Münchner Bierkultur

Männer stoßen im Biergarten an, Foto: muenchen.de / Falk Heller

München ist die Stadt des Bieres, der Brauereien, der Biergärten und Bierfeste. Die hohe Kunst des Bierbrauens hat hier eine lange Tradition.

Geschichte des Bierbrauens

Schon bei den ältesten Kulturen aller Erdteile findet sich die Technik des Bierbrauens - erste schriftliche Zeugnisse dafür gibt es bereits um 3000 v. Chr. bei den Sumerern. Im süddeutschen Raum breitete sich der Hopfenanbau zur Bierherstellung allerdings erst im Mittelalter verstärkt aus - zuvor wurde in Bayern vor allem Wein angebaut. Im Mittelalter führten zunächst Klosterbrauereien einen geregelten Braubetrieb. Die älteste noch existierende Brauerei in München - Augustiner - geht auf ein solches Kloster zurück (Brauerei seit 1328). Ab dem 13./14. Jahrhundert schlossen sich dann auch kleinere handwerkliche Brauereien zu Zünften zusammen.

Das Reinheitsgebot

Verschiedene Quellen aus dem Mittelalter berichten von zum Teil recht abenteuerlichen Zutaten im Prozess der Bierherstellung.

Starkbiermaßkrüge, Foto: Shutterstock

Experimentiert wurde von den jeweiligen Bierbrauern unter anderem mit Kohlestaub, um das Bier dunkler zu färben, mit Kreide, um zu saures Bier genießbar zu machen oder mit Kräutern, Wurzeln und Gewürzen wie Eichenrinde oder Rosmarin. Sogar von der Zugabe von Fliegenpilzen zur "Verfeinerung" des Gebräus wird an einer Stelle berichtet.

Um den Ausschank solcher gepanschten Biere zu verhindern, erließ der bayerischen Herzog Wilhelm IV. am 23. April 1516 das berühmte bayerische Reinheitsgebot, das die erlaubten Inhaltsstoffe des Bieres vorschreibt. Ins Bier gehören demnach nur Hopfen, Malz (Gerste) und Wasser. Dieser Erlass war zwar nicht das erste Gesetz seiner Art, gilt aber als eine der ersten landesweiten lebensmittelrechtlichen Regelungen überhaupt.

Nach diesen Vorgaben wird das Bier noch bis heute gebraut. 1906 wurde das Reinheitsgebot mit dem deutschen Biersteuergesetz in nationales Recht übernommen. Heute sind die Zusatzstoffe des Bieres sogar im EU-Recht geregelt, wo das Bier als "traditionelles Lebensmittel" geschützt ist.

Münchens Biergartenkultur

, Foto: München Tourismus

Was wäre München ohne seine Biergärten? Das ist ebenso schwer vorzustellen, wie Hamburg ohne den Fischmarkt oder Berlin ohne die Currywurst. In gemütlicher Runde bei einer Maß Bier und einer leckeren Brotzeit beisammen zu sitzen, hat in der Landeshauptstadt eine lange Tradition.

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Oktoberfestbier - ein ganz besonderes Bier

In den vergangenen Jahren rannen im Durchschnitt etwa 6 Millionen Maß die durstigen Kehlen der Oktoberfestbesucher hinab. Das untergärige, helle Festbier wird von den Brauereien speziell zur Wiesn gebraut und weist eine höhere Stammwürze und dadurch mit etwa 6 % einen höheren Alkoholgehalt als herkömmliches helles Bier auf... Mehr Infos zum Oktoberfestbier

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Öko-Bier

Das Reinheitsgebot ist bekannt, aber was macht zusätzlich dann ein richtiges Öko-Bier aus? Naturbelassener Biergenuss fängt mit dem ökologisch verträglichen Anbau der Zutaten Hopfen und Gerste an, wobei auf Kunstdünger und chemische Pflanzenschutzmittel verzichtet wird. Dass naturbelassenes Bier nur in Mehrwegflaschen und nicht in Dosen oder gar Plastikflaschen abgefüllt wird, ist eine Selbstverständlichkeit.

Durch das naturbelassene Brauverfahren ist Öko-Bier nicht so lange haltbar wie gewöhnliches Bier. Allerdings ist das "flüssige Brot" als Lebensmittel ja auch eher zum Trinken und weniger zum Lagern gedacht. Ökologische Biere sind in München in vielen Bioläden erhältlich.

Wer hausgebrautes Öko-Bier probieren möchte, könnte sich beispielsweise im gut sortierten Bioladen einen Träger Lammsbräu besorgen. Die in Neumarkt in der Oberpfalz ansässige Brauerei produziert ihre gesamtes Bier-Sortiment ausschließlich mit reinen, naturbelassenen Rohstoffen, die direkt vom Bio-Landwirt stammen. Eine besondere Spezialität ist das Dinkelbier von Lammsbräu, das als Urform des Weizens gilt und das allgemeine Wohlbefinden fördern soll.

