Bau eines Jüdischen Museums und Zentrums am Sankt-Jakobs-Platz

Münchens Israelitische Kultusgemeinde findet ein neues Zuhause im Stadtzentrum.

68 Jahre nach der Zerstörung ihrer Hauptsynagoge an der Herzog-Max-Straße kehrte die Israelitische Kultusgemeinde mit dem neuen Jüdischen Zentrum in die Münchner Stadtmitte zurück. Bereits Ende 1998 wurde in einer Grundsatzentscheidung des Münchner Stadtrates festgelegt, in Kooperation mit der Israelitischen Kultusgemeinde auch ein dauerhaftes Jüdisches Museum einzurichten. So bot sich zwei Jahre später die Gelegenheit, gemeinsam mit den Neubauten für das Jüdische Zentrum (Synagoge und Gemeindehaus) auch das städtische Museum am St.-Jakobs-Platz zu errichten.

Trotz unterschiedlicher Größe und Gestalt prägt die drei Gebäude nach außen hin ein Material: der Travertin. Durch die freie Stellung von Synagoge und Museum auf der Fläche zwischen Stadtmuseum, Angerkloster und einer jüngeren Wohnbebauung entstanden unterschiedliche öffentliche Räume, die jetzt als Folge von Plätzen, Wegen und Passagen zwischen den Gebäuden erlebt werden. Im Gegensatz zum massiven Sockel der benachbarten Synagoge ist das Erdgeschoss des Museums rundum verglast. Über den Eingang, auf den eine Leuchtwand aufmerksam macht, betritt der Besucher ein weitläufiges Foyer mit Fachbuchhandlung und Cafeteria. Die in der Fassadengestaltung ungeteilten drei Obergeschosse werden für Wechselausstellungen genutzt. Das Untergeschoss beinhaltet den großen Bereich der Dauerausstellung sowie Archiv- und Serviceräume. Es erstreckt sich innerhalb eines ehemaligen Zivilschutzbunkers, dessen Decke und Innenwände aufgrund schlechter Bausubstanz aufwändig abgebrochen werden mussten.

Die jüdische Künstlerin Sharone Lifschitz entwickelte zur Eröffnung das mehrteilige Konzept „Speaking Germany“. Ein Jahr lang hatte sie sich mit deutschen Gesprächspartnerinnen und -partnern, die sie via Zeitungsannoncen gesucht hatte, über das deutsch-jüdische Verhältnis ausgetauscht. Von September 2006 bis Juni 2007 waren Fragmente dieser Dialoge in Textform in der ganzen Stadt und auf der Museumsfassade zu sehen.