Leitlinie Bildung

Konzept Elternbildung für Modellschulen
Veranstaltung am 20.11. 2008

Eltern sind die wichtigsten Bezugspersonen für Kinder und durch ihr Vorbild maßgebend für die kindliche Entwicklung. Dies gilt auch für die "Bildungskarriere", die ein Kind einschlägt: Der Münchner Bildungsbericht zeigt, dass eine starke Abhängigkeit zwischen der sozialen Herkunft, dem Bildungsabschluss der Eltern und den Bildungserfolgen der Kinder besteht. Deshalb ist in dem vom Referat für Bildung und Sport erarbeiteten Entwurf zur "Leitlinie Bildung" die Elternbildung als ein strategisches Ziel für das bildungspolitische Handeln in München definiert worden: Dort, wo Bedarf besteht, sollen Eltern in ihrem Erziehungsauftrag unterstützt werden, um so für die Kinder mehr Bildungschancen und mehr Bildungsgerechtigkeit zu erreichen.

Der Stadtrat der Landeshauptstadt München hat mit seinem Beschluss vom 02.04.2008 das Referat für Bildung und Sport beauftragt, an Kindertageseinrichtungen und Schulen Elternbildungsmaßnahmen einzuleiten, auszubauen und zu erweitern. Aus diesem Auftrag heraus fand am 20.11.08 im Rahmen der öffentlichen Diskussion des Entwurfs zur "Leitlinie Bildung" die Auftaktveranstaltung für den Start eines Elternbildungskonzepts an vier Modellschulen statt.

Dr. Josef Tress, Vertreter von Stadtschulrätin Elisabeth Weiß- Söllner, eröffnete die Veranstaltung und begrüßte zahlreiche Stadträte, anwesende Schulleitungen und Leitungen der Kindertageseinrichtungen sowie Schulräte und Vertreter der Elternverbände. In seiner Eröffnungsrede machte er deutlich, dass das vorliegende Konzept von gegenseitiger Achtung und Wertschätzung geprägt ist. Ein mittel- und langfristiges Ziel ist es, Angebote zur Elternbildung flächendeckend und mit bedarfsorientierten Schwerpunkten im gesamten Stadtgebiet bereitzustellen. Bei der Konzepterstellung für die Modellschulen kam es deshalb darauf an, aufzuzeigen, wie sich ein Bildungsverbund aller an Bildung und Erziehung Beteiligter formt und wie sich so kulturelle Vielfalt, Mehrsprachigkeit und Interesse an Bildung entwickeln und wie Elternbeteiligung wachsen kann.

Prof. Dr. Werner Sacher von der Universität Erlangen stellte als zweiter Redner dar, dass jede Schule Chancen bieten kann, Eltern wieder für Schule und damit für schulische Bildung zu interessieren. Das elterliche kulturelle Kapital beeinflusst maßgeblich den Bildungserfolg, man spricht von 66,1 %, die Schule hat im Vergleich dazu nur einen Einflussgrad von 31,0 %. Wenn also Bildung gelingen soll, müssen Eltern, Lehrer und alle an Bildung Beteiligte im Interesse der Kinder bestmöglich kooperieren. Prof. Dr. Sacher kritisiert in diesem Zusammenhang das dreigliedrige Schulsystem. Eine zu frühe Selektierung der Kinder in drei "Klassen" vergrößere primär die sozialen Disparitäten. An weiteren Beispielen erläuterte Prof. Dr. Sacher, dass Elternarbeit bei den Schülerinnen und Schülern ankommen muss, stellte verschiedene Bereiche von Elternarbeit dar, sprach von der Lern- und Erziehungskooperation mit der Schule und zeigte gesellschaftliche Ursachen auf, die zu nachlassender Erziehungskraft in der Familie führten.

Ursula Ratzek-Eckardt vom Münchner Bildungswerk, wird das vom Referat für Bildung und Sport erarbeitete Konzept vor Ort begleiten und stellte die wesentlichen Komponenten dieses Pilotprojekts vor. Bei den vier Modellschulen handelt es sich um die Hauptschule an der Bernaysstraße, die Grundschule an der Hugo Wolf- Straße, die Grundschule an der Lehrer Wirth- Straße und die Grundschule an der Wiesentfelserstraße. Den gemeinsamen Weg der vier Modellschulen, Elternarbeit weiter auszubauen oder neu zu installieren, verglich die Rednerin mit der Vorbereitung auf eine Expedition. Alle vier Schulleitungen und ihre Teams sowie die benachbarten Kindertageseinrichtungen erhielten zunächst einen Überblick über die weitere Vorgehensweise in den jeweils für die Schule initiierten Projektgruppen, erfuhren, wie eine mögliche Netzwerkarbeit funktionieren könnte und wurden dann in ein Wandelplenum eingeladen. Ziel war es dabei, Wünsche, Strategien und Erfahrungen zu erfassen, um einen Ist- Stand zu ermitteln. Alle diese Statements und viele andere gute Ideen wurden in die Projektgruppen mitgenommen. Im Januar 2009 beginnt die Planung in den Projektgruppen, jedes Team wird ein auf seine Schule zugeschnittenes Konzept entwickeln. Die Landeshauptstadt München wird in Kooperation mit dem Münchner Bildungswerk und allen anderen Bildungsakteuren diesen Prozess weiter begleiten und unterstützen.