19.01.2012

Der Kulturausschuss der Landeshauptstadt München beschloss in seiner heutigen Sitzung die Umsetzung der Kunstprojekte “Replika” von Ayzit Bostan und Gerhardt Kellermann und “Reconstructing Future” von Christiane Dellbrügge und Ralf de Moll. Beide Kunstprojekte werden 2012 im Münchner Stadtraum umgesetzt. Bei “Replika” wird der Münchner Hofgarten zur Bühne und acht Monate lang künstlerisch inszeniert. “Reconstructing Future” ist eine Hommage an die Olympischen Spiele 1972 in München und hebt vor allem auf den ganzheitlichen Gestaltungsansatz ab, für den Otl Aicher damals berühmt wurde.

Die beiden Projekte haben sich gegen mehr als 260 weitere Bewerbungen im Kunstwettbewerb “Aspekte der Gestaltung und des Designs im öffentlichen Raum” durchgesetzt, der 2011 vom Kulturreferat ausgelobt worden war. Der Programmbeirat für Kunst im öffentlichen Raum hatte alle Einreichungen geprüft, der Stadtrat ist den Empfehlungen gefolgt. Er stellt insgesamt bis zu 230.000 Euro für die Realisierung zur Verfügung.

“Replika”
Die in München lebende Modedesignerin und Künstlerin Ayzit Bostan hat sich für die Kunstinstallation „Replika“ mit dem Münchner Industriedesigner und Fotografen Gerhardt Kellermann zusammengeschlossen.

Ihr Kunstprojekt spielt mit den Mitteln der Verhüllung und Enthüllung und mit einer veränderten Wahrnehmung eines bestens bekannten öffentlichen Münchner Ortes. In den Münchner Hofgarten und seine Bogengänge werden die wehenden Vorhänge der Arkaden des Markusplatzes von Venedig übertragen. Bostan und Kellermann beziehen sich damit auf die Tradition, italienische Inspirationen in die Münchner Baukultur zu übernehmen.

Mit „Replika“ erweitern sie den Stadtraum gestalterisch und programmatisch zur Bühne. Während der achtmonatigen Laufzeit ihres Projekts und damit wechselnden Jahreszeiten veranstalten sie unter anderem Konzerte, Lesungen und ermöglichen Lichtinstallationen. Mit ihrem ästhethischen und poetischen Ansatz bei zugleich minimalistischem Mitteleinsatz konnten Bostan und Kellermann den Programmbeirat überzeugen.

„Reconstructing Future“
Das Kunstprojekt „Reconstructing Future“ des Berliner Künstlerduos Christiane Dellbrügge und Ralf de Moll greift das Jubiläum 40 Jahre Olympische Spiele in München in 2012 auf.

Das Gesamtkonzept der „heiteren Sommerspiele“ von 1972 spiegelte sich nicht nur in der richtungsweisenden Architektur des Olympiaparks wider, sondern auch in allen Details der Gestaltung sowie der Kommunikation. Auch die Bekleidung des Personals und der Freiwilligen, die vom Modedesigner André Courréges entworfen wurde, sollte ein freundliches und offenes Auftreten unterstreichen. 15.000 Mitwirkende und Freiwillige waren in den Farben gekleidet, die Otl Aicher für das Erscheinungsbild festgelegt hatte. Selbst das Auftreten der Sicherheitskräfte wurde einbezogen, ihre Uniformen auf einen friedlichen und deeskalierenden Ansatz abgestimmt. Diese ganzheitliche Ausrichtung des Münchner Auftritts war und ist von großem Erfolg und positiver Wahrnehmung begleitet – allerdings markierte der Anschlag am 5. September 1972 jäh einen Wendepunkt, der auch im öffentlichen Raum spürbar und sichtbar wurde.

Das Kunstkonzept von Dellbrügge & de Moll sieht vor, vierzig Jahre später vierzig Personen mit einer zeitgenössischen Interpretation der Courréges-Outfits von 1972 auszustatten. Anna Sophie Howoldt wird zusammen mit dem Künstlerduo das neue Outfit entwickeln. Exakt im selben Zeitraum der Spiele von 1972 - vom 26. August bis zum 11. September - tauchen die Protagonisten 2012 im öffentlichen Stadtbild Münchens auf. Durch „Reconstructing Future“ werden der olympische Gedanke und die damit verbundene Vision einer friedlichen Gesellschaft aufgegriffen und in Erinnerung gehalten. Besonders junge Menschen, die die Spiele von 1972 nicht erlebt haben, sollen das Ideal der Leichtigkeit und Freundlichkeit näher gebracht bekommen. Ein umfangreiches Vermittlungsprogramm begleitet das Kunstprojekt.

Den Programmbeirat überzeugte das Kunstkonzept vor allem aufgrund seines gelungenen atmosphärischen Eingriffs in den öffentlichen Stadtraum Münchens.


Weitere Informationen unter Telefon 089/233-26005 oder presse.kulturreferat@muenchen.de.