Verfahren zur Seligsprechung von Fritz Michael Gerlich und Romano Guardini

Frauenkirche bei Sonnenuntergang, Foto: Michael Eichhammer / Fotolia.com

Langes Verfahren: Guardini und Gerlich sollen Selige werden

(16.12.2017) Der Münchner Erzbischof und Kardinal Reinhard Marx eröffnet am heutigen Samstag um 17.30 Uhr in der Münchner Frauenkirche das Verfahren für die Seligsprechung des Publizisten Fritz Michael Gerlich und des Religionsphilosophen Romano Guardini.

Leben und Wirken von Gerlich und Guardini wird erforscht

Gerlich soll auf Initiative des Erzbistums München und Freising als Märtyrer seliggesprochen werden. Wegen seines religiös geprägten Widerstandes gegen die Nationalsozialisten war er 1934 im Konzentrationslager Dachau von den Nazis ermordet worden. Bei Guardini geht es um die Frage, ob ihm der "Heroische Tugendgrad" zuerkannt wird, der ein außerordentliches Leben nach Tugenden wie Glaube, Liebe oder Klugheit erfordert. Zudem muss auf seine Anrufung hin ein Wunder geschehen sein. Der Theologe gilt als Wegbereiter der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils.

Ein bischöflicher Beauftragter und ein Kirchenanwalt werden nun in den kommenden Jahren das Leben und Wirken von Gerlich und Guardini erforschen und Hinweise auf Gebetserhörungen oder gar Wunder sammeln. Das Erzbistum rief alle Gläubigen auf, entsprechende Informationen weiterzugeben. Danach prüft die vatikanische Kongregation für Selig- und Heiligsprechungsprozesse in Rom die vom Erzbistum gesammelten Erkenntnisse. Spricht der Papst Guardini und Gerlich tatsächlich selig, können sie verehrt und um Fürbitte bei Gott gebeten werden. Zuletzt wurden in den 1980er-Jahren drei Bistumsangehörige seliggesprochen, darunter der Jesuit Pater Rupert Mayer, der karitativ wirkte und Widerstand gegen den Nationalsozialismus leistete.

Fritz Gerlich

Fritz Gerlich (1883 - 1934) war eines der ersten Opfer des Nazi-Terrors. In seiner Zeitschrift "Der gerade Weg" bezog der konservative Publizist schon früh Stellung und kritisierte die Ansichten von Adolf Hitler und dessen Anhängern aufs Schärfste. Am 9. März 1933 stürmten die Nazis die Redaktion, verwüsteten alles und nahmen Gerlich gefangen. Gut 16 Monate blieb er in Haft und wurde schließlich in der Nacht vom 30. Juni auf den 1. Juli 1934 im Konzentrationslager Dachau erschossen.

Romano Guardini

Der gebürtige Italiener Romano Guardini (1885 - 1968) war einer der angesehensten katholischen Theologen des 20. Jahrhunderts in Deutschland. Der Priester und Professor für Religionsphilosophie und christliche Weltanschauung war prägend für die Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). Er ist einer der Mitbegründer der Katholischen Akademie in Bayern, die seit 1970 einen nach ihm benannten Preis vergibt. Er lehrte lange an der Ludwigs-Maximilians-Universität München.

(dpa / muenchen.de)

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