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- Auszüge aus der Rede von Stadtschulrätin Elisabeth Weiß-Söllner -
Kooperation mit Eltern ist ein Thema von enormer bildungs- und gesellschaftspolitischer Tragweite und Brisanz, infolge Migration und gesellschaftlichem Wandel wurde dieses in den letzten Jahren sogar noch verstärkt. Die Leitlinie Bildung legt dar, dass gute, zeitgemäße Bildungspolitik im besten Sinne "Politik für Familien" ist.
Alle Studien zu Kompetenzuntersuchungen, ebenso der Münchner Bildungsbericht, kommen zu einem übereinstimmenden Ergebnis: In Deutschland hängen Bildungschancen so stark wie in keinem anderen Land der Welt von der sozialen Herkunft ab. Der erste Lern- und Bildungsort ist die Familie. Schulen, Kindertageseinrichtungen und andere soziale Betreuungsstätten können den Lern- Entwicklungsprozess nur unterstützen.
Die Fachtag "Kooperation mit Eltern" stellt sich zur Aufgabe, einen Ist- Stand aufzuzeigen, Bedürfnisse zu formulieren, wie sich ein Bildungsverbund, aller an Bildung und Erziehung Beteiligter formen und wie sich so kulturelle Vielfalt, Mehrsprachigkeit und Interesse an Bildung entwickeln kann.
Durch die gesellschaftlichen Veränderungen (Zunahme von Ein-Elternfamilien, Arbeiten beider Elternteile; längere Verweildauer der Schülerinnen und Schülern in der Schule) ist eine zunehmend stärkere Zusammenarbeit zwischen Schule und Elternhaus erforderlich.
In den einzelnen Schularten ist Elternarbeit unterschiedlich ausgeprägt. So müssen ganz unterschiedliche Ansätze geschaffen werden:
Im Bereich der beruflichen Schulen stellt sich die Situation je nach Berufsfeld differenziert dar. In dieser Schulart gelingt Elternarbeit vor allem da, wo die Schulordnung die Institution des Elternbeirates vorsieht oder in Schulen, wie z.B. die Wirtschaftsschulen, die ein jüngeres Schülerklientel aufweisen. Hier werden Schülerinnen und Schüler ab der 7. Jahrgangsstufe aufgenommen und die Eltern sind wichtige Ansprechpartner für alle Fragen der schulischen Leistungen und der Betreuung. Die Berufsschulen mit einem hohen Anteil an Abiturienten und Fachabiturienten sprechen die Eltern üblicherweise nicht mehr gezielt an. An den anderen Berufsschulen, deren Schülerinnen und Schüler aus den Hauptschulen und Realschulen kommen und in den Schulen zur Berufsvorbereitung wird aber immer deutlicher, dass die Einbeziehung der Eltern eine stabilisierende Funktion haben kann und mithilft, den Ausbildungserfolg zu sichern. Deshalb sollte in diesem Bereich die Elternarbeit intensiviert werden.
Die Kooperation mit Eltern hat im Bereich der Gymnasien, Realschulen und Schulen besonderer Art eine lange Tradition. Die Gremien, wie in Art. 64 - 69 BayEUG festgeschrieben, haben sich gut im Schulalltag etabliert und noch weitere Rechte hinzubekommen (siehe Schulforum!).
Entscheidend für eine erfolgreiche Zusammenarbeit ist die frühzeitige und regelmäßige Kommunikation mit den verschiedenen Beteiligten der "Schulfamilie", insbesondere mit den Schulleitungen. Auch die konstruktive Zusammenarbeit von Eltern, Ehemaligen und Lehrerkräften mit den an vielen Gymnasien existierenden Fördervereinen sollen Erwähnung finden.
Die Kooperation mit Eltern läuft auf verschiedenen Ebenen ab, individuell an dem Bedarf der Schule angepasst. Über den allgemeinen Elternsprechtag und die Sprechstunden der Lehrkräfte hinaus finden Klassenelternabende statt, Elternsprecher/innen je Klasse werden gewählt, es existieren Elternstammtische, verschiedenste Informationsveranstaltungen für Eltern zu aktuellen Themen (z.B. Mobbing, Dyskalkulie) werden angeboten und Schulfeste gemeinsam mit den Elternbeiräten bzw. Eltern ausgerichtet. Für die Zukunft gilt es noch mehr bedarfsgerechte, schulspezifische Lösungen in der Zusammenarbeit mit Eltern zu finden.
Im Realschulbereich wurde außerdem (zunächst in den Jahrgangsstufe 5 und 6) das sogenannte verbindliche Elterngespräch an 7 Pilotschulen eingeführt. Diese Gespräche finden vor und in den ersten Schulwochen statt um die Eltern in die Schulfamilie zu integrieren und eine gute Zusammenarbeit zu fördern.
Vom Pädagogischen Institut im Referat für Bildung und Sport werden eigene Fortbildungen zum Thema "Zusammenarbeit mit Eltern" angeboten. Das Kursprogramm geht von "Praktizierte Bildungs- und Erziehungspartnerschaft mit Eltern" bis zu "Elternarbeit interkulturell".
Das Referat für Bildung und Sport hat außerdem zielgruppenorientierte Konzeptionen zur Umsetzung der Elternbildung im Bereich der Kindertageseinrichtungen und der Grund- und Hauptschulen entworfen. Eine besondere Bedeutung hat dabei der Übergang vom Kindergarten in die Schule. Wesentliche Elemente des Konzepts sind intensive Elternarbeit im Verbund aller an Bildung und Erziehung Beteiligter in Modellschulen, Kursangebote, Vortragsreihen oder Blockangebote, die durch die Kindertageseinrichtungen oder an den Schulen angeboten und durchgeführt werden. Themen der Kurse und Vorträge sind z.B. "Legasthenie bei Kindern" oder "Chaos und Ordnung im Kinderzimmer". Durch Projekte zur Begegnung ausländischer und deutscher Eltern wird das gegenseitige Verständnis gefördert und es entsteht ein Zusammengehörigkeits-Gefühl in der Schulfamilie.
Eine wichtige Rolle spielt auch die "Städt. Schul- und Bildungsberatung International", in der ein fünfköpfiges Team herkunftssprachliche Beratung in 15 verschiedenen Sprachen anbietet. Dieses Angebot wird intensiv genutzt: pro Jahr werden rd. 3.000 individuelle
Beratungsgespräche geführt, finden ca. 20 Elterninformationsveranstaltungen pro Jahr statt. Dabei stehen Vermittlungsgespräche vor Ort zwischen Eltern und Schule im Mittelpunkt.
All dies zeigt, in welchem Maße die Landeshauptstadt München auf dieses Thema setzt, um damit die Familien, die Eltern und alle Pädagogen in ihrer Kooperation zu unterstützen.
Im Herbst 2009 ist ein weiterer großer Fachtag zum Thema "Elternbildung" geplant.