Kleines Lexikon der Begriffe
Die Symbole
In der Öffentlichkeit sind viele unterschiedliche Begriffe zur Bezeichnung von lesbischen Frauen und schwulen Männern bekannt. Die heute geläufigsten Wörter sind „Lesbe“ und „Schwuler“.
Diese Begriffe waren ursprünglich sehr abwertend besetzt und wurden als Schimpfwörter benutzt. Im Zuge der lesbisch-schwulen Emanzipationsbewegung wurde es für die Betroffenen jedoch zunehmend wichtig, für sich selbst Bezeichnungen zu finden, um die eigene Identität benennen zu können. So wurden obige Bezeichnungen positiv umbesetzt und als Selbstbezeichnung in Anspruch genommen.
Benennen zu können, was man ist, wirkt identitätsstärkend und fördert das Zusammengehörigkeitsgefühl einer Gruppe (z.B. auch in der Bürgerrechtsbewegung afroamerikanischer Menschen: „Black is beautiful“).
Die positive Umbesetzung der ehemals negativ gebrauchten Worte durch Lesben und Schwule selbst drückte ein neues Selbstbewusstsein aus, welches es ermöglichte, öffentlicher über die eigene Lebensweise sprechen und sich als zusammengehörige Gruppe empfinden zu können. Sie ist auch Ausdruck für die Entstehung einer Kultur lesbischer und schwuler Lebensweisen.
Die damit verbundene Formulierung von Stolz auf die eigene Identität zeigt sich auch in dem Begriff „Gay Pride“, der häufig bei der öffentlichen Präsentation von lesbischen und schwulen Lebensweisen verwendet wird.
Neuere – aus dem Englischen stammende - Begriffe sind „gay“, der für Schwule verwendet wird und „queer“, der ebenfalls von einer stigmatisierenden Bedeutung zu einem positiv interpretierten und politisch-emanzipatorischen Oberbegriff für alle Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender wurde und gerade die Vielfältigkeit der Lebensweisen betont und vereint.
Frühere Bezeichnungen wie zum Beispiel „Lesbierin“ oder „Homo“ werden heute von vielen Betroffenen als veraltet und unangenehm empfunden.
Es gibt darüber hinaus eine Vielzahl von Begriffen, die Teilgruppen in der schwullesbischen Gemeinde bezeichnen, wie z.B. „Tunte“ für eher feminin wirkende Männer, „Butch“ für eher maskulin wirkende Lesben. Sie werden zum Teil untereinander meist mit freundlicher Bedeutung benutzt, haben aber in der Verwendung durch Aussenstehende oft abwertenden Charakter.
Worte wie „Kampflesbe“ oder „Schwuchtel“ sind meist als Beschimpfung gedacht und werden von Lesben und Schwulen als beleidigend empfunden.
Aber auch die gängigen Begriffe werden heute noch zum Teil abwertend benutzt und gerade in der Jugendsprache nimmt „schwul“ einen der ersten Plätze unter den Schimpfwörtern ein.
Der Oberbegriff „Homosexuelle“, wird nicht von allen Lesben und Schwulen gerne als Selbstbezeichnung benutzt, da er zu sehr eine rein sexuelle Ausrichtung betont und weniger die Lebensweise an sich beschreibt. Er wird eher dann benutzt, wenn in offiziellen Schriftstücken alle Menschen mit gleichgeschlechtlicher Identität gemeint sind und ist an sich nicht wertend.
Heute sind die Bezeichnungen „Lesbe“ und „Schwuler“ allgemein etabliert und werden von den meisten bevorzugt.
Schwul : Aus dem 18.Jhd., ursprünglich wie schwül / warm als Gegenstück zu kühl, heute gängigste Selbstbezeichnung homosexueller Männer.
Lesbisch : Abgeleitet von der antiken Dichterin Sappho, die auf der Insel Lesbos lebte und in ihren Liedern auch die Liebe zwischen Frauen besang, heute gängigste Selbstbezeichnung homosexueller Frauen.
Queer : „Seltsam, komisch“. Ursprünglich im englischsprachigen Raum für Menschen gebraucht, die tradierte Geschlechterrollen in Frage stellten. Wird heute im internationalen Sprachgebrauch als Oberbegriff für Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender benutzt und drückt das Selbstbewusstsein dieser Gruppe aus.
Gay : Aus dem Englischen, ursprünglich „fröhlich, bunt“; der Begriff wird oft international benutzt, bezeichnet im Allgemeinen ausschließlich schwule Männer.
Dyke, Lesbian : Englischsprachig für Lesbe, wird auch oft in internationalen Zusammenhängen verwendet.
Homosexuell : Bezeichnete ursprünglich nur die sexuelle Bezogenheit auf das eigene Geschlecht und wurde als „klinische Perversion“ verstanden. Heute wird das Wort als Überbegriff für alle Menschen gebraucht, die in gleichgeschlechtlichen Lebensformen leben.
Transsexuell : Menschen, die sich nicht ihrem biologisch angeborenen Geschlecht zugehörig fühlen und im Laufe ihres Lebens ihre Geschlechtsidentität wechseln. Homosexualität und Transsexualität sind zwei voneinander völlig unabhängige Phänomene.
Transgender : Menschen, die transsexuell, transident oder nicht eindeutig einem Geschlecht zugehörig sind. Transgender können lesbisch, schwul, bi- oder heterosexuell sein, der Begriff an sich sagt also nichts über die sexuelle Identität aus, sondern ist eine Bezeichnung für die Geschlechtsidentität.
Bisexuell : Menschen, die sich sowohl zum anderen wie zum gleichen Geschlecht hingezogen fühlen.
Abwertende Bezeichnungen : Begriffe, die als Schimpfworte verwendet werden. Zum Beispiel: Tucke, Kampflesbe, Schwuchtel, warmer Bruder, Mannweib, Emanze. Diese Begriffe sind teilweise sehr alt, so stammt z.B. „Schwuchtel“ aus der Theatersprache des Barock als Bezeichnung für jene Schauspieler, die Frauenrollen übernehmen mussten – da Frauen ja nicht Schauspielerinnen sein durften.
Neben den Worten und Begriffen haben auch Symbole und Erkennungszeichen eine wichtige Bedeutung erhalten, um die eigene Lebensweise nach außen sichtbar zu machen und Räume als schwulen- und lesbenfreundlich zu kennzeichnen.
Vielfach werden sie als Aufkleber an den Türen von Lokalen, Geschäften und anderen Stellen angebracht, um zu zeigen: Hier sind Schwule, Lesben und Transgender willkommen. Eine Ausgrenzung anderer Menschen ist damit aber nicht verbunden, solange diese Schwulen und Lesben gegenüber respektvoll auftreten.
Regenbogenflagge:
Die Regenbogenfahne wurde 1978 entworfen. Sie ist inzwischen weltweit verbreitet und gilt als Symbol für eine bunte, selbstbewusste und vielfältige Gemeinschaft von Lesben, Schwulen und Transgendern. Die einzelnen Farben stehen für Leben, Gesundheit, Sonne, Harmonie mit der Natur, Kunst und Geist.
Frauen-/Männerzeichen:
Die doppelten Frauen - oder Männerzeichen sind sehr eindeutige Zeichen für Lesben und Schwule.
Rosa Winkel:
Der rosa Winkel war das Häftlingszeichen für Schwule in den Konzentrationslagern der Nazidiktatur. Er wurde später von der Schwulenbewegung als Zeichen des Widerstands gegen Unterdrückung genommen und umgedeutet.
Doppelaxt:
Ursprünglich stammt dieses Symbol aus der matriachalen minoischen Kultur von Kreta. Es wurde von der Lesbenbewegung als Zeichen für die Kraft und Selbstbestimmtheit von Frauen genommen und drückt auch die Unabhängigkeit von gesellschaftlichen Rollenbildern aus.