Boden und Flächennutzung


Historische Stadtentwicklung


Die Entwicklung Münchens zur heutigen Größe vollzog sich nicht als kontinuierlicher Wachstumsprozess, sondern in einem Wechsel von längeren Stillstandsperioden, gefolgt von größeren Wachstumsschüben.
Die Siedlungsstruktur Münchens, so wie sie sich heute darstellt, ist im Wesentlichen das Ergebnis eines Zusammenwachsens der umliegenden Gemeinden mit dem Siedlungsschwerpunkt "München" insbesondere im 19. und 20. Jahrhundert.

Die Einzelkarten zeigen einige Stationen auf diesem Wege Münchens von der einstigen "königlichen Hauptstadt" zur heutigen Weltstadt anhand von Reproduktionen von Karten aus den Jahren 1812, 1860, 1935 und 1988:

  • Karten zurzeit in Überarbeitung

Die Grenze des Stadtgebietes bis 1854 (Stadtviertel der ehemals befestigten Stadt mit den Vorstädten) ist weitgehend identisch mit der seit 1460 nachgewiesenen Burgfriedensgrenze. Die folgende Karte zeigt die bebauten Flächen innerhalb dieses Burgfriedens und die Ortschaften in der Umgebung der Stadt um das Jahr 1860. Als Umgriff wurde das heutige Stadtgebiet unterlegt.

  • Karte zurzeit in Überarbeitung


Jeder Erweiterung der Stadtgrenzen gingen bauliche Verdichtungen, die Bebauung von Freiflächen und Wohnungsknappheit im Stadtgebiet voraus. Die Eingemeindung umliegender Dörfer, die meist schon vorher in ökonomisch-funktionaler Verflechtung zur Stadt standen, ermöglichte die weitere Expansion.
Die Differenzen zwischen den damaligen Steuergemeindegrenzen am Stadtrand und der heutigen Stadtgrenze beruhen auf zwischenzeitlichen Ein- und Ausgemeindungen.

Erste große Stadterweiterung

Mit der Gründung Münchens Mitte des 12. Jahrhunderts nahe des Klosters (zu den Munichen) an der Isar als Handels- und Marktort und mit der Gewährung des Salzhandelsmonopols an das Bürgertum war der Grundstein für eine prosperierende Entwicklung gelegt. Infolge dieser Entwicklung kam es Anfang des 14. Jahrhunderts zur ersten großen Stadterweiterung von 15 Hektar auf 91 Hektar Stadtfläche. Die Erweiterung erfolgte kreisförmig um den alten Befestigungsring entlang der Isar-Hochterrassen, ohne jedoch die im Osten angrenzenden Isarniederungen mit ihren Überschwemmungsgebieten einzubeziehen.

Wirtschaftliche Nutzungen von Freiflächen

Die weitreichende Bedeutung Münchens im 15. und 16. Jahrhundert als Fernhandelszentrum für Salz und Getreide führte zahlreiche Gewerbe nach München. Vorhandene Freiflächen wurden zunehmend in gewerbliche und in andere intensive wirtschaftliche Nutzungen einbezogen. Hauptsächlich die nördlichen Teile der Altstadt blieben zunächst durch die Freiflächen der Klöster (kleine Gärten, Friedhöfe) und die fürstlichen Residenz geprägt.
Zu dieser Zeit war München eingebettet in weite Moos-, Moor- und Waldgebiete. Landwirtschaftlich genutzte Flächen und verstreut gelegene bäuerliche Siedlungen prägten das Bild der Umgebung.

Bau von Bürgerhäusern und Gartenanlagen

Das Aufkommen der absolutistischen Herrschaftsform im 16. Jahrhundert und die Bekämpfung der stark vom Bürgertum getragenen Reformationsbewegung führte zu großen Veränderungen im Stadtbild. Dem zunehmenden Flächenanspruch für klösterliche Anlagen im Zuge der Gegenreformation sowie dem Anstieg des administrativen, repräsentativen und machtpolitisch begründeten Raumbedarfs des Fürstenhofes fielen Hunderte von Bürgerhäusern zum Opfer, deren Grundstücke für Bauten und Gartenanlagen benötigt wurden (zum Beispiel wurden für den Bau des Jesuitenkollegs der Alten Akademie und der Michaelskirche zirka 50 Bürgerhäuser abgerissen, für das Karmeliterkloster an der Pacellistraße 20 Gebäude). So hatte der Klerus bis 1760 allein innerhalb des Burgfriedens 17 klösterliche Anlagen errichten lassen, die 20 bis 25 Prozent des gesamten Stadtgebietes umfassten.

Entwicklung im Umland

Trotzdem wirkt diese Bautätigkeit innerhalb des Burgfriedens eher noch bescheiden gegenüber der Entwicklung im Umland der damaligen Stadt. Hier entstand zur gleichen Zeit eine Vielzahl von Schlössern, Klöstern und Kirchen (Schloss Nymphenburg, Schloss Schleißheim, die Michaelskirche in Berg am Laim, die Klosterkirche St. Anna im Lehel et cetera). Die verschwenderische Hofhaltung und die starke Bautätigkeit hatte aber auch ein Heer von Tagelöhnern entstehen lassen, die in den umliegenden Dörfern Au und Giesing unter katastrophalen Bedingungen wohnten.

