Das digitale Klassenzimmer am Krankenbett

Ziel

Ziel des Projekts ist es, erkrankte Kinder und Jugendliche, die sich in stationärer Behandlung in einer Münchner Klinik befinden und den regulären Schulunterricht nicht besuchen können, durch den Einsatz von Videokonferenzschaltungen zwischen Schule und Krankenzimmer vom Krankenbett aus direkt und interaktiv am Unterricht in einer Klasse teilnehmen zu lassen.

Durchführung

Die erkrankte Schülerin oder der erkrankte Schüler schaltet sich per Videokonferenz in eine Schulstunde an der vernetzten Schule ein und nimmt über den Computer am Krankenbett aktiv am Unterricht teil. Die moderne Technologie der Konferenzschaltung ermöglicht, dass vom Krankenbett aus das Geschehen im Klassenzimmer live miterlebt werden kann. Der Unterricht kann verfolgt werden, man kann sich vom Krankenbett aus melden, von den Lehrkräften aufgerufen werden und sich mit Klassenkameradinnen und Klassenkameraden austauschen. Aber auch Tafelanschriften, Arbeitsunterlagen oder Versuchsaufbauten werden vom Krankenbett aus wahrgenommen, die Hausaufgaben als E-Mails versandt und korrigiert.

Kontaktaufnahme

Der von Gymnasium oder Realschule benötigte Unterricht wird von der Staatl. Schule für Kranke angefordert. Sie sorgt auch für die pädagogische Betreuung in der Klinik.

Vernetzung

Es sind innerhalb des Projekts "Digitales Klassenzimmer am Krankenbett" drei Schulen vernetzt:

  • Städt. Ludwig-Thoma-Realschule
  • Städt. Thomas-Mann-Gymnasium
  • Staatl. Schule für Kranke im Krankenhaus München-Schwabing

Unterrichtsdauer - Unterrichtsfächer - Klassenstufen

Das Projekt "Digitales Klassenzimmer am Krankenbett" ist seit vier Jahren mit zunehmender Nachfrage aktiv. Eine wünschenswerte Ausweitung scheitert an der derzeitigen finanziellen Situation. Immerhin konnte erkrankten Kindern und Jugendlichen bisher in jedem Jahr mit über 100 Zuschaltungen benötigter Fachunterricht erteilt werden. Der Unterricht fand bisher in den Fächern Chemie, Physik, Biologie, Mathematik, Betriebswirtschaft/Rechnungswesen für die Jahrgangsstufen 7 -13 statt.

Pädagogisches Konzept

Bedeutung für schwer erkrankte Schülerinnen und Schüler

Die Einrichtung des Projekts "Digitales Klassenzimmer am Krankenbett" bedeutet eine entscheidende Verbesserung der pädagogischen Betreuung von erkrankten Schülerinnen und Schülern:

  • Es kann schulart- und fächerspezifischer Unterricht in vollem Umfang erteilt werden - speziell in Fächern, für die besondere Lehrsäle benötigt werden wie Physik, Chemie, Kunst und Musik. Bei einer späteren Ausweitung des Projekts auf Berufsschulen ist auch an dort angesiedelte Unterrichtsfächer zu denken.
  • Die kranken Schülerinnen und Schüler werden durch die Videokonferenzschaltung für eine gewisse Zeit in das Unterrichtsgeschehen und den Klassenverband eingebunden und haben die Möglichkeit, in lebendigen Dialog mit Lehrkräften, Klassenkameradinnen und -kameraden zu treten.

Aus diesen virtuellen Begegnungen per Videokonferenz können reale Begegnungen, Krankenbesuche und vielleicht auch Freundschaften entstehen.

Eines der pädagogischen Hauptanliegen des "Digitalen Klassenzimmers am Krankenbett" ist es, die Kinder durch die Teilnahme am realen Unterrichtsgeschehen in eine Klassengemeinschaft einbinden zu können, die krankheitsbedingte Isolation zu durchbrechen und soweit wie möglich ein Stück normales Leben während des Krankenstandes zu schaffen.

  • Die Bedeutung der Schlüsselqualifikation "Medienkompetenz" wird durch diesen anwendungsbezogenen Einsatz anschaulich vermittelt.
  • Der Einsatz des Computers am Krankenbett ist auch unter dem Gesichtspunkt der Methodenvielfalt und des schüleraktivierenden Unterrichts zu sehen.

Bedeutung für die beteiligten Schulen

Für die am Projekt "Digitales Klassenzimmer am Krankenbett" beteiligten Schulen bedeutet dieses Engagement:

  • Die Klassengemeinschaften haben die Möglichkeit, durch die Konfrontation und Auseinandersetzung mit dem Schicksal Gleichaltriger soziale Kompetenzen zu erwerben und zu vertiefen.
  • Die beteiligten Lehrkräfte öffnen ihren Unterricht im Sinne der pädagogischen Schulentwicklung, kooperieren mit anderen Lehrkräften und stellen sich auf neue Unterrichtsverhältnisse ein.
  • Es ergibt sich eine weitere Möglichkeit, die Medienkompetenz von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften durch praktische Einübung zu fördern.
  • Es ist auch ein Beitrag zur Verbesserung der EDV-Ausstattung in der Schule.

Zusammenfassung

Das Projekt "Digitales Klassenzimmer am Krankenbett" ermöglicht:

  • erkrankten Kindern und Jugendlichen, durch den Einsatz modernster Videokonferenz- und Übertragungstechnik, vom Krankenbett aus direkt und interaktiv am Unterricht einer Klasse teilzunehmen,
  • sie in eine Klassengemeinschaft zu integrieren,
  • die soziale Kompetenz junger Menschen zu fördern.

Die Schulstadt München zeigt mit dem Projekt "Digitales Klassenzimmer am Krankenbett" ihren Willen zur pädagogischen Förderung von Kindern und Jugendlichen in besonderen Notlagen.

Mit dem Engagement des Referats für Bildung und Sport für schwer erkrankte Kinder wird das Anliegen bekräftigt, den in seinem Leitbild verankerten Grundsatz "wir arbeiten mit an der Stärkung gesellschaftlicher Solidarität, besonders an der Integration Behinderter" in die Praxis umzusetzen.