Immer mehr Münchnerinnen und Münchner steigen für ihre Fahrten zur Arbeit, zum Einkaufen oder ins Freizeitvergnügen aufs Fahrrad. Lag der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen in der Isar-Metropole 2002 noch bei zehn Prozent, sind es inzwischen rund 17 Prozent – Tendenz steigend.
Eine Entwicklung, die für Bürgermeister Hep Monatzeder gleich mehrere Ursachen hat: „Bei einer Distanz von bis zu fünf Kilometern ist man mit dem Rad oft schneller am Ziel als mit dem Auto. Immerhin sind rund 60 Prozent der in München zurückgelegten Wege weniger als fünf Kilometer lang. Außerdem ist das Fahrrad in der Stadt ein flexibles, kostengünstiges, leises, platzsparendes und überaus umweltfreundliches Verkehrsmittel“, konstatiert Monatzeder.
Damit Radeln in München noch praktischer und sicherer wird, wird die Infrastruktur für den Radverkehr kontinuierlich ausgebaut und verbessert. So wurden zur besseren Erschließung für den Radverkehr bereits über 270 der rund 700 Einbahnstraßen im Münchner Stadtgebiet für den gegenläufigen Radverkehr geöffnet. Die Öffnung 15 weiterer Einbahnstraßen in der Altstadt wird derzeit geprüft. Insgesamt sollen laut „Grundsatzbeschluss zur Förderung des Radverkehrs“ – das vom Stadtrat beschlossene, für den Zeitraum 2009 bis 2015 greifende Maßnahmenpaket wird Stück für Stück umgesetzt – bis zum Jahr 2015 insgesamt 300 Einbahnstraßen für den gegenläufigen Radverkehr geöffnet sein. Auch die Anzahl von Fahrradstraßen soll weiter steigen. Derzeit gibt es in der Landeshauptstadt bereits 18 solcher Straßen, auf denen die Radler Vorrang haben.
Um den Radverkehr im Sicht- und Blickfeld der Autofahrer zu führen, wurde in 27 Straßen die Benutzungspflicht für die dortigen Radwege aufgehoben. In diesen Fällen darf auch auf der Straße in die Pedale getreten werden. In 14 Straßen steht die Aufhebung der Benutzungspflicht kurz bevor. 27 weitere Straßen sind derzeit hinsichtlich einer solchen Regelung in Prüfung. Darüber hinaus wurden in diesem Jahr an zahlreichen Stellen im Stadtgebiet neue Radfahrstreifen und Schutzstreifen angelegt oder die Verkehrsführung zugunsten von Radlern optimiert. Die Länge des Münchner Radlnetzes beläuft sich damit mittlerweile auf über 1.200 Kilometer. Das ist mehr als die Hälfte der Länge des gesamten Münchner Straßennetzes. Für das ommende Jahr sind knapp 20 weitere Baumaßnahmen zur Verbesserung und Erweiterung des Radlnetzes bereits geplant. Zu den größeren, erst kürzlich vom Stadtrat beschlossenen Projekten zählt die künftige Markierungsmaßnahme in der Kapuzinerstraße. Dort soll bis 2013 an beiden Seiten ein Schutz bzw. Radfahrstreifen angelegt werden.
Die Zahl der Stellplätze für Fahrräder im Stadtgebiet steigt weiter an. Derzeit gibt es an U- und S-Bahnstationen sowie an Tram- und Bushaltestellen über 25.500 Bike & Ride-Abstellplätze. Hinzu kommen knapp 2.500 Fahrradstellplätze in den Stadtteilzentren. Allein im vergangenen Jahr wurden an 30 Standorten 1.700 neue Stellplätze geschaffen. Damit wurden in den letzten zehn Jahren an nahezu 200 Standorten mehr als 6.270 städtische Fahrradständer aufgestellt. Und weitere Stellplätze sind bereits geplant: An der Friedenheimer Brücke soll es eine Bike & Ride-Abstellanlage mit 410 Stellplätzen geben, am Pasinger Bahnhof eine Garage für rund 1.000 Fahrräder.
Bis 2014 läuft die im vergangenen Jahr gestartete Kampagne „Radlhauptstadt München“. Im Rahmen dieser Marke sind auch für 2012 zahlreiche Aktionen geplant. Ziele sind die Steigerung des Radverkehrsanteils am gesamten Verkehrsaufkommen sowie die Erhöhung der Sicherheit für Radlerinnen und Radler im Straßenverkehr. Darüber hinaus will die Kampagne nach der Devise „entspannt mobil“ für mehr gegenseitige Rücksichtnahme aller Beteiligten im Verkehr werben.
Erneut angeboten werden im kommenden Jahr Radl-Sicherheitschecks. Dabei können Bürgerinnen und Bürger ihr Fahrrad kostenlos auf seine Verkehrssicherheit hin überprüfen lassen. Kleinere Mängel an Bremsen, Licht und Klingel werden direkt vor Ort behoben. Neu sind spezielle Winter-Checks. Dabei erfährt man, worauf man beim Zustand des eigenen Bikes in der kalten Jahreszeit besonders achten sollte und erhält Tipps zu wintertauglicher Ausrüstung.
An junge Münchner richtet sich die Schultournee „Check dein Radl“. Im theoretischen Teil dreht sich dabei alles ums Thema Verkehrssicherheit beim Radfahren. Im praktischen Teil können Schülerinnen und Schüler unter anderem in der „Radlwerkstatt“ gemeinsam mit erfahrenen Fahrradmechanikern ihre Räder reparieren und dabei lernen, wie man kleine Mängel selbst behebt und was ein verkehrssicheres Fahrrad ausmacht.
Damit neu Zugezogene die besten Routen durch die Stadt und ihr Viertel besser kennenlernen, sollen außerdem für Neubürger spezielle Fahrradtouren angeboten werden. Dabei erfahren die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch etwas zu den Themenbereichen Fahrzeugsicherheit sowie entspanntes und sicheres Verhalten im Straßenverkehr.
Weitere Aktionen, die 2012 durchgeführt werden, sind ein Radlflohmarkt und eine Radl & Fashion-Show in Kooperation mit der Deutschen Meisterschule für Mode in München. Zudem wird es im kommenden Jahr zum dritten Mal eine Radlnacht geben. Zur letzten Radlnacht im Mai dieses Jahres waren mehrere tausend Besucher gekommen, um gemeinsam im Corso auf der an diesem Abend für Autos gesperrten Strecke durch die Innenstadt zu radeln.
Weitere Informationen zur Kampagne gibt es unter www.radlhauptstadt.de. Unter der Rubrik „Events“ sind außerdem jeweils einige Tage vor Veranstaltungsbeginn die einzelnen Aktionen, die im Rahmen der Kampagne stattfinden, aufgeführt.