Best Practice
Solarkollektoren
Modellprojekt Energieversorgungssystem
"Solare Nahwärme Ackermannbogen"
Die Landeshauptstadt München betreibt seit langem eine aktive Politik zur
Energieeinsparung und zum Klimaschutz. Diese wird unter anderem von der Stadtwerke
München GmbH in Form von Energieerzeugungsanlagen mittels Wasserkraft und
"Kraft-Wärme-Kopplung" konsequent umgesetzt. Eines der zentralen
Projekte zur Nutzung der Sonnenenergie in München ist die Realisierung einer
innovativen "Solaren Nahwärmeversorgung" für eine Wohnsiedlung.
In attraktiver Lage zwischen dem gründerzeitlichen Schwabing und dem Olympiapark
liegt das neue Stadtquartier "Am Ackermannbogen". Dessen nordwestlicher
Teil wurde für das Solarprojekt ausgewählt.
Nordwestlicher Teil "Am Ackermannbogen"
Als Ergebnis eines Realisierungswettbewerbs wurden große Geschosswohnungsbauten
im Wechsel mit kleineren Stadthäusern errichtet. Ziel ist es, qualitätvolle
Architektur und Freiraumgestaltung mit den besonderen Anforderungen des Modellprojekts
"Solare Nahwärme" zu verbinden.
Mit dem bisher in Europa einzigartigen Projekt "Solare Nahwärme Ackermannbogen"
wird in München eine Reihe von bundesweit bereits erfolgreich realisierten
innovativen Anlagen fortgesetzt und weiterentwickelt.
Wie funktioniert die "Solare Nahwärmeversorgung"?
Die solare Nahwärmeversorgung liefert das ganze Jahr über das Warmwasser
und im Winter zusätzlich die Heizwärme für die Wohnungen. Um die
Sonnenkraft auch zur Beheizung der Gebäude zu nutzen, muss die starke Einstrahlung
im Sommer in die Winterzeit "transportiert" werden. Beim Wohngebiet
"Am Ackermannbogen" geschieht dies mittels eines großen Wasserspeichers.
Funktionsweise der Heiz- und Warmwasserversorgung
Mit großflächigen Solarkollektoren, die die Dächer der Wohngebäude
bedecken, wird im Sommer durch die Sonneneinstrahlung Wärme erzeugt. Diese
wird über ein Leitungsnetz (Solar-Sammelnetz) in den großen Saisonalspeicher
gespeist, dessen Wasserinhalt sich bis zum Herbst auf zirka 90 Grad aufheizt.
Im Winter wird dann umgekehrt die Wärme aus dem Speicher entnommen und über
ein weiteres Leitungsnetz (Nahwärmenetz) in die Wohngebäude transportiert.
Bis in den Januar hinein kann die Siedlung komplett aus dem Speicher versorgt
werden. Dann übernimmt die Fernwärme der Stadtwerke die Versorgung,
die auch eine "Reservefunktion" gewährleistet.
Über das Jahr gesehen werden 50 Prozent des Heizwärmebedarfs der Siedlung
durch die Sonne geliefert.
Am Gebäude Elisabeth-Kohn-Straße 29 (in der Siedlung) ist eine elektronische
Schautafel installiert, die die aktuellen Messdaten des Solarsystems anzeigt.
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Die Technik
Die solar versorgte Wohnsiedlung besteht aus vier großen Wohnblocks sowie
acht kleineren Stadthäusern und umfasst 319 Wohnungen mit insgesamt 30.400
Quadratmeter Geschossfläche. Die Gebäude sind in einem hohen Wärmedämmstandard
(Niedrigenergiebauweise) ausgeführt.
Die Solarkollektoren sind einerseits Energiesammler für das Solarsystem,
andrerseits sind sie eine dauerhafte Dacheindeckung und erfüllen die Funktion
der Dachhaut. Drei der großen Wohnblocks sind mit den Kollektoren bedeckt,
die nahezu die ganze Dachfläche einnehmen und insgesamt eine Fläche
von zirka 3.000 Quadratmeter haben.

EnergiezentraleHerzstück der ganzen
Anlage ist die Energiezentrale, die neben dem Speicher liegt und, aus ästhetischen
Gründen, landschaftsplanerisch in den Erdhügel des Speichers integriert
wurde. Hier laufen sämtliche Transportleitungen und Steuerungssysteme zusammen.
Hier erfolgen auch die Einspeisung von Wärme in beziehungsweise die Entnahme
aus dem Speicher, die Versorgung der Wohnhäuser mit Heizwärme und die
Einkopplung von Fernwärme, wenn die Solarenergie nicht ausreicht. In der
Energiezentrale ist auch eine innovative "Absorptionswärmepumpe" installiert,
die die Effizienz des Gesamtsystems erhöht.
Wärmespeicher Der saisonale Wärmespeicher
fasst 6.000 Kubikmeter Wasser und stellt mit einem Durchmesser von 26 Metern und
einer lichten Höhe von 16 Metern ein beeindruckendes Bauwerk dar. Seine Schale
besteht aus Beton. Er ist innen mit Edelstahl ausgekleidet, und nach außen
hin verhindert eine dicke Dämmschicht, dass die Wärme aus dem Speicher
verloren geht. Der Speicher ist in Form eines Hügels in die Grünanlage
integriert; er wirkt damit als Schallschutzwall zum Ackermannbogen hin und dient
im Winter als Rodelhügel.
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Organisation und innovative Verträge
Die Federführung des Projekts liegt bei der Landeshauptstadt München.
Planung, Bau und Betrieb der Anlage haben die Stadtwerke München GmbH übernommen.
Die Wohngebäude wurden von fünf Bauträgergesellschaften errichtet
und vermarktet. Die Firma Solites (Stuttgart) und das Bayerische Zentrum für
Angewandte Energieforschung (ZAE Bayern) sind als wissenschaftliche Partner beteiligt.
Abgesehen von den technischen Innovationen wurden für eine reibungslose Kooperation
zwischen der Landeshauptstadt München, den Bauträgern und den Stadtwerken
München auch neue organisatorische und vertragliche Konzepte entwickelt.
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Der Nutzen
Die Bewohnerinnen und Bewohner der Siedlung profitieren von den niedrigen Heizkosten
des zukunftsweisenden Systems.
Die Umwelt profitiert durch Energieeinsparung und die Verringerung der Emission
von Kohlendioxid (CO2) und Schadstoffen. Der Bedarf an Heizwärme und Warmwasser
für die Wohnungen wird zu 50 Prozent durch die Sonne geliefert. Dabei fallen
keine Schadstoffe an.
Die verbleibende andere Hälfte des Bedarfs wird durch die Fernwärme
der Stadtwerke München gedeckt, die ohnehin hervorragende Emissionswerte
hat, da sie in "Kraft-Wärme-Kopplung" erzeugt wird. Für
die vollständige Versorgung der Wohnungen mit Heizwärme und Warmwasser
werden nur noch 40 Prozent der Energie benötigt, die bei einer optimalen
Erdgas-Heizanlage erforderlich wären. Damit leistet das System einen deutlichen
Beitrag zum Klimaschutz und zur Schonung der Umwelt.
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Finanzierung
Das Projekt wurde mit finanziellen Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt,
Naturschutz und Reaktorsicherheit, der Landeshauptstadt München, der Stadtwerke
München sowie der Bauträger gefördert.
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Kontakt
Referat für Gesundheit und Umwelt
Energie und Klimaschutz
Martin Welter
Tel. (089) 233 - 4 77 14
uw11.rgu@muenchen.de
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