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Mittagsgerichte in der Großmarkthalle, im Café ImmerSatt und in der Münchner Suppenküche, Foto: Photopraline

Ab in die Mittagspause – aber wohin?

Gemeinsam essen, gemeinsam Geschäfte machen: Sechs ungewöhnliche Empfehlungen für die Mittagspause mit Kollegen oder Business-Partnern.

Max2

Max2 von innen, Foto: Lionman

Es gibt auf Münchens Prachtboulevard kaum eine schönere Speiseterrasse als die vor dem Museum Fünf Kontinente mit Blick auf das prachtvolle Gebäude der Regierung von Oberbayern. Hier bewirtet Stefan Lehming mit seiner Mannschaft vom Café Max2 im Sommer seine Gäste. Und drinnen, im Museum, ganzjährig. Das Max2 ist dabei viel mehr nur ein Museumscafé: Seit Jahren schon gibt’s hier mittags zwei täglich wechselnde Business-Menüs mit Suppe, Hauptgang und Dessert. In der Pasta-Variante (zum Beispiel Pasta mit Chorizo und Rucola) kostet das Essen für Eilige 10 Euro, mit einem klassischen Hauptgang (zum Beispiel argentinische Rinderfiletmedaillons mit Gemüse und Gratin) 21 Euro. Nur Montags bleibt die Küche kalt: Da ist das Museum geschlossen. 

Münchner Suppenküche

Münchner Suppenküche, Foto: Photopraline

Perfekter Ort für einen etwas unkonventionellen Business-Lunch, extrem beliebt bei allen Nicht-Münchnern. Und so läuft’s: Man verabredet sich am Maibaum, läuft rüber zum Suppenküchen-Stand, steht ein paar Minuten Schlange, bestellt Kokos-Karotte-Ingwer-Suppe, saures Lüngerl oder Kartoffelsuppe mit Wiener, nimmt dazu unbedingt noch zwei Scheiben knuspriges Bauernbrot und, wenn möglich, zwei Weißbier. Und dann? Genießt die leckre Suppn. Es wird übrigens draußen gegessen, auch im Winter. Und zwar da, wo grad Platz ist. Meistens speist man mit anderen Gästen an einem Tisch – und da wird’s dann richtig kosmopolitisch. Weil in der Suppenküche wirklich die ganze Welt zu Gast ist.

Gaststätte Großmarkthalle

Weißwurstfrühstück in der Gaststätte Großmarkthalle, Foto: Photopraline

Etliche Münchner sagen: In der Gaststätte Großmarkthalle gibt’s die beste Weißwurst der Stadt. Wir finden: Das stimmt. Und das Allerbeste: Bei der heiligen Regel mit dem Zwölf-Uhr-Läuten werden in der Großmarkthalle durchaus schon mal Ausnahmen gemacht. Die Wirtsleute, das Ehepaar Wallner, produzieren die Weißwürste noch selbst. Was eine Seltenheit ist. Aber das passt prima zur unaufgeregten und originären Art dieser 2008 renovierten Gaststätte. Bayerischer und traditioneller kann man kaum essen. Auch mittags. Und wer keine Weißwürste mag: Auch der Schweinsbraten ist absolut empfehlenswert. Ohnehin ist es ein gutes Zeichen, dass bis heute die Arbeiter der Großmarkthalle zum Essen kommen.

Blaues Haus

Im ehemaligen Werkraumgebäude der Kammerspiele befindet sich ein Restaurant mit viel Theateratmosphäre – und einer Mittagskarte, von der manche sagen, sie sei, was das Preis-Leistungs-Verhältnis betrifft, die beste der Stadt. Für 8,50 beziehungsweise 9,50 Euro gibt es zwei täglich wechselnde Menüs. Zur Auswahl stehen meistens zwei verschiedene Vorspeisen wie etwa Olivenmousse mit Tabulé, dazu wirklich köstliche Hauptspeisen wie Penne mit Kalbsragout und Pfifferlingen. Das alles serviert von flinkem und freundlichem Personal, mit dem immer mal wieder interessante Gespräche entstehen. Übrigens: Eigentlich heißt das "Blaue Haus" ganz anders, nämlich Conviva. Warum? Das Restaurant ist ein integratives Gastronomieprojekt der Cooperativen Beschützenden Arbeitsstätten e.V.

Café ImmerSatt

Lunch im Café ImmerSatt, Foto: Photopraline

Manchmal sind es ja eher die Kleinigkeiten, die Freude machen und auffallen. Begriffe wie "Mittagsvergnügen" statt Business-Lunch. All die Geschäftsleute, Angestellten und Selbstständige kommen trotzdem hierher. Oder gerade deshalb. Weil es hier, mitten im Lehel, mittags eben zwei vergnügliche Gänge gibt. Vorweg zum Beispiel Salat mit Blauschimmelkäse und Birne – und dann ein wirklich delikates Zitrushuhn. Das Niveau der Speisen ist erstaunlich, hat aber einen simplen Grund: Das ImmerSatt ist ein Zögling des benachbarten Le Cuisiniers, einem feinen französischen Restaurant.

Mural

Mural, Foto: Photopraline

Ein neues Lokal mitten in der Stadt, ganz in der Nähe von Marienplatz und Sendlinger Straße: Das Mural ist Teil von Deutschlands erstem Museum für Urban Art. Im ehemaligen Umspannwerk der Stadtwerke werden auf 2000 Quadratmetern zeitgenössische Werke gezeigt, man kann aber auch einfach nur etwas essen. Von Mittwoch bis Samstag serviert das ambitionierte Team um Koch Moritz Meyn, der in München zuvor im "Isses" und im "Kopper" seine Fans hatte, ideenreiche Speisen mit südamerikanischen und asiatischen Schwerpunkten. Zum Beispiel eine liebevoll zubereitete Lachs-Ceviche. Lässiger und moderner als im Mural kann man mittags in München kaum essen.


Text: Stefan Ruzas
Fotos: Photopraline

September 2017

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