Siedlungsverdichtung

Ab 1791 kam es schließlich zur Schleifung der städtischen Befestigungsanlagen, was eine Siedlungsentwicklung auslöste, die ausgehend von den Räumen um die alten Stadttore das gesamte Vorfeld vor der Stadt, insbesondere die Max- und Ludwigs-Vorstadt umfasste.
Die Karte von 1812 zeigt deutlich die Siedlungsverdichtung um Münchens historischen Altstadtkern. Die randlichen Siedlungsbereiche "zerfließen" in Richtung der umliegenden Orte. Die nun entlang der Hauptstraßen und der Isar entstehenden Siedlungsbänder bereiten jetzt schon die dann in der Mitte des 19. Jahrhunderts vollzogene Eingemeindung der Orte Au, Giesing und Haidhausen vor. Diese Orte waren im Jahre 1812 nur über eine einzige Brücke über die noch völlig unregulierte Isar mit der Münchner Altstadt verbunden.

Englischer Garten

Ende des 18. Jahrhunderts wurden die ehemaligen Jagdgründe der Wittelsbacher in den Isarauen im Norden der Stadt einer breiteren Bevölkerungsschicht zugänglich gemacht und als "Englischer Garten" gestaltet. Erhalten geblieben ist diese Freifläche für die heutige Erholungsnutzung (wie zum Beispiel auch der Hirschgarten und Schloss Nymphenburg) wohl nur deshalb, weil über sie nur die Landesfürsten bestimmten. Diese heute größte innerstädtische Grünfläche mit 373 Hektar kann als eines der bedeutendsten Vermächtnisse der Vergangenheit für die Erholungsnutzung im Stadtgebiet bezeichnet werden. Seinerzeit wurde damit erstmalig die Befriedigung des Bedürfnisses der Bevölkerung nach Naturgenuss und Erholung als öffentliche Aufgabe erkannt und berücksichtigt.

Stadterweiterung und Verdichtung

Die Karte von 1860 zeigt deutlich die in Richtung Schloss Nymphenburg verlaufende und damals geförderte Siedlungsentwicklung. Als Hauptstadt und Regierungssitz des königlichen Bayerns erwuchs München eine Vielzahl von Funktionen administrativer, kultureller, wirtschaftlicher und verkehrstechnischer Art, die eine Stadterweiterung erforderten. Steigende Bodenpreise brachten eine dichtere Bebauung mit sich. Insbesondere in den äußeren Bereichen der damaligen Stadt, so zum Beispiel in den Isarnahen Herbergsvierteln, drängten sich die nicht besitzenden Bevölkerungsschichten unter denkbar schlechten Wohnbedingungen zusammen, während gleichzeitig in den besseren Quartieren der Stadt teure Mietwohnungen leer standen.

Isarregulierung

Zusätzlich verschärft wurde diese Wohnsituation noch durch die Isarregulierungen im Bereich des damaligen Stadtgebiets. Diese führten zur Aufwertung und Verteuerung von flussnahen Wohngebieten und damit zur schrittweisen Verdrängung der angestammten ärmeren Wohnbevölkerung.

Bevölkerungswachstum

Die auf der Karte von 1935 dargestellte Siedlungsausdehnung ist Ergebnis eines gewaltigen Bevölkerungswachstums seit der Gründung des Deutschen Reiches. Von 1871 bis zur Jahrhundertwende stieg die Einwohnerzahl Münchens von 170.000 Einwohnern auf 500.000, und bis zum Jahre 1933 auf 730.500 Einwohner!

Die rapide Bevölkerungszunahme zwischen 1871 und 1900 war allerdings nur zu zirka 30 Prozent auf natürliches Wachstum zurückzuführen. Hauptursache war die Zuwanderung aus anderen bayerischen Regionen, deren Auslöser der Industrialisierungsprozess und die Konzentration der Verwaltungsfunktionen in München war. Hinzu kamen zahlreiche Eingemeindungen, durch die zwischen 1854 und 1932 die Fläche Münchens von 1.652 Hektar auf 18.828 Hektar, das heißt um gut 17.000 Hektar vergrößert wurde. Die Bevölkerungszahl stieg im gleichen Zeitraum um zirka 650.000 und zwar von 85.555 Einwohnern auf zirka 735.000 Einwohner.

"Suburbanisierung"

Die Ausrichtung des Eisenbahnnetzes auf München initiierte eine Entwicklung, die sich später mit dem Aufbau des S-Bahn-Netzes wiederholen sollte. Deutlich lassen sich auf der Karte von 1935 die Siedlungsschwerpunkte entlang den Bahnstrecken erkennen, deren Auswirkung als eine "frühe Form der Suburbanisierung" bezeichnet werden kann.

