„Regenbogenfamilien“ ist eine Bezeichnung für Familien mit einem oder zwei lesbischen oder schwulen Elternteilen. Der Begriff stärkt die Identität und das Selbstbewusstsein von gleichgeschlechtlichen Paaren mit Kindern und hebt hervor, dass es sich um eine eigenständige und gleichwertige Familienform handelt, ähnlich wie beispielsweise Patchworkfamilien oder Stieffamilien.
In Deutschland leben laut Information des Lesben- und Schwulenverbandes Deutschland (LSVD) ein bis zwei Millionen lesbische und schwule Eltern mit ihren Kindern. Dies bedeutet, dass zwei bis drei Millionen Kinder mit gleichgeschlechtlich lebenden Eltern aufwachsen.
Regenbogenfamilien können auf unterschiedliche Weise entstehen.
So können Frauen oder Männer bereits Kinder haben, bevor sie eine lesbische oder schwule Partnerschaft eingehen und bringen diese dann mit in die neue Beziehung.
Lesbische Paare, die ihren Kinderwunsch zusammen verwirklichen möchten, können dafür unterschiedliche medizinische Möglichkeiten nutzen.
Auch schwule Paare wünschen sich manchmal Kinder und so verwirklichen lesbische und schwule Paare ihren Kinderwunsch immer öfter gemeinsam und kümmern sich dann gemeinsam um die Kinder.
Die Adoption von fremden Kindern ist in Deutschland für ein gleichgeschlechtliches Paar rechtlich nicht möglich.
Die gesetzliche Lage für Regenbogenfamilien ist nicht einfach. Einige Belange sind auch in der Eingetragenen Lebenspartnerschaft nicht eindeutig geklärt oder weisen Mängel auf, so das Sorgerecht für Kinder, die aus einer früheren Beziehung eines Partners / einer Partnerin stammen. Hier gibt es nur ein „kleines Sorgerecht“ für alltägliche Situationen. Eine Regelung für den Fall, dass dem leiblichen Elternteil etwas zustößt, fehlt.
Seit 2005 hat der Gesetzgeber die Möglichkeit der Stiefkinderadoption in Eingetragenen Lebenspartnerschaften geschaffen, so dass der / die nicht mit dem Kind verwandte Lebenspartner /-partnerin dieses annehmen kann.
Neben den für Patchworkfamilien typischen Problemlagen müssen Regenbogenfamilien zusätzlich mit den Reaktionen ihres sozialen Umfeldes auf ihre außergewöhnliche Familienkonstellation zurechtkommen. Nicht jede Kindertagesstätte oder Schule, nicht alle Nachbarn oder Familien der Freunde der Kinder sind auf zwei gleichgeschlechtliche Elternteile eingestellt, vielerorts gibt es Vorurteile und Bedenken gegenüber Regenbogenfamilien.
In unserer Gesellschaft gibt es Befürchtungen, dass Kinder, die mit lesbischen oder schwulen Eltern aufwachsen, große Probleme entwickeln würden. Inzwischen existieren einige Studien, zum großen Teil aus den USA, die dies widerlegen. In diesen Studien wurde aufgezeigt, dass die Kinder keine außergewöhnlichen psychischen Probleme aufweisen, dass sie oftmals gut entwickelte soziale Kompetenzen und eine hohe Zufriedenheit haben. Auch Berichte von in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften lebenden Kindern, die hier in Deutschland interviewt wurden, bestätigen diese Erkenntnisse.
Die betroffenen Kinder und Jugendlichen berichten, dass die gleichgeschlechtliche Lebensweise ihrer Eltern für sie weniger ein Problem darstellt als die Reaktionen der Außenwelt. Sie wünschen sich oft, dass ihre Eltern zur eigenen Lebensweise stehen und ihr soziales Umfeld darüber informieren. Je mehr Normalität im Umgang mit der Lebensweise und je mehr Selbstbewusstsein bei den Eltern vorhanden ist, desto besser kommen ihre Kinder damit zurecht, da sie dadurch entlastet werden.
Zudem erfahren Kinder, die selbstbewusst mit ihrer Familiensituation auftreten können, weniger negative Reaktionen von Gleichaltrigen.
In den Studien wurde auch mehrfach nachgewiesen, dass die Lebensweise der Eltern keinerlei Einfluss auf die sexuelle Identität der Kinder nimmt, wohl aber auf die Fähigkeit der Kinder, sich auf ungewöhnliche Lebenssituationen gut einstellen zu können.