Bürger fragen - OB Christian Ude antwortet
Nachdem im Februar schon wieder in den Nachrichten kam, das in einem Ort in Ägypten wieder Christen ermordet wurden, finde ich es einen Hohn, in unserem Christen-Land und sogar in München eine Moschee zu bauen. Die sollen unsere Gesellschaft akzeptieren, wenn sie schon hier wohnen, sowie schon so viel Sozialgeld kassieren. Warum soll in München eine Moschee entstehen?
Antwort
Es ist ja wahr, dass in vielen Ländern dieser Welt schreckliche Dinge geschehen – aber kann dies der Maßstab sein für unser Land? Hier in Deutschland gilt das Grundgesetz, das die Religionsfreiheit garantiert. Wer unsere Gesellschaft akzeptiert – und das verlangen Sie ja mit Recht von allen Migranten –, der muss auch unsere Verfassung akzeptieren, zu der als ganz bedeutsames Grundrecht auch die Religionsfreiheit gehört. Das von Ihnen genannte Beispiel zeigt ja eindrucksvoll und erschreckend, wohin religiöse Intoleranz führen kann. Auch in unserem Christen-Land gab es schon schreckliche Verbrechen an Christen – begangen von Christen. Der 30jährige Krieg hat die Bevölkerung nahezu halbiert. Aus diesen schrecklichen Kriegen hat Europa gelernt, dass verschiedene Religionen genauso wie verschiedene Nationen lernen müssen, in Frieden miteinander zu leben.
Im Übrigen bewundern wir zur Zeit alle die demokratische Revolution in Ägypten, die endlich Schluss gemacht hat mit einer Diktatur und demokratische Rechte einführen möchte. Ist Ihnen klar, dass fast alle Menschen, die diese Volkserhebung zustande gebracht haben, muslimischen Glaubens sind?
Im Übrigen ist mir gar nicht klar, von welchem Moschee-Projekt Sie sprechen. Die Moschee am Gotzinger Platz ist an fehlenden Finanzmitteln gescheitert. Dies steht inzwischen endgültig fest. Derzeit gibt es nur einen Plan einer Initiative, eine Moschee mit einem islamischen Bildungszentrum zu gründen. Diese Initiative setzt sich für ein modernes Islam-Verständnis ein, das die Demokratie und den Rechtsstaat ausdrücklich befürwortet. Deshalb sind auch sämtliche Fraktionen im Münchner Stadtrat bereit, diese Initiative zu unterstützen. Aber bislang fehlt auch hier das Geld. Von konkreten Planungen kann noch keine Rede sein. Es gibt weder eine Standortentscheidung, noch eine architektonische Planung. Die Initiative sollte aber – da bin ich mir mit allen demokratischen Stadträten im Rathaus einig – gefördert und nicht von vorneherein abgelehnt werden.
(04.04.2011)