Am nördlichen Stadtrand enstanden auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz rund 2.500 Wohnungen mit hohem Wohnwert aufgrund der Lage an der Haidelandschaft. Die "Diagonale" über der U-Bahn verknüpft die vielfältigen Aufenthalts- und Spielmöglichkeiten, Betreuungs- und Einkaufsangebote. Beispiele herausragender Architektur, wie Dominikuszentrum, Studentenwohnanlage und Schule, prägen das Quartier.
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Bei der Schaffung von Wohnraum kommt den ehemals militärisch genutzten Flächen aufgrund der sonstigen geringen Entwicklungspotenziale innerhalb der Stadtgrenzen der Landeshauptstadt München eine besondere Bedeutung zu. Sie bieten Chancen für die Innenentwicklung und Strukturverbesserungen und sind durch ihre Lage im Siedlungsgefüge, die vorhandene (äußere) Erschließung und die Nähe zu stadtteilübergreifenden Infrastrukturen besonders geeignet für Wohnbebauung. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist die Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme Nordhaide (ehemalige Panzerwiese).
Bereits 1992 hat der Stadtrat der Landeshauptstadt München für die freigewordenen und freiwerdenden Kasernen- und Truppenübungsplätze die Einleitung Städtebaulicher Entwicklungsmaßnahmen nach dem Baugesetzbuch beschlossen und vorbereitende Untersuchungen veranlasst. Der Bund hat den Kommunen 1992 die Möglichkeit eingeräumt, freie Militärflächen ohne den förmlichen Erlass einer Entwicklungssatzung zum entwicklungsunbeinflussten Wert zu erwerben. Nach der Aufstellung von Bebauungsplänen konnten die Kommunen die entwickelten Grundstücke zum Verkehrswert wieder veräußern und mit den erzielten Einnahmen die technische und soziale Infrastruktur refinanzieren. Nach diesen sog. "Verbilligungsgrundsätzen" hat die Landeshauptstadt München 1994 die „Panzerwiese“, einen ehemaligen Truppenübungsplatz am nördlichen Stadtrand von München, erworben.
Die Panzerwiese besitzt als europaweit einmalige Primärhaide herausragenden ökologischen Wert, weshalb etwa 85% der insgesamt 200 ha großen Haidefläche erhalten blieben. Die unter Naturschutz stehende Kernzone der Panzerwiese erfüllt damit weiterhin wichtige klimaökologische Ausgleichsfunktionen.
Das neue Quartier „Nordhaide“ entstand auf 27 ha im Südwesten der Panzerwiese als Arrondierung der bestehenden Stadtquartiere. Zusätzlich zu den rund 1.650 Wohnungen wurde eine Wohnanlage mit 550 Appartements für Studierende errichtet. Die neue Bebauung hat erheblich zur Stabilisierung des Wohnstandortes im Münchner Norden beigetragen und aufgrund der sehr guten Ausstattung mit Infrastruktur und Spielmöglichkeiten einen großen Zuzug von Familien bewirkt.
Das städtebauliche und landschaftsplanerische Konzept ermöglicht die Umsetzung zweier wichtiger Zielvorstellungen: Die Zeilenbebauung führt die Haidelandschaft tief in das Quartier hinein und schafft Sichtbeziehungen. Die vorwiegend dreigeschossige Bebauung mit den siebengeschossigen Hochpunkten nimmt die unterschiedlichen Gebäudehöhen der Umgebung auf und gliedert ganz selbstverständlich die Baustruktur. Das neue Quartier ergänzt die vorhandene Bebauung, gibt dem gesamten Stadtteil einen markanten urbanen Impuls und schließt mit einem klaren Ortsrand zur Haide ab. Die Haidelandschaft mit den grünen Angerflächen im Quartier, den Spielplätzen und Bewohnergärten bildet das zentrale Element des Grünkonzepts.
Über der U-Bahntrasse durchzieht ein besonderer Grünzug das Wohngebiet – die Diagonale. Entlang der geschwungenen Allee zwischen „Dominikusplatz“ und Nordhaideplatz eröffnen sechs Westentaschenparks ein umfangreiches Spiel- und Aufenthaltsangebot. Die Endpunkte der Diagonalen werden durch das Dominikuszentrum und das Einkaufszentrum MIRA am U-Bahnhof markiert. Von hier aus ist die Innenstadt in 15 Minuten zu erreichen. Die Erschließungsanger und die Diagonale schaffen eine differenzierte Abfolge öffentlicher Räume. Die unterschiedlich gestalteten Plätze und Infrastruktureinrichtungen fördern das nachbarschaftliche Gemeinschaftsleben über alle Generationen hinweg und führen zu Integration der neuen, aber auch der schon dort lebenden Bevölkerung.
Aspekte der geschlechtergerechten Planung wurden auf vielfältige Weise bereits im Planungsprozess und Wettbewerbsverfahren berücksichtigt. Das autofreie Infrastrukturband der Diagonale mit Spielmöglichkeiten, Aufenthaltsflächen, Jugendfreizeitstätte, Kindertagesstätten sowie an den Endpunkten mit der Grundschule und dem Dominkuszentrum bzw. dem Einkaufszentrum und dem U-Bahnhaltepunkt sowie das ergänzende Wegesystem geben den Bewohnerinnen und Bewohnern die Möglichkeit, die wesentlichen täglichen Bedürfnisse auf kurzen und sicheren Wegen zu erledigen. Der öffentliche Raum wird zu einem Ort der Begegnung und des Aufenthalts. Seine hohe Akzeptanz fördert die Identifikation mit dem Gebiet und sorgt für eine Belebung, die das Gefühl der Sicherheit vermittelt. Dies bestätigen die Bewohnerinnen und Bewohner in der Filmdokumentation „Die Nordhaide – Leben in einem neuen Stadtviertel“, die im Auftrag der Stadt 2009 gedreht wurde.
Architektonisch herausragende Einzelbauten wie Dominikuszentrum, Studentenwohnanlage und Grundschule setzen im Quartier Akzente. Besonderer Wert wurde auf umweltfreundliche und energieeffiziente Bauweise gelegt.
Bis 1990 Truppenübungsplatz,
29.01.1992 Grundsatzbeschluß,
03.06.1992 Einleitungsbeschluß für eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme,
1994/1995 städtebaulicher und landschaftsplanerischer Ideenwettbewerb,
15.12.1994 Beurkundung Kaufvertrag mit der Bundesrepublik,
1994 - 2001 Bebauuungsplan mit anschließender Reprivatisierung und Realisierung
anschließend Realisierung