faden durch die Leitlinie Gesundheit ziehen: das Spannungsfeld zwischen öffentlicher
Daseinsvorsorge und individueller Verantwortung wurde von Professor Dr. Peter
Mayer-Tasch von der Hochschule für Politik in München unter dem Titel
„Gesundheit im Öffentlichen Raum zwischen Daseinsvorsorge und Selbstverantwortung
- Perspektiven der Politischen Ökologie" aufgegriffen. Die Notwendigkeit
von vernetztem Handeln, aber auch den Bedingungen, damit dieses gelingen kann,
behandelte Angelika Diller vom Deutschen Jugendinstitut in ihrem Vortrag „Kooperation
und Vernetzung“.
Das breite Spektrum kommunaler Gesundheit wurde in vielen Workshops diskutiert.
Dass Gesundheit trotz vieler Beschwernisse auch mit Spass und Bewegung zu tun
hat, illustrierte Peter Jagusch aus Stuttgart mit einer praktischen Einführung
in 3-Ball-Jonglage und zeigte die zum Tanz animierende Band "The Beat Barons"
aus Mailand am Abend des ersten Konferenztags.
2. Konferenztag, Freitag, 18. April 2008
Kommunale Gesundheitspolitik hängt immer stark von bundespolitischen Entwicklungen
ab. In diesem Zusammenhang bilden die Standortbestimmungen von Rolf Schwanitz,
Parlamentarischer Staatssekretär vom Bundesministerium für Gesundheit
und die Ausführungen von Dr. C. Jutta Litvinovitch vom Bundesumweltministerium
zur Neuausrichtung ihres Referates Umwelt und Gesundheit einen wichtigen Hintergrund.
Im Hinblick darauf, dass die Leitlinie Gesundheit einen besonderen Schwerpunkt
bei den gesundheitlich und sozial Benachteiligten setzt, waren auch die Vorträge
von Christa Böhme, Deutsches Institut für Urbanistik zur „Gesundheitsförderung
in der Sozialen Stadt“ und Dr. Michael T. Wright vom Wissenschaftszentrum
Berlin für Sozialforschung über „Partizipative Qualitätsentwicklung
in der Gesundheitsförderung und Prävention“ für die Weiterentwicklung
der Gesundheitspolitik in München von Bedeutung.
An diesen Ausführungen konnte Herr Joachim Lorenz, Referent für Gesundheit
und Umwelt der LH Stadt München, wunderbar anknüpfen, um die „
Leitlinie
Gesundheit zur PERSPEKTIVE MÜNCHEN erstmalig der Öffentlichkeit
vorzustellen. Diese Leitlinie stellt den strategischen Orientierungsrahmen für
die Gesundheitspolitik der Landeshauptstadt München in den nächsten
Jahren dar.
In 4 Foren diskutierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anschließend
über die Inhalte der 4 Themenfelder der
Leitlinie
Gesundheit anhand beispielhafter Schwerpunkte.
„Ressource Männergesundheit“ zum Themenfeld Chancengleichheit
Der thematische Input kam von Herrn Gunter Neubauer, Leiter des Sozialwissenschaftlichen
Instituts Tübingen. Gesundheitliche Chancengleichheit hat viele Aspekte,
darunter auch der Geschlechteraspekt. Die Gesundheitschancen von Männern
und Frauen unterscheiden sich nicht nur infolge genetischer und biologischer
Faktoren, sondern auch durch unterschiedliche Verhaltensweisen und Risiken.
Um Männer besser zu erreichen, setzt der Kompetenzansatz nicht an Defiziten,
sondern an positiven Zugängen und Fragestellungen an und zielt auf einen
Gesundheitsgewinn für Männer ab.
„Gesund von Anfang an“ zum Themenfeld Prävention und Gesundheitsförderung
Kinder und Jugendliche leiden unter Anderem vermehrt an Übergewicht und
Essstörungen, psychischen Erkrankungen, Allergien sowie fehlender Bewegung
und den daraus resultierenden Belastungen, wie wissenschaftliche Untersuchungen
belegen. Grundlagen für gesundheitsförderliche Verhaltensweisen werden
schon in den ersten Lebensjahren gelegt. Deshalb stellt die Förderung der
Gesundheit von Kindern eine aktuelle Herausforderung für die Kindertagesbetreuung
dar. Angelika Simeth, Petra Kohring und Christine Wiedemann stellten vor, mit
welchen konzeptionellen Ideen und Maßnahmen das Sozialreferat der Landeshauptstadt
München auf diese Herausforderungen reagiert.
„Im Wohnumfeld Gesundheitsrisiken minimieren“ zum Themenfeld Gesundheitsförderliche Umwelt
Auf dem Podium, das Felix Berth von der Süddeutschen Zeitung moderierte,
diskutierten Dr. C. Jutta Litvinovitch, Regierungsdirektorin im Bundesministerium
für Umwelt, Naturschutz und Verbrauchersicherheit, Dr. Joachim Heinrich,
Leiter der AG Umweltepidemiologie am Institut für Umweltepidemiologie des
Helmholtz Zentrums München, Gisela Stete, Verkehrsplanerin, StetePlanung,
Darmstadt und Joachim Lorenz, Referent für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt
München miteinander und mit dem Publikum. Die Hauptfragen waren: Wodurch
wird das Wohnumfeld beeinträchtigt und welche Maßnahmen sind sinnvoll?
Das Thema Verkehr nahm dabei naturgemäß einen relativ großen
Raum ein. Daneben wurde aber auch die Bedeutung des Wohnumfeldes und sonstiger
Umweltbedingungen für die Gesundheit der Bevölkerung betont. Maßnahmen
müssen sowohl an den objektiven Faktoren als auch am Verhalten der Bürgerinnen
und Bürger ansetzen. Es wurde deutlich gemacht, dass Maßnahmen für
die Umwelt gleichzeitig der Gesundheit der Bevölkerung dienen.
„Leistung folgt Geld?!“ zum Themenfeld Gesundheitliche Versorgung
Die Behauptung, das Geld folge der Leistung, hat mit der Realität nicht
viel zu tun. Dies war das Resumée des Moderators der Diskussionsrunde,
Herrn Reinhard Fuss, Geschäftsführer für Strategie und Planung
des Städtischen Klinikums München. Das Podium, besetzt mit Prof. Dr.
Jörg Saatkamp, Vorstand der BKK Bayern, Dr. Alfred Estelmann, Vorstand
Klinikum Nürnberg, Dr. Gabriel Schmidt, 1. Stellvertr. Vorsitzender des
Vorstands der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns und Dr. Norbert Lettau,
Senatsdirektor in der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und
Verbraucherschutz, Hamburg sah unterschiedliche Lösungen für die Schließung
von Versorgungslücken, von einer eher staatlich regulierten bis zu einer
marktwirtschaftlichen Richtung. Einig war man sich aber darin, dass der Gesundheitsfonds
keinen Fortschritt in der Gesundheitsreform darstellt.
Auch aus den vier Diskussionsforen nahm das Referat für Gesundheit und Umwelt
eine Reihe von Anregungen für die Überarbeitung der
Leitlinie
Gesundheit mit. Ihre Schwerpunktsetzungen und grundlegenden Aussagen sind
dabei bestätigt worden.
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Bei Interesse an der ausführlicheren Dokumentation des Symposiums bzw.
weiteren Informationen wenden Sie sich bitte an MAG’S, Münchner Aktionswerkstatt
G’sundheit, Herbert Süßmeier, Tel. (089) 53 29 56 55, E-Mail:
mags.s@gmx.de.