Münchens Biergartenkultur

Biergarten am Seehaus im englischen Garten., Foto: muenchen.de/Falk Heller

Was wäre München ohne seine Biergärten? In gemütlicher Runde bei einer Maß Bier und einer leckeren Brotzeit beisammen zu sitzen, hat hier eine lange Tradition. Wissenswertes zur Geschichte, zur Brezn, zum Obatzdn und die passende Checkliste.

Wo geht's zum nächsten Biergarten?

Biergärten von A bis Z

mehr Infos Wer noch nicht weiß, wohin der nächste Biergartenbesuch führt:
hier sind Münchens Biergärten in der großen Übersicht

 

Bilder: Biergärten vom Geheimtipp bis zum Klassiker

Über 200 Jahre Biergarten-Geschichte

Bereits im 16. Jahrhundert sahen sich Münchens Bierbrauer wegen der schlechten Kühlmöglichkeiten der Fässer mit einem großen Problem konfrontiert, schließlich wollte man den Kunden kein ranziges Bier verkaufen. Um Beschwerden aus dem Weg zu räumen, wurden die Fässer unter der Erde in eigens dafür angelegten Kellern gelagert. Zusätzlich sorgten große, Schatten spendende Kastanien oberhalb der Bierkeller dafür, dass das bayerische Volksgetränk ausreichend gekühlt wurde.

Biergarten am Seehaus im englischen Garten., Foto: muenchen.de/Falk Heller

Schnell wurden Ausflügler aufmerksam auf die lauschigen Plätze und so begannen die Brauer mit der Zeit, ihr Bier auch an Privatpersonen - statt, wie bis dahin üblich, fässerweise nur an Wirte - zu verkaufen, und zwar im Brauereigarten unter den schattigen Kastanien. Anfangs nur geduldet, wurden diese wild entstandenen Biergärten am 4. Januar 1812 schließlich von König Max I. Joseph legalisiert – und sind somit seit über 200 Jahren ein wahrer Publikumsmagnet für gemütliche Zeitgenossen aus aller Welt.

Biergarten-Checkliste

Ein Biergarten ist unter anderem dadurch definiert, dass das Mitbringen von Brotzeiten ausdrücklich erlaubt ist (Bayrische Biergartenverordnung). Natürlich gibt es aber vor Ort auch ein breites Brozeitangebot zu kaufen.

Unsere Checkliste für die typische Biergarten-Brotzeit:

  • Leberkäs, Wurstsalat, Schwarzgeräuchertes
  • Obazda, Allgäuer Emmentaler, Romadur oder Limburger
  • Butter, Griebenschmalz
  • Salz, Pfeffer, Senf
  • Schwarzbrot, Brezen
  • Rettich (Radi)
  • vorbereitete Salate (Kartoffelsalat, Wurstsalat etc.)
  • Für Tabakliebhaber: Schmei (Schnupftabak)
  • Holzbrettchen, Besteck und Servietten
  • Tischdecke - damit entdecken ihre Freunde im vollen Biergarten auch einfacher wo Sie sitzen
  • Sitzkissen - wenn's besonders gemütlich werden soll

 

Gesprächsstoff: Die Geschichte der Brezn

Breze, Foto: Irene Lehmann/shutterstock.com

Wer noch Gesprächsstoff braucht, kann in Biergartenrunden immer mit vermeintlichem Insiderwissen trumpfen. So genau weiß man zwar nicht, wer die Brezn erfunden hat, aber Geschichten darüber gibt's viele. So zum Beispiel auch die Geschichte vom Uracher Hofbäcker Frieder. Er hatte so schlechtes Brot hergestellt, dass ihm gar die Hinrichtung drohte. Seinen Kopf könne er nur aus der Schlinge ziehen, wenn er ein Brot erfindet, "durch das dreimal die Sonne scheint". Der Mann überlebte und mit ihm die Brezn.

Keine Zweifel besteht über die Ableitung des Namens. "Brezel" entwickelte sich (an zwei verschlungene Arme erinnernd) aus dem lateinischen "Bracchium" für "Arm".

Rezept für Obatzda

Brotzeitbrettl, Foto: HLPhoto/shutterstock.com

Obatzda (oder auch Obatzter, 'Angedrückter', 'Vermischter') ist eine pikante Creme aus zerdrücktem Käse, Butter, Zwiebeln und Gewürzen. In den meisten Biergärten gibt's Obatzdn auch schon fertig.

Da die Landesvereinigung der bayerischen Milchwirtschaft den Obatzdn als geografisch geschütztes Produkt eintragen hat, gibt es inzwischen strenge Auflagen, was in der Gastronomie unter dieser Bezeichnung geführt werden darf: Unter anderem müssen mindestens 40 Prozent Camembert oder Brie enthalten sein. Dies wird in Kontrollen der Landesanstalt für Landwirtschaft geprüft.

Wir haben einen Rezeptvorschlag für Euch:

Zutaten: 250 g reifer Camembert, 1 EL Butter, 1 sehr fein gehackte Zwiebel Salz, Pfeffer, Paprika (rosenscharf), Kümmel, 4 EL Weißbier

Zubereitung: Camembert mit einer Gabel zerdrücken und mit der leicht schaumig gerührten Butter und Zwiebel vermischen. Mit Salz, Pfeffer, Rosenpaprika und Kümmel würzen, Bier zugeben und das Ganze zu einer Creme verrühren. Etwa 1 Stunde durchziehen lassen.

Tipps: Durch die Zugabe von ca. 100 g Quark oder Rahmfrischkäse wird die Creme milder und leichter, kräftigere Varianten ergeben sich mit Limburger oder Romadur. Obatzda sollte am Tag der Zubereitung gegessen werden, da die Zwiebeln sonst einen bitteren Geschmack entwickeln. Werden sie vorher angedünstet, hält er sich etwas länger und schmeckt milder.

Serviert wird die Creme mit Schnittlauch, Radieschen oder Radispiralen auf in Scheiben geschnittenem Roggenbrot. An Guadn!

Das könnte Sie auch interessieren

Top