Tafeln wie der Kini: Was Hoflieferanten Weihnachten anbieten

Besondere Geschenkideen der königlichen Hoflieferanten

Wer an Weihnachten speisen möchte wie die einstigen Bayernkönige, kann auch heute noch bei echten Münchner Hoflieferanten einkaufen. Ob Geschirr, Delikatessen oder besonders gutes Brot – die ehemaligen Geschäftspartner der Wittelsbacher setzen auf Qualität.

 Zwei Bedingungen mussten erfüllt sein, wenn die bayerischen Könige und auch Prinzregent Luitpold Handwerkern und Kaufleuten den Ehrentitel „Königlich Bayerischer Hoflieferant“ verliehen: Die Produkte mussten den königlichen Geschmack treffen – und die Dienstleistungen den hohen Ansprüchen genügen. Diese frühe Form des Gütesiegels machte sich schon damals bezahlt: Als exklusiver Hoflieferant durfte man Krone und Wappen der Wittelsbacher im Firmenlogo tragen und regelmäßig die Mitglieder der königlichen Familie beliefern.

Fein und handbemalt: Nymphenburger Porzellan

Wenn es ums Essen ging, galt bei Hofe: Überfluss ist ein Muss. Ob Rebhuhn, Fasan, Pfau oder Perlhuhn – alles, was heute geschützt ist, lag zu Königs Zeiten auf Nymphenburger Porzellantellern. Seit 1754, als die königliche Manufaktur das erste Mal ein eigenes Service präsentierte, speisten bayerische Könige und Bürger mit Stil von dem feinen, handbemalten Tafelgeschirr. Es gab sogar ein eigenes, blau-weiß-golden dekorierte Service, das bis ins 20. Jahrhundert ausschließlich den Wittelsbachern vorbehalten war. Heute kann jeder – der es sich leisten kann – vom Königsservice speisen.

Edle Stoffe für den Tisch: Radspieler

Zum Geschirr passende Tischdecken und Servietten und feinste Stoffe für die Innenausstattung bekommt man auch heute noch beim Radspieler in der Hackenstraße. Der „königlich bayerische Hoflieferant für Raumausstattungen“ führt sein Geschäft seit über 170 Jahren im barocken Palais Rechberg. Ein Einkaufserlebnis der besonderen Art – mit wunderschönem Blick in den verwunschenen Garten im Innenhof.

Bayerische Schmankerl: Dallmayr

Das Traditionshaus Alois Dallmayr in der Dienerstraße ist für besondere Schmankerl die erste Adresse in der Stadt – und als Hoflieferant Rekordhalter: 15 Hoflieferantentitel hält Europas größtes Delikatessengeschäft bis heute. Betritt man den Genusstempel durch den nördlichen Eingang, steht man bereits in der Wein- und Spirituosenabteilung. Dort findet man immer eine gute Beratung, wenn es um die Aperitif-Auswahl und die passende Weinbegleitung für ein königliches Weihnachtsmenü geht. Vorbei an der berühmten Kaffeeabteilung mit den handbemalten Kaffeebohnenbehältern aus Nymphenburger Porzellan kommt man in die Markthalle.

Öko mit Tradition: Hofpfisterei

Die Hofpfisterei trägt ihren königlichen Kundenstamm sogar im Namen. Seit dem 13. Jahrhundert hatte die Hofpfisterei die Aufgabe, für den Hof Getreide zu mahlen und daraus Brot und Backwaren herzustellen. Ursprünglich nur für den Adel, später auch für die Bürger. Als Vorspeise für ein royales Weihnachtsessen passt ein frisches Holzofenbrot aus der Hofpfisterei zu allem. Zur Pasta vielleicht eher der Weizenlaib, zum Leberkäs eher das 1331 – aber herzhaft-lecker sind sie eigentlich alle.

Königlicher Herd: Wamsler

Danach gibt’s etwas Fleischiges als Hauptspeise: Rehgulasch aus der gut sortierten Fleischabteilung beim Dallmayr. Die Münchner waren zu Königs Zeiten große Fleischesser. Während der Jagdsaison kam auch ein Rehrücken oder ein feines Rehgulasch auf den Tisch. Rein technisch gesehen war das heute so gehypte Slow food damals völlig normal – man kannte es gar nicht anders. Ob Kalbsbraten, Geflügel oder Wild: Auf den mit Buchenholz angefeuerten Wamsler Herden simmerte und briet das Fleisch bei niedrigen Temperaturen oft stundenlang. Deshalb wurde auch der Münchner Kochherdfabrikant Friedrich Wamsler in den erlauchten Kreis der Hoflieferanten aufgenommen.

Würzig und Süß: Develey

Besonders aromatisch wurde der Braten, wenn man das Fleisch zuvor mit einer würzigen Senfmarinade von Develey eingerieben hatte. Dazu eignet sich auch heute der fein würzige Kräutersenf des Unternehmens, den man ebenfalls sehr gut zum Abschmecken von Salatsaucen verwenden kann. Übrigens: 1854 erfand Johann Conrad Develey den süßen Senf, ohne den die Münchner Weißwurst auch heute nicht auskommen würde.

Eine Torte für den Prinzen: Erbshäuser

Darf’s als Nachspeise etwas Süßes sein? Die bayrische Traditionstorte schlechthin ist die Prinzregententorte vom Hofzuckerbäcker Erbshäuser. Anlässlich des 65. Geburtstags des Prinzregenten Luitpold erfand der Münchner Konditormeister Heinrich Georg Erbshäuser im Jahr 1886 eine Torte mit acht dünnen Biskuitböden, gefüllt mit Schokoladenbuttercreme. Sie traf den Geschmack des Prinzregenten perfekt – und machte den Konditormeister zum Hoflieferanten.

Flüssiges Gold: Eilles

Zur Torte darf eine Tasse Tee von Eilles nicht fehlen. Seit 1873 befindet sich das Stammhaus der berühmten Tee- und Kaffeemarke in der Residenzstraße 13. Joseph Eilles überzeugte den König mit der hohen Qualität seiner Tee- und Kaffeespezialitäten.

Krönender Abschluss: Zechbauer

Den krönenden Abschluss kann eine edle Zigarre bilden. Zusammen mit Eilles hatte der Zigarren- und Tabakwarenfabrikanten Max Zechbauer, der ebenfalls in der Residenzstraße seinen Geschäften nachging, den kürzesten Weg aller Hoflieferanten zum Königshaus. Noch heute werden in dem stolzen Eckhaus Tabakwaren aus aller Welt verkauft.


Text: Dagmar Fritz
Fotos: Nymphenburg, Radspieler, Dallmayr, Hopfpfisterei, Wamsler, Devely, Erbshäuser, Eilles, Zechbauer

November 2017

 

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