Ausflugsschiff "MS Utting" hat als Kulturbühne in München angelegt

Die MS Utting in der Totale, Foto: LHM / Michael Nagy
Die MS Utting ruht an exponierter Lage auf einer alten Eisenbahnbrücke und soll das Münchner Kulturleben bereichern.

OB Reiter und Kulturreferent Dr. Küppers beeindruckt von der "MS Utting"

(2.3.2017) Sendlings neuer Blickfang ruht auf einer stillgelegten Eisenbahnbrücke: Das ausrangierte Ausflugsschiff "MS Utting" vom Ammersee wurde aufwändig nach München transportiert und hier aufgebaut. Eine Woche nach der spektakulären Aktion, die man im Video und in unserer Bildergalerie nachverfolgen kann, hat auch Oberbürgermeister Dieter Reiter gemeinsam mit Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers die ungewöhnliche neue Kulturbühne in Augenschein genommen. Bereits ab dem 1.5.2017 soll der Betrieb starten.

Bilder: Die MS Utting hat in Sendling angedockt

Ehemaliges Ausflugsschiff soll Stadtentwicklung positiv beeinflussen

OB Dieter Reiter, Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers und Betreiber Daniel Hahn auf der MS Utting, Foto: LHM / Michael Nagy
Oberbürgermeister Dieter Reiter freut sich mit Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers (links) und Betreiber Daniel Hahn (rechts) über die ungewöhnliche neue Kulturbühne für München

Eine Woche nach der Ankunft der "MS Utting" in Sendling haben Oberbürgermeister Dieter Reiter und Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers das Schiff besichtigt. Der OB zeigte sich beeindruckt von der Dynamik des Projekts. "In Sendling greifen wir Impulse aus dem Viertel und aus den benachbarten Stadtbezirken ebenso auf wie Überlegungen mit stadtweiter Relevanz. Und wir lassen uns vom Mut der Kulturschaffenden gerne anstecken, die ihre Ideen mit großem Schwung umsetzen. Wer hätte beispielsweise gedacht, dass hier ein Schiff vor Anker geht und eine alte Eisenbahnbrücke zum neuen Kulturort wird?"

Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers betonte, wie positiv sich Kulturprojekte und Zwischennutzungen auf die Stadtentwicklung auswirken und lobte die Betreiber für ihren Mut: "Der Verein Wannda, ein junges Team rund um Daniel Hahn, ist immer für Vorhaben gut, die man zunächst nicht für möglich hält." Bereits mit dem Bahnwärter Thiel hätte das Team frische Ideen in die Isarvorstadt und das Kunstareal gebracht - die "MS Utting" soll nun der nächste unverwechselbare Spielort werden.

Viele Jahre lang fuhr die "MS Utting" Ausflügler über den Ammersee. Im Februar 2017 beendete das 37 Meter lange, siebeneinhalb Meter breite und 144 Tonnen schwere Schiff seinen Dienst und wurde durch ein neues Modell ersetzt. Statt auf den Schrottplatz ging es für die "MS Utting" allerdings auf nach München. Der Verein Wannda e.V., unter anderem Betreiber des Kulturprojekts Bahnwärter Thiel hat das Schiff erworben und gestaltet es jetzt zu einer Kulturbühne mit Gastronomie um. Die Eröffnung soll bereits am 1.5.2017 sein, wie der Betreiber Daniel Hahn im Gespräch mit muenchen.de sagte.

Im Re-Live mitverfolgen: Die MS Utting wird auf die Brücke gehoben

Was für ein Mammutprojekt! Mit schwerem Gerät wurde die MS Utting auf die alte Sendlinger Eisenbahnbrücke gehoben. Zahlreiche Schaulustige ließen sich das Spektakel nicht entgehen. Im Interview mit muenchen.de erzählt Betreiber Daniel Hahn, welche Schwierigkeiten es beim Transport des Ausflufsschiffs zu überwinden gab und wann der Kulturbetrieb starten soll...

144 Tonnen schweres Schiff wurde aufwändig nach München transportiert

Tonnenschwerer Kran hebt die MS Utting auf die Eisenbahnbrücke, Foto: muenchen.de / Mónica Garduño
Hier heben Kräne den Rumpf auf die Gleisbrücke über der Lagerhausstraße in Sendling

In einem aufwändigen Transport wurde das Schiff in der Nacht auf den 22.2.2017 vom Ammersee zur stillgelegten Gleisbrücke über der Lagerhausstraße in Sendling geschafft. An der Brudermühlbrücke gab es eine knifflige Kurve für den Schwertransporter.

Da er nicht nach links abbiegen konnte, musste der Transporter komplett über die Kreuzung fahren. Dort wurde die Zugmaschine von vorne nach hinten gehängt und so die Kurve in Millimeterarbeit passiert.

Am Zielort montierten Fachleute die MS Utting mithilfe tonnenschwerer Kräne auf die stillgelegte Brücke. Zuerst wurde der Rumpf des Schiffes auf die Brücke gehoben, dann wurde das Oberdeck darauf gesetzt. Den Rumpf auf die Brücke zu heben dauerte wegen starker Windböen länger als geplant. "Das Schiff hat ganz schön geschwankt in der Luft", sagte Initiator Daniel Hahn.

"Dieses Kunstprojekt soll mit der Realität brechen und den Betrachter bewegen, faszinieren und zum Staunen bringen und sich zum neuen Vorzeigeprojekt in München entwickeln", freuen sich die Betreiber.

Kurzfristig drohte das Projekt aus finanziellen Gründen zu scheitern - die statischen Berechnungen zur Brücke sowie Transport und Hub waren für die Betreiber nicht zu finanzieren. Doch zahlreiche Hilfsangebote von Unternehmen, die unter anderem den Transport übernehmen würden, haben das "Wunder" möglich gemacht.

Video der Polizei vom nächtlichen Schwertransport durch München

Große Unterstützung für das Projekt aus der Stadtpolitik

Tonnenschwerer Kran hebt die MS Utting auf die Eisenbahnbrücke, Foto: muenchen.de / Mónica Garduño
Das Oberdeck wird erst nach dem Rumpf auf die Brücke gehoben

Doch Unterstützung für das spektakuläre Vorhaben kam auch aus der Stadtpolitik - denn dort stieß das Konzept schnell auf Zustimmung. „Alle beteiligten Referate arbeiten unter Hochdruck, dass der Umzug und der zukünftige Betrieb klappen“, sagte Kommunalreferent Axel Markwardt im Vorfeld. Sämtliche Hürden wurden in gemeinsamer Anstrengung überwunden.

Auch Stadtbaurätin Professorin Dr. Elisabeth Merk kann der neuen Nutzung der „MS Utting“ nur Positives abgewinnen: „Der besondere Reiz bei diesem Projekt – ein Schiff über der Straße – ist, dass hier unsere Sehgewohnheiten in Frage gestellt werden. Das wünsche ich mir an vielen Stellen.“ Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers freut sich über einen einen neuen, außergewöhnlichen Veranstaltungsort in Sendling. „Wenn sich der Mut der Initiatoren auch auf das Kulturprogramm erstreckt, dürfen wie Vielversprechendes erwarten. Die Impulse, die vom Projekt ‘Bahnwärter Thiel‘ ausgehen, sind jedenfalls sehr bereichernd.“

muenchen.de/mit dpa

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