Starkbierzeit und Tradition der Starkbierfeste

Fastenzeit ist Starkbierzeit in München: Nach dem Ende der Faschingszeit beginnt in Bayern die Zeit des Starkbieres, die anno dazumal die Fastenzeit erträglicher machen sollte. Deshalb musste ein Bier her, das stärker war als alle anderen, stark und kalorienreich genug, um die Zeit der Enthaltsamkeit überbrücken zu können. Traditionell werden die Honoratioren beim Anstich des ersten Fasses "derbleckt" (auf die Schippe genommen). Wo in München das Starkbier ausgeschenkt wird, welche Geschichte dahinter steckt und was man noch über das süffige Bier mit Namen wie Maximator, Triumphator und Salvator wissen muss: Alles zum Starkbier im Special.

Schon bald nach der Starkbierzeit kommt die Maibock-Saison, mit der man standesgemäß den Frühling begrüßen kann.  

Weitere Events rund ums Bier

Anlässlich des Reinheitsgebotes von 1516 feiert ganz Bayern am 23.4. jedes Jahres den Tag des Bieres. In München wird 2017 ein Tag später, am 24.4. ab 11 Uhr, beim Bierbrunnen vor dem Brauerhaus Bier ausgeschenkt und auf das Reinheitsgebot angestoßen.

Alle zwei Jahre (das nächste Mal im 2018) gastiert der Brauertag auf dem Viktualienmarkt: Dann gibt es Freibier, Jungbrauer und Braumädel werden vom Oberbürgermeister freigesprochen und einen Auftritt des Münchner Kindls und von Goaßlschnoizern. Organisiert wird die Veranstaltung vom Verein Münchener Brauereien e.V., der diese Tradition aufrecht erhält.

Einmal im Jahr findet das "Braukunst-Live! Festival" in München statt, bei dem die Besucher Kostproben verschiedenster Biersorten erhalten einen Eindruck von der enormen Vielfalt der heimischen und nationalen Biere bekommen.

Die Festivität, die am meisten mit Münchner Bier assoziiert wirds, ist das Münchner Oktoberfest, das jedes Jahr ab Mitte September für zwei Wochen die Theresienwiese in das größte Volksfest der Welt verwandelt.

Bayerische Bierkönigin

, Foto: Bayerischer Braubund e.V.

Jedes Jahr wird in München eine neue Bayerische Bierkönigin gewählt. Der ausrichtende Bayerische Brauerbund e.V. lädt nach einigen Vorauswahlrunden meist zu einem finalen Galaabend. Hier dürfen sich die Kandidatinnen ein letztes Mal präsentieren, ehe die Entscheidung fällt. Die Wahl zur Bayerischen Bierkönigin wird durch das Ergebnis eines Online-Votings, einer Jurystimme und durch das Publikum am Galaabend zu je einem Drittel Gewichtung entschieden. Die frischgebackene Bierkönigin darf dann ein Jahr lang gemeinsam mit dem Bayerischen Brauerbund "Bayerisches Bier" präsentieren und für den Gerstensaft werben.

Biere in München

Die handwerklichen Brauereien wurden im 19. Jahrhundert mehr und mehr durch große Industriebetriebe abgelöst. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es noch ca. 25 verschiedene Brauereien in und um München. Seit dieser Zeit hat ihre Zahl jedoch stark abgenommen. Heute gibt es in München vor allem sieben berühmte Biermarken: Augustiner, Hofbräu, Paulaner, Hacker-Pschorr, Löwenbräu, Spaten, Franziskaner. Insgesamt brauen diese sieben zusammen rund 6,0 Millionen Hektoliter Bier pro Jahr.

Bier- und Oktoberfestmuseum

Freunde des Gerstensaftes können in der Sterneckerstraße 2 im Tal, dort wo einst das Brauerviertel der Stadt lag, die Geschichte des Bieres und des Oktoberfestes im Bier- und Oktoberfestmuseum verfolgen. Nicht nur Erinnerungsstücke von den einst mächtigen Bierbaronen, wertvolle Bierkrüge oder technische Errungenschaften der Bierbraukunst sind zu sehen, sondern der Besucher erfährt auch allerlei Wissenswertes rund um das Grundnahrungsmittel Nummer 1 der Münchner. Zum Beispiel woher die Maß kommt und wie der Bierdeckel unter den Krug kam; dabei geht es natürlich nicht immer ganz bierernst zu.

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