Die Verlegung des Durchgangsverkehrs unter die Erde sorgt für Verkehrsberuhigung an der Oberfläche und schafft neue Grünbereiche.
Nach sechs Jahren Bauzeit fließt seit Juli 2009 der Durchgangsverkehr durch den Richard-Strauss-Tunnel. Mit etwa zwei Kilometern Länge ist er der "große Bruder" des Effnertunnels, der bereits 2006 fertig wurde. Während der Bauphase blieb der Verkehrsfluss auf dem Mittleren Ring, einer Hauptschlagader Münchens, immer erhalten – eine technische und logistische Meisterleistung. Rund 440.000 Kubikmeter Erde wurden bewegt. Die Arbeit an den