19.01.2012

Heute hat der Kulturausschuss der Landeshauptstadt München das international tätige Künstlerduo Elmgreen & Dragset mit einem künstlerisches Großprojekt im öffentlichen Stadtraum beauftragt. Michael Elmgreen und Ingar Dragset werden 2012 und 2013 mit Künstlerinnen und Künstlern aus unterschiedlichen Kulturkreisen der Frage nachgehen “Was ist öffentlicher Raum heute?”. In zehn künstlerischen Modulen zwischen Kunst, Performance, Design und Architektur beschäftigen sie sich mit “A Space Called Public”. Mitwirken werden unter anderem Stephen Hall (London), Ming Kwon (Singapur/Berlin), Han Chong (London/Malaysia), Turner-Preisträgerin Susan Philipsz (Belfast/Berlin), der spanische Künstler Oriol Vilanova und Kirsten Pieroth aus Berlin.

Die Bedeutung des realen öffentlichen Raums in Städten hat sich im digitalen Zeitalter verändert. Seine Funktion als Versammlungsort, Marktplatz, Austauschstätte für Ideen und Forum der Stadtgesellschaft verlagert sich im Zeitalter von Internet und sozialen Medien zunehmend in den virtuellen Raum. Von diesem gesellschaftlichen Wandel ausgehend stellen Elmgreen & Dragset die Frage nach der Neudefinition des öffentlichen Raums für Städte und ihre Bewohner. Werden in naher Zukunft die öffentlichen Räume von Großstädten nur noch auf Konsummeilen oder Anlauforte für Touristen reduziert werden? Wie profiliert sich München durch seinen öffentlichen Raum und welche Identität ist damit verbunden – auch im Vergleich zu anderen wirtschaftlich und kulturell konkurrierenden Metropolen?

Temporäre Installationen und Aktionen im öffentlichen Raum sollen Münchens Identität aus künstlerischer Perspektive untersuchen: Die Performance „It's never too late to say sorry“ wird – nach Kopenhagen und Rotterdam – in München realisiert und ist ein wiederkehrendes Element, das Elmgreen & Dragset während der gesamten Projektreihe einsetzen. Elmgreen & Dragset haben die Idee einer „Deutsche Bahn Kunsthalle“ entwickelt: ein umgebauter ICE-Waggon könnte Wechsel-ausstellungen zeigen, die von internationalen Gästen kuratiert werden. Eine Replik des Londoner „Fourth Plinth“ soll den damit verbundenen Kunstwettbewerb auf einen zentralen Platz in München transferieren und klären, wie sich das auf die Identität der beiden Städte auswirkt. Ein temporäres Monument für Fassbinder ist ebenso geplant wie eine Buddha-Statue „Made in Dresden“. Soundinstallationen und weitere künstlerische Formate vervollständigen die Programmreihe
„A Space Called Public“.

Wichtiger Teil des „Künstlerforschungsprojekts“ mit seinen Modulen sind Diskussions-veranstaltungen und ein Vermittlungsprogramm. Elmgreen & Dragset wollen einen Dialog eröffnen, der bereits mit der Erstellung ihres künstlerischen Konzepts begonnen hat. Es wurde in enger Abstimmung mit dem Programmbeirat für Kunst im öffentlichen Raum entwickelt.

“Mein Dank gilt dem Engagement, künstlerischen Sachverstand und Mut des Programmbeirates für die Wahl dieses Kunstprojekts, das mit seiner Thematik kulturpolitische Akzente setzt. München stellt sich als Ganzes einer international geführten Diskussion über seinen öffentlichen Raum aus der Perspektive der Kunst. Dass wir für dieses ambitionierte Projekt die renommierten Künstler Michael Elmgreen und Ingar Dragset gewinnen konnten, wird Münchens starke Positionierung im internationalen Kunstdiskurs auch auf die Kunst im öffentlichen Raum ausweiten”, so Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers. 

Elmgreen & Dragset

Michael Elmgreen (geb. 1961 in Kopenhagen, lebt in Berlin und London) und Ingar Dragset (geb. 1969 in Trondheim, lebt in Berlin) arbeiten seit 1995 als Künstlerduo zusammen und sind durch zahlreiche Ausstellungen und Arbeiten im öffentlichen Raum international renommiert.

In seinem künstlerischen Werk setzt sich das Künstlerduo mit zeitgenössischen Lebensweisen auseinander und untersucht, wie diese sowohl in der uns umgebenden alltäglichen Lebenswelt als auch übergeordnet in unseren Stadtlandschaften reflektiert werden.

Das künstlerische Werk von Elmgreen & Dragset, das sich zwischen Kunst, Architektur und Design einordnet, besteht vorrangig aus Installationen und Performances. Als exemplarisch für das Werk von Elmgreen & Dragset können u.a. die spektakuläre Bespielung „The Collectors“ des nordischen und dänischen Pavillons auf der 53. Biennale in Venedig 2009 genannt werden. 2010 und 2011 waren Elmgreen & Dragset in Europa mit den folgenden Einzelausstellungen präsent: „Celebrity, The One & The Many“ im ZKM Karlsruhe und „The One & The Many“ im Submarine Wharf in Rotterdam (ein Projekt des Museum Boijmans Van Beuningen). Mit „Happy Days in the Art World“ einem von den Künstlern verfassten und konzipierten Theaterstück eröffneten Elmgreen & Dragset 2011 die Performance Biennale „Performa“ in New York.

Folgende weitere Einzelausstellungen fanden u.a. statt: „Trying to Remember What We Once Wanted to Forget“, MUSAC, León, 2009; „This Is The First Day Of My Life“ , Malmö Konsthall, Malmö, 2007; „The Welfare Show“, Serpentine Gallery, London, 2006; „Blocking the View“, Level 2 Gallery, Tate Modern, London, 2004; „Taking Place“, Kunsthalle Zürich, Zurich, 2001.

Am 23. Februar werden Elmgreen & Dragset eine neue Arbeit für den Fourth Plinth auf dem Trafalgar Square im Zentrum von London installieren, die dann 18 Monate dort zu sehen sein wird.


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