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![]() Der erste Stadtplan Münchens aus dem Jahr 1613. Klicken Sie auf das Bild für eine vergrößerte Darstellung und zusätzliche Informationen. Geschichtliche EinführungDer 850. Stadtgeburtstag, den München 2008 feiert, steht unter dem Motto »Brücken bauen« – nicht zuletzt, weil Gründung und Ausbau der Stadt unter dem Vorzeichen des Isarbrückenbaus am Ort der heutigen Ludwigsbrücke erfolgten. Die Ludwigsbrücke und die fünf erst im 19./20. Jahrhundert entstandenen südlich anschließenden Innenstadtbrücken (Bosch-, Cornelius-, Reichenbach-, Wittelsbacher und Braunauer Eisenbahnbrücke) gehören heute zum Stadtbezirk 02 (Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt). ![]() Blick von der Cornelius- bis zur Braunauer Eisenbahnbrücke und auf die Isarvorstadt mit der Kirche Der so dicht und urban wirkende Bezirk machte jedoch keineswegs eine kontinuierliche Entwicklung vom mittelalterlichen Gründungsakt der Stadt bis heute durch, sondern entstand im Wesentlichen erst im 19. Jahrhundert. Dennoch gibt es eine punktuelle und sich ebenfalls vor allem auf das Wasser beziehende Vorgeschichte im Mittelalter: So landeten an der Kohleninsel (heutigen Museumsinsel) und am linken Isarufer die Isarflöße an, hier entstand ein regelrechter »Verkehrsknotenpunkt«. Auch die aus der Isar abgeleiteten Stadtbäche waren Lebensnerv für das frühe Gewerbe: Über den stellenweise noch sichtbaren Westermühlbach konnten Flöße bis zur »Oberen Lände« (heute »Am Glockenbach«) schiffen; der Bach speiste die namensgebende »Westamill« (Holzstr. 28), die schon 1345 vom Heiliggeistspital erbaut wurde. Der Westermühlbach war der »Versorger« der so genannten Inneren Stadtbäche, während die näher zur Isar gelegenen Äußeren Bäche aus dem Pesenbach gespeist wurden. Mit diesen beiden aus dem Großen Stadtbach abgeleiteten Hauptadern und ihren Nebenadern sowie dem Dreimühlenbach wurde das frühgewerbliche Leben angetrieben, die verschiedenen Mühlen und die (häufig daran anschließenden) Handwerke wie Gerbereien, Bleichen oder Zimmereien. Mühlenrechte waren ein Privileg, über das die bayerischen Herzöge persönlich bestimmten. Die der Stadt 1462 überlassenen zwei »Mühlschläge« vor dem Isartor wurden zur Grundlage einer florierenden Ansiedlung mit Hammerwerk, Schleifmühle, Säge- und Walkmühle. Andererseits barg das Wasser auch Gefahren, vor allem Hochwasser und Überschwemmungen, und verhinderte lange eine systematische Überbebauung des isarnahen Terrains. ![]() Die »Obere Lände« mit dem Brunnhaus, Aquarell um 1870. Schon bevor die systematische Stadterweiterung die Ludwigs- und Isarvorstadt schuf, ergaben sich städtische Aufgaben eben gerade aus der Lage des Gebiets »extra muros«. Ein Pesthaus entstand an der heutigen Baumstraße, vor allem aber wurde mit der Eröffnung eines Pestfriedhofs Ende des 16. Jahrhunderts der Grundstein für die Entstehung des »Südlichen Friedhofs« gelegt. Städtebaulich stellt der Alte Südfriedhof die Grenze oder auch das Verbindende zwischen der Ludwigs- und der Isarvorstadt dar. Auch im Gelände ist das erkennbar: Hier (am Westermühlbach) verläuft die Hangstufe, die den Übergang von der unteren Terrasse, auf der die Isarvorstadt erbaut wurde, zur Altstadtterrasse mit der Ludwigsvorstadt kennzeichnet. Zur Anlage der drei TeilpfadeWährend in der frühgewerblichen und dann industriellen Erschließung die Isarvorstadt die Nase vorn hatte, wurde städtebaulich zuerst die Ludwigsvorstadt entwickelt. Die seit 1806 als Hauptstadt eines Königreichs aufgewertete Stadt München wurde nach einem Generalplan von 1810 planmäßig erweitert. Den Namen erhielt das neue Quartier vom Kronprinzen, seit 1825 König Ludwig I. Der erste Teilpfad beginnt und endet im »Schwanthalerquartier«, das südlich der alten Landstraße nach Landsberg (Bayerstraße) im Zuge der Entfestigung Münchens seit Beginn des 19. Jahrhunderts angelegt wurde. Bis 1830 entstand hier eine Gartenvorstadt in offener Bauweise unter der geistigen Vorherrschaft Ludwig von Sckells; danach – und an der südlichen Bebauung der Schwanthalerstraße bereits gut erkennbar (s. Foto ![]() Der Bebauungsplan für das Theresienwiesenareal von 1882. Klicken Sie auf das Bild für eine vergrößerte Darstellung. Parallel zur Weiterentwicklung der Ludwigsvorstadt in dem Villenquartier um den Bavariaring bildete sich nach der Eröffnung des Südbahnhofs und des Schlacht- und Viehhofs in den 1870er Jahren ein Arbeiterquartier im heute so genannten Schlachthofviertel heraus. Auch in dem in der Südostecke des Stadtbezirks gelegenen Dreimühlenviertel siedelten sich Industriebetriebe an, die mit Elektrizität und Motoren die schon vorindustriell praktizierte Nutzung der Wasserkraft fortsetzten. Diesen Teilen des Stadtbezirks widmet sich schwerpunktmäßig der zweite Pfad. Im dritten Pfad schließlich werden die isarnahen Quartiere um Gärtnerplatz und Glockenbach erfasst. Das Gärtnerplatzviertel verdankt seine Entstehung auf dem ehemaligen Heiliggeist-Anger im Gegensatz zur staatlichen Planung der Ludwigsvorstadt privatem Unternehmergeist. Ästhetisch herrschte freilich auch hier das Ideal des geometrischen Städtebaus, wenn auch in geschlossener Bauweise, vor. Die bereits am frühesten besiedelten Teile des Stadtbezirks, der so genannte Pechwinkel und die Umgebung der Floßlände im heutigen Glockenbachviertel, wurden städtebaulich erst besonders spät erschlossen. In diesen Vierteln hat sich eine besonders rege Stadtteilkultur in Straßenfesten, Kunstaktionen und auch den vielen Galerien und kunsthandwerklichen Läden durchgesetzt, die in starkem Maße von der schwul-lesbischen Bewegung, die die Isarvorstadt zu ihrer Heimstatt gemacht hat, getragen wird. Der Prozess der »Inbesitznahme« des Stadtviertels wurde dabei vor allem von den Szenelokalen und ihren Wirten vorangetrieben, die mit Schwulendiscos, Lesbenbars oder Travestiebühnen attraktive Foren für die Szene boten und bieten. ![]() Travestiekünstler im »Old Mrs. Henderson«, 1993 (Foto: Volker Derlath) Zur Geschichte des Stadtbezirks im NationalsozialismusDie heute gelebte offene Homosexualität, die das Gärtnerplatzviertel demonstriert, ist freilich erst eine sehr junge Entwicklung: Noch bis 1969 galt die Strafbarkeit voll, danach eingeschränkt und erst 1994 wurde sie aufgehoben. In der NS-Zeit wurde die traditionell durch den § 175 des Strafgesetzbuchs statuierte Verfolgung der männlichen Homosexualität verschärft. Die aufgesetzte Empörung über Ernst Röhms Homosexualität im Zusammenhang mit seiner Verhaftung am 30. Juni 1934, der die Ermordung des Homosexuelle galten den Nationalsozialisten generell als Staatsfeinde und Verbrecher – vor allem gegen das Dogma der Vermehrung des deutschen Volkes. Während für sie aber noch Überlebenschancen bestanden, weil die Verfolger an die »Umerziehbarkeit« – gegebenenfalls auch durch Kastration – glaubten, ließ der radikale Antisemitismus des ![]() Das Handballteam des jüdischen Turn- und Sportvereins Bar-Kochba, um 1930. Der Bar-Kochba- Stammtisch traf sich montags in der Gaststätte Fraunhofer. Hier prägte sich kein »Schtetl«, aber doch ein jüdisches Gemeinschaftsleben aus, das sich vor allem im gewerblichen Bereich, in koscheren Lebensmittelgeschäften oder der stark vertretenen Textil- und Bekleidungsbranche, bemerkbar machte. Dazu kamen jüdische Vereine und Betstuben und die in der Ludwigsvorstadt gelegenen Einrichtungen eines jüdischen Krankenhauses (Hermann-Schmid-Straße), eines Altenheimes und eines Ritualbads (beides in der Mathildenstraße). Der nationalsozialistische Vernichtungsfeldzug sparte keine dieser Einrichtungen aus: Geschäfte wurden boykottiert, dann enteignet und »arisiert«, Vereins- und religiöses Leben wurden verboten bzw. auf Scheinexistenzen unter staatlicher Kontrolle reduziert. In Krankenhaus und Altenheim wurden die Verfolgten gettoisiert, um schließlich seit 1941 in die Todeslager deportiert zu werden. Der Charakter des Quartiers veränderte sich im Krieg: durch den Verlust der jüdischen Bevölkerung und Geschäfte, die Umstellung mehrerer Betriebe auf Rüstungsproduktion und die Beschäftigung ausländischer Zwangsarbeiter – etwa in der Maschinenfabrik Hurth oder in der Gasmaskenproduktion von Roeckl – und später durch die Luftangriffe. Die Planungen Hitlers für den Umbau Münchens, die den Stadtbezirk etwa mit dem Neubau einer Nord-Südachse zur (umgestalteten) Theresienwiese betroffen hätten, wurden indes nicht realisiert. Erst in der Nachkriegszeit und bis heute kam es zu großen Eingriffen in die Bausubstanz durch den Abriss alter Firmengebäude, die das Viertel geprägt hatten, wie Hurth und Zettler. ![]() Erläuterungen zu diesem Bild finden Sie im nächsten Absatz. Der Stadtbezirk
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