Soziale Differenzierung

Die nach außen gerichtete Siedlungsentwicklung wies eine klare soziale Differenzierung auf. Im Norden die umweltbelastenden Industrien mit arbeitsplatznahen Wohnstandorten der Arbeiter, im Süden und längs der Isar die in landschaftlich reizvoller Lage befindlichen Wohngebiete des Besitzbürgertums, das sich erfolgreich gegen die Ansiedlung von verschmutzender Industrie zur Wehr setzte.
Die Innenstadt erfuhr bereits damals die ersten Entleerungstendenzen mit der Funktionsänderung von ehemaligen adligen und bürgerlichen Wohnstandorten zu Geschäftshäusern in deren Verlauf prächtige Bausubstanz abgerissen wurde.

Wohnungsbau in den städtischen Randlagen

Aufgrund der steigenden Wohnungsnot wurden in den zwanziger Jahren Wohnanlagen mit Gartenhöfen erstellt, in denen der zunehmende Stellenwert von Grün- und Erholungsräumen zum Ausdruck kommt, so die Siedlung "Alte Heide" in Freimann, die "Borstei" an der Dachauer Straße, die Siedlung "Agricolastraße" in Laim, die Siedlungen "Hartmannshofen" an der Allacher Straße, an der Wendinger Straße, der Klugstraße et cetera.
Der Trend, den Wohnungsbau in den städtischen Randlagen zu intensivieren, wurde auch von den Nationalsozialisten weiter verfolgt. Von den städtebaulichen Vorhaben dieser Zeit wurden manche aber erst viele Jahre später verwirklicht, so zum Beispiel der Bau von Trabantenstädten, das Ringstraßensystem sowie einige Trassierungen der heutigen U- und S-Bahn. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden zahlreiche Eingemeindungen insbesondere im Westen und Osten des Stadtgebietes durchgeführt, und damit eine Erweiterung der Stadtfläche um über 12.000 Hektar erreicht.

Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg

Nach dem zweiten Weltkrieg, in dem 45 Prozent der Bausubstanz der gesamten Stadt und 90 Prozent des historischen Stadtbereiches zerstört wurde, galt es, München unter Berücksichtigung der historischen Stadtstruktur wieder aufzubauen. Flächenintensive Wohnraumbeschaffungsprogramme wurden im äußeren Stadtbereich verwirklicht (Parkstadt Bogenhausen, Wohnsiedlung Fürstenried, Olympisches Dorf, Neuperlach und so weiter). Die Gebiete zwischen den radialen Ausfallstraßen wurden aufgesiedelt, so dass sich schon bald das heutige Siedlungsbild abzeichnete.

Zunahme der Wohnbevölkerung in den Außenbezirken

Der starke Arbeitsplatzzuwachs, große Wanderungsgewinne - mittlerweile aus der ganzen Bundesrepublik - und gleichzeitig die Verdrängung der angestammten Wohnbevölkerung insbesondere aus den Umwandlungs- und Modernisierungsgebieten der Innenstadt führten zu einer weiteren Zunahme der Wohnbevölkerung in den Außenbezirken. Der dadurch erforderliche Ausbau des Straßennetzes und der öffentlichen Verkehrsmittel verstärkte gleichzeitig eine Entwicklung, bei der die Stadtflucht begünstigt und die Innenstadt für Nutzungen des tertiären Sektors freigegeben wurde.

Entwicklung der Einwohnerdichte

Während 1950 nur 40 Prozent der Stadtfläche besiedelt waren, stieg dieser Anteil bis 1980 auf 63 Prozent. Bezogen auf die bebaute Fläche rangiert München mit einer Einwohnerdichte von zirka 10.300 Einwohner pro Quadratkilometer bebaute Fläche heute an zweiter Stelle im Bundesgebiet hinter Frankfurt am Main mit zirka 10.700 Einwohnern pro Quadratkilometer. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Stadtfläche Münchens seit über 40 Jahren nahezu unverändert geblieben ist, während sich das Gebiet der Vergleichsstädte in diesem Zeitraum durch Eingemeindungen zum Teil erheblich vergrößert hat.

Ausdehnung des Ballungsraumes

Obwohl seit dem Stadtentwicklungsplan 1975 die Verbesserung der Qualität des städtischen Lebensraumes als wichtigstes Ziel der Stadtentwicklungspolitik vor der Förderung des rein quantitativen Wachstums postuliert wird, scheint die weitere Ausdehnung des Ballungsraumes durch den unveränderten Wunsch nach Wirtschaftswachstum vorprogrammiert. Die Auflösung der Stadt zur Stadtregion mit einem inneren und einem äußeren Verdichtungsraum wird schon seit Jahren immer deutlicher. Neue große Siedlungs- und Strukturmaßnahmen am Stadtrand und im Stadtumland wie zum Beispiel der Bau des Flughafens München II und die Bebauung des ehemaligen Flughafengeländes in München-Riem haben diese Entwicklung noch weiter begünstigt.


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