Besondere Lebenslagen
Unterschiede zwischen Lesben und Schwulen
Lesbisches und schwules Leben ist unterschiedlich, vielfältig und individuell. Lesben sind Frauen, Schwule sind Männer – Lesben und Schwule leben und lieben gleichgeschlechtlich. Daraus ergeben sich Gemeinsamkeiten und Unterschiede. Ein einheitliches Modell „des“ schwulen Mannes oder „der“ lesbischen Frau gibt es ebenso wenig wie bei heterosexuellen Menschen.
Lesben und Schwule sind trotz der vielen Gemeinsamkeiten, die ihr Leben prägen, nicht gleich. Unter ihnen gibt es ebenso viele Unterschiedlichkeiten, wie sie grundsätzlich zwischen Menschen bestehen: unterschiedliche Meinungen, Vorlieben, Bedürfnisse, Lebenssituationen, Berufe, Wohnorte, politische Ansichten und vieles mehr. Es gibt Lesben und Schwule, die als Single leben oder in einer festen Partnerschaft, die Kinder haben oder nicht, die gerne in lesbisch-schwule Lokale gehen oder diese eher meiden, die sich für Politik interessieren oder lieber zurückgezogen leben. Oftmals jedoch werden diese individuellen Unterschiede in der Öffentlichkeit durch die Existenz von pauschalisierenden Bildern und Vorurteilen nicht wahrgenommen. Zwischen Lesben und Schwulen gibt es viele Gemeinsamkeiten, besonders durch die gesellschaftliche Situation, in der beide Gruppen leben. Sie alle sind mit einer vorrangig heterosexuell ausgerichteten Umwelt und mit den für sie daraus folgenden Schwierigkeiten konfrontiert. Sie gehören einer „gesellschaftlichen Minderheit“ an und sind von Diskriminierung und rechtlicher Benachteiligung betroffen. Auch die Tatsache, dass Schwule und Lesben ihr Anderssein bewältigen müssen und alle einen Coming Out Prozess durchlaufen, schafft Gemeinsamkeiten.
Auch unter Schwulen und Lesben gibt es Menschen, die sich mit besonderen Lebensbedingungen einrichten müssen und deren Leben dadurch ebenso wie durch ihre gleichgeschlechtliche Lebensweise geprägt ist. Es sind dann zwei oder sogar mehrere Identitätsmerkmale, die in das eigene Leben integriert werden müssen und oft besteht dadurch die Gefahr doppelter Diskriminierung. Beispielsweise gilt dies für Lesben und Schwule, die als Menschen mit Behinderung mit individuellen und gesellschaftlichen Schwierigkeiten zurechtkommen müssen oder auch für Lesben und Schwule mit Migrationshintergrund. Erfahrungsgemäß verstärken sich diese Diskriminierungsgründe gegenseitig und erhöhen den Problemdruck für die Betroffenen erheblich.
Lesben und Schwule leben als Männer und Frauen in unserer Gesellschaft und sind entsprechend sozialisiert. Weiblicher oder männlicher Umgang mit verschiedensten Themen führt zu geschlechtsspezifischen Unterschieden, beispielsweise in der Gestaltung von Beziehungen und Sexualität oder in den Formen der lesbischen bzw. schwulen Gemeinde, die sich durch die Ausrichtung an den jeweiligen Bedürfnissen zum Teil sehr unterscheiden.
In der Öffentlichkeit werden Schwule stärker wahrgenommen als Lesben, auch in den Medien werden oftmals nur Schwule genannt, obwohl auch Lesben betroffen sind. „Homosexuell“ wird oft als Synonym zu „schwul“ und nicht zu „schwul und lesbisch“ gebraucht. Dadurch entsteht bei manchen Menschen der Eindruck, es gäbe weniger Lesben, was jedoch nicht zutrifft. Auch gibt es mehr Lokale, die sich an schwules Publikum richten als Lokale speziell für Lesben. Hier spiegelt sich auch die ungleiche Verteilung von Geld und Einfluss zwischen den Geschlechtern: Frauen sind gegenüber Männern oft benachteiligt, was zum Beispiel finanzielle Absicherung und Verdienst angeht, sie haben dementsprechend weniger materielle Ressourcen und sind dadurch im Alter oft schlechter gestellt.
Fraueninteressen werden generell von Medien weniger aufgegriffen, dadurch sind auch Lesben weniger sichtbar. Die doppelte Benachteiligung als Frauen und als Lesben wirkt sich in verschiedenen Bereichen aus und nahm auch immer Einfluss auf die politischen Forderungen der feministischen Bewegung.
Während Lesben weniger wahrgenommen und auch weniger ernst genommen werden, wurden Schwule immer schon offener verfolgt bis hin zu Gewaltanwendung und strafrechtlicher Bedrohung. Dies verschaffte schwulen Männern mehr öffentliche Aufmerksamkeit mit vielen negativen Folgen. Beide Gruppen erfahren jedoch in gleichem Maße rechtliche und soziale Diskriminierung, was wiederum Verbindungen schafft.