Terrorakt: Acht Tote in New York

Nach dem Terrorakt in New York: Die Polizei sichert den Tatort, Foto: picture alliance / Photoshot

Pick-up rast auf Gehweg

(1.11.2017) Schon wieder nutzt ein Attentäter ein Fahrzeug als Waffe: Mitten in New York überfährt ein Mann mehrere Menschen auf einem beliebten Fuß- und Fahrradweg. Acht Menschen sterben und elf werden verletzt, darunter eine Deutsche.

New Yorks Bürgermeister De Blasio spicht von einem "Terrorakt"

Mit einem Kleinlaster hat ein Terrorist im Herzen von New York mehrere Fußgänger und Fahrradfahrer überfahren und dabei mindestens acht Menschen getötet. Elf weitere wurden verletzt, darunter eine Deutsche. Das Auswärtige Amt in Berlin dementierte Angaben der New Yorker Feuerwehr, dass ein Deutscher unter den Toten sei. Neun Verletzte waren am Mittwoch nach Angaben der Behörden noch im Krankenhaus, drei konnten entlassen werden.

Der New Yorker Bürgermeister Bill de Blasio sprach von einem feigen "Terrorakt". Ein Polizist schoss den mutmaßlichen Angreifer nieder, der verletzt in ein Krankenhaus gebracht wurde. Der 28 Jahre alte Beamte Ryan Nash sei wegen einer anderen Angelegenheit nahe dem Tatort gewesen, hieß es bei einer Pressekonferenz. Nachdem ihm von dem Vorfall berichtet wurde, ging er raus, schoss neunmal, traf den Täter in den Bauch und nahm ihn fest. "Dutzende weitere Leben hätten in Gefahr sein können", sagte de Blasio. "Ryan hat diese Gefahr sofort gestoppt."

"Wir werden das, was gestern passiert ist, nie als etwas akzeptieren, dass in unserer Stadt unausweichlich ist", sagte Polizeichef James O'Neill bei einer Pressekonferenz. "Jetzt ist nicht die Zeit, in Angst zu leben, jetzt ist die Zeit für alle New Yorker, stark zu sein, wie wir es immer sind."

Der 29-jährige Angreifer handelte nach Polizeiangaben alleine. Er stammt Medienberichten zufolge aus der muslimisch geprägten Ex-Sowjetrepublik Usbekistan. Demnach lebte er seit 2010 legal in den Vereinigten Staaten, zuletzt im Bundesstaat New Jersey. Dort soll er kurz vor dem Attentat den Pick-up-Truck gemietet haben. Nach Angaben der Polizei hatte er den Anschlag lange im Voraus geplant. Es scheine so, als habe der Mann die "Anleitungen von ISIS fast auf den Punkt genau befolgt", sagte ein Sprecher.

Bundesregierung sagt den USA Unterstützung zu

Medien gaben den Namen des Verdächtigen mit Sayfullo S. an. Er habe zuletzt im Bundesstaat New Jersey nahe New York gelebt und für den Fahrdienstvermittler Uber gearbeitet. Das Unternehmen kündigte an, mit den Behörden zu kooperieren. Die autoritäre Führung von Usbekistan sagte den USA Unterstützung bei den Ermittlungen zu.

Als Reaktion auf die Terrorattacke will US-Präsident Donald Trump die "Green-Card-Lotterie" abschaffen. Er wolle stattdessen ein System, das auf den beruflichen Fähigkeiten der Bewerber basiere. "Wir müssen diesen Wahnsinn stoppen", schrieb Trump am Mittwoch bei Twitter. Die Verlosung verschafft jährlich bis zu 50.000 Ausländern aus aller Welt einen dauerhaften Aufenthaltsstatus mit Arbeitserlaubnis in den USA. Davon profitieren jedes Jahr auch viele Deutsche.

Papst Franziskus sprach den Angehörigen von Terroranschlägen in Somalia, Afghanistan und New York sein Beileid aus. Für die Bundesregierung sicherten Kanzlerin Angela Merkel Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) und Innenminister Thomas de Maizière (CDU) den USA ihre Unterstützung beim Kampf gegen den Terror zu.

Unter den Toten von New York waren nach Angaben der Behörden der jeweiligen Länder auch eine Belgierin sowie fünf Argentinier. Elf Menschen wurden verletzt - außer der Deutschen auch eine belgische Familie. Zwei Lehrer und zwei Schüler wurden verletzt, als der Pick-up-Truck vor einer High School mit ihrem Schulbus kollidierte. Die Identität der übrigen Opfer war zunächst nicht bekannt.

Gouverneur Cuomo: "Seien Sie New Yorker!"

Das Attentat ereignete sich im Südwesten Manhattans. Auf Höhe der West Houston Street raste der 29-Jährige mit einem gemieteten weißen Pick-up-Truck mehr als einen Kilometer weit auf einer Länge von etwa 20 Straßenblocks über einen beliebten Fußgänger- und Fahrradweg. Auf Höhe der Chambers Street kollidierte der Truck vor einer High School mit einem Schulbus und kam zum Stehen.

Der Fahrer stieg aus und rief nach Berichten "Allahu Akbar", arabisch für "Gott ist groß". Dann hielt er zwei Waffen hoch, die sich später als eine relativ ungefährliche Paintballpistole und ein Luftgewehr herausstellten. Daraufhin schoss ihm ein Polizist in den Bauch. Der 29-Jährige wurde festgenommen, in eine Klinik gebracht und operiert.

Gouverneur Cuomo sagte dem TV-Sender CBS, der Mann habe sich in den USA radikalisiert. "Nachdem er in die USA kam, hat er begonnen, sich über den IS und radikalislamische Taktiken zu informieren." Eine in der Nähe seines gemieteten Pick-up-Trucks gefundenen Notiz habe auch eine Referenz zur Terrormiliz IS enthalten, sagte Cuomo.

US-Präsident Trump machte den IS für die Tat verantwortlich. Er habe seine Regierung angewiesen, die Sicherheitsüberprüfungen zu verschärfen. Er macht sich seit Monaten für eine Verschärfung der US-Einwanderungspolitik stark und begründet dies damit, dass er die Terrorgefahr für die USA als sehr konkret einschätze. So wollte er ein Einreiseverbot für Menschen aus überwiegend muslimisch geprägten Ländern einführen, scheiterte damit aber vor Gerichten.

"Wir denken an die Menschen unserer großartigen Gastgeberstadt; heute sind wir alle im UN-Hauptquartier New Yorker", schrieb UN-Generalsekretär António Guterres bei Twitter. Er sei "geschockt und zutiefst traurig". New York sei als weltweites Symbol der Freiheit getroffen worden, sagte New Yorks Gouverneur Cuomo. "Seien Sie New Yorker! Leben Sie ihr Leben, lassen Sie ihr Leben nicht von anderen bestimmen."

(muenchen.de/dpa)

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