Pressemitteilung vom 06.02.2012

(6.2.2012) Die zahlreichen internationalen Gäste anlässlich der Münchner
Sicherheitskonferenz begrüßte Oberbürgermeister Christian Ude am Freitagabend
im Tagungshotel „Bayerischer Hof“:
„Wie schon im gesamten vergangenen Jahrzehnt darf ich Sie auch heute
begrüßen und willkommen heißen im Namen der Stadt München, die auch
einen Empfang zu Ihren Ehren ausrichtet. Die Einladung soll unterstreichen,
dass wir uns der Ehre bewusst sind, so viele Repräsentanten von
Staaten verschiedener Erdteile bei uns zu haben und auf diese Weise zumindest
einige Tage lang ein wichtiger Ort der internationalen Politik zu
sein. Und natürlich soll die Einladung unterstreichen, dass Sie in dieser
Stadt willkommen sind.
Wenn die verschiedenen, oft gegensätzlichen Parteien internationaler Konflikte
zusammenkommen, versteht es sich von selbst, dass niemand mit
allen hier vertretenen Positionen einverstanden sein kann. Es ist ja gerade
der Sinn der Konferenz, sich über Gegensätze auszutauschen. Aber den
Austausch gegensätzlicher Meinungen im friedlichen Gespräch kann man
vorbehaltlos begrüßen – und dies tut die überwältigende Mehrheit der
Münchner Bevölkerung.
Auf dem Weg zu diesem Hotel haben Sie aber wahrscheinlich festgestellt,
dass es auch Gegner dieser Konferenz gibt, die aus Protest auf die Straße
gehen. Solchen Protest zuzulassen, so lange er friedlich und gewaltlos ist,
gehört zu den Vorzügen der Demokratie, die gerade diese Konferenz auch
den Diktaturen auf diesem Globus nahe bringen will. Deshalb werden Sie
Verständnis dafür haben, dass dieser Protest stattfinden kann.
Die Akzeptanz der Sicherheitskonferenz auch bei kritischen Bürgern hat
allerdings in den letzten Jahren laufend zugenommen. Sie war am geringsten,
als hier Argumente für den Irak-Krieg zusammengetragen wurden,
die nachher auch eindeutig widerlegt werden konnten – damals habe auch
ich zu den Demonstranten gehört. Und sie ist stetig gewachsen, seitdem
hier immer weniger Repräsentanten der Rüstungsindustrie und immer
mehr Repräsentanten humanitärer Organisationen in Erscheinung traten.
Ich möchte Herrn Botschafter Ischinger zu dieser Entwicklung ausdrücklich
gratulieren.
Manche von Ihnen fragen sich: Was hat ein Bürgermeister auf dieser Tagung
verloren? Sollten hier nicht Verteidigungs- und Außenminister unter
sich bleiben? In aller Unbescheidenheit, die uns Bürgermeister gelegentlich
auszeichnet, darf ich in Erinnerung rufen,
- dass militärische Konflikte in den Städten die größten Opfer und die
schlimmsten Schäden verursachen;
- dass es häufig die Städte waren, die über die Grenzen hinweg Freundschaften
geschlossen und Zusammenarbeit begonnen haben, bevor
sich die Staaten miteinander versöhnen konnten;
- und schließlich: dass heute die Städte weltweit eine Entwicklungszusammenarbeit
leisten, die fraglos eine wachsende Bedeutung bekommt.
Schon jetzt lebt die Mehrheit der Menschheit in städtischen
Räumen, bald wird es eine Dreiviertel-Mehrheit sein.
Die Fähigkeit der Städte, gleichsam als Zukunftswerkstatt der Menschheit
Beispiele des friedlichen Zusammenlebens zu liefern und sozialen Ausgleich
zu organisieren, wird also immer bedeutender.
Wo Bürgerkriege und militärische Auseinandersetzungen schlimme Verwüstungen
angerichtet haben, wollen die deutschen Städte einen Beitrag für
den Wiederaufbau leisten – für den Wiederaufbau der Infrastruktur, aber
auch für den Aufbau einer Demokratie vor Ort. Als Präsident des Deutschen
Städtetags darf ich dies für den Norden und auch den Süden Afrikas
ankündigen.
Zudem verbinden uns Schwesterstadtbeziehungen mit Städten in aller
Welt. Deshalb meine Bitte: Laden Sie auch in Zukunft Non-Governmental
Organizations ein, möglichst sogar in wachsendem Ausmaß – und vergessen
Sie die Städte nicht!
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen nun einen angenehmen Abend!“