Demonstration gegen Bagida: 18.000 Münchner am Sendlinger Tor

Demonstration gegen Bagida am Sendlinger-Tor-Platz Galerie

Münchner setzen Zeichen gegen Bagida

(13.1.2015) Rund 18.000 Münchner setzten bei der Großdemonstration am Sendlinger Tor ein Zeichen gegen die Versammlung der Organisation Bagida, die wenige Meter entfernt etwa 1.500 Menschen anzog. Prominente Redner wie Oberbürgermeister Dieter Reiter und Künstler wie die Well-Brüder standen auf der Bühne. Aufgerufen hatte ein breites Bündnis diverser Organisationen und Verbände. Rund um das Sendlinger Tor kam es zu Verkehrseinschränkungen. Die Demonstration verlief weitgehend friedlich, allerdings musste die Polizei dennoch wenige Teilnehmer festnehmen.

Reiter: "Aufstehen gegen jede Form von Rassismus"

"Wir sind hier, weil wir das Feld nicht denen überlassen wollen, die versuchen, unsere Gesellschaft zu spalten", sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter in seiner Rede. "Wir stehen auf, gegen jede Form von Rassismus, Antisemitismus und rechter Gewalt." Sichtlich erfreut über die hohe Teilnehmerzahl bei der Gegendemonstration fügte er an: "Ich bin stolz, Oberbürgermeister von München zu sein. Nous sommes Charlie, mes amis." Am folgenden Tag lobte Reiter zudem noch einmal das Engagement der Teilnehmer nach Ende der offiziellen Demo: "Hut ab vor der Münchnern, die sich auch die Sonnenstraße entlang hingestellt haben und mit Lärm erreicht haben, dass sich die Gegendemonstranten nur schwer artikulieren konnten." Bedenklich sei jedoch die Anzahl der Bagida-Demonstranten, die der rechten Szene zuzurechnen sind. Marian Offman, Stadtrat und zudem im Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde München, fand auf der Bühne am Sendlinger-Tor-Platz ebenfalls lobende Worte für das bürgerliche Engagement: "Als jüdischer Münchner bin ich stolz auf dieses Zeichen." In Richtung Bagida sagte er: "Sie reden von der Islamisierung Europas, doch das ist Unsinn und Lüge."

Vorsitzender des Muslimrates Lamaj hält Rede

Großdemo am Sendlinger Tor gegen Bagida, Foto: muenchen.de/Mark Read

Auch der Vorsitzende des Muslimrates München Sokol Lamaj sprach auf der Bühne: „Wir leben in einem Land und einer Stadt, in der wir zurecht stolz sind auf ihre Vielfalt und auf eine bunte Republik. Es ist beeindruckend, wie sich unsere Gesellschaft gegen Pegida stellt und ein deutliches Zeichen gegen Fremden- und Islamfeindlichkeit setzt.“ Gleichzeitig verurteilte er die terroristischen Gewalttaten, die in der vergangenen Woche Frankreich erschütterten, scharf: „Miteinander sind wir entsetzt über das, was vermeintlich im Namen Gottes an unaussprechlichen Verbrechen begangen wird – wir als Muslime sind es nicht weniger, sondern mehr als andere, weil es allzu oft unsere Religion ist, die auf diese Weise fürchterlich missbraucht wird."

Im Großen und Ganzen friedlicher Demoverlauf

Nopegida-Demo am Stachus, Foto: muenchen.de

Rund 800 Polizisten waren bei den Veranstaltungen im Einsatz. Bereits um 18 Uhr wurde gemeldet, dass rund 18.000 Münchner am Sendlinger Tor versammelt waren. Etwa eine Stunde nach Beginn der Großdemo begann die Kundgebung der Organisation Bagida (Bayern gegen die Islamisierung des Abendlandes, ein Pegida-Ableger). Die rund 1.500 Teilnehmer an dieser Veranstaltung waren durch Absperrgitter und Polizeikräfte von der Großdemo getrennt.

Nach der Zusammenkunft am Sendlinger-Tor-Platz vor der Matthäuskirche, die aus Protest ihr Licht abgeschaltet hatte, zog die Bagida-Kundgebung die Sonnenstraße entlang zum Stachus, wo ihre Versammlung etwa gegen 20 Uhr endete. Laut Polizei kam es zu einigen wenigen Auseinandersetzungen und Festnahmen. Im Großen und Ganzen verliefen beide Demos jedoch friedlich.

Am Weißenburger Platz hatte zudem der inoffizielle Pegida-Ableger Mügida (München gegen die Islamisierung des Abendlandes) zu einer Kundgebung aufgerufen. Hier trafen rund 25 Mügida-Anhänger auf 150 Gegendemonstranten. Gegen 19:10 Uhr war die Versammlung dort beendet, laut Polizei kam es zu keinerlei Zwischenfällen.

Musikprogramm mit Well-Brüdern und "Allstar"-Chor

Großdemo am Sendlinger Tor gegen Bagida, Foto: muenchen.de/Mark Read

Bei der Großdemo der Bagida-Gegner bekannte Künstler wie die Well-Brüder (früher Biermösl Blosn), Keno von der Band Moop Mama sowie Dreiviertelblut auf der Bühne und boten ein musikalisches Rahmenprogramm. Am Schluss der einstündigen Großdemo trat ein Chor auf,  zu dem Peter Brugger, Sänger der Sportfreunde Stiller, Kabarettist Hannes Ringlstetter und Regisseur Marcus H. Rosenmüller gehörten. Unterstützt von Oberbürgermeister Reiter sangen sie das Lied "Weida mitanand''".

Besondere Brisanz nach Anschlägen auf "Charlie Hebdo"

Kerzen vor dem französischen Generalkonsulat in München für Gedenken an die Opfer des Anschlags auf Charlie Hebdo in Paris , Foto: Michael Hofmann

Besondere Brisanz erhielten beide Veranstaltungen, die von Bagida und die des Bündnisses, durch die Anschläge auf die Pariser Satirezeitung "Charlie Hebdo". Am vergangenen Mittwoch waren in Paris mehrere Redakteure der Zeitung, die mehrfach islamkritische Kariakturen abgedruckt hatten, von mutmaßlich islamistischen Kämpfern erschossen worden. Das Bündnis für Toleranz warnt deshalb vor einem möglichen Aufwind rechter und anti-islamischer Kräfte, die die Religion unter Generalverdacht stellen könnten: "Besonders jetzt ist die Unterscheidung zwischen islamistischen Terrorgruppen und dem Islam wichtiger denn je. Wir dürfen nicht zulassen, dass Rassisten und Ausländerfeinde eine solche Tat dazu missbrauchen, Stimmung gegen friedliche Bürgerinnen und Bürger islamischen Glaubens zu machen“, so das Bündnis. Gleichzeitig verurteile man aber auch scharf jede Form islamischer Gewalt. In München hatten nach dem Anschlag zahlreiche Bürger vor dem französischen Generalkonsulat ihre Trauer und Solidarität bekundet (Foto). Am Sonntag fand zudem eine Mahnwache für die Opfer der terroristischen Gewalt in Frankreich statt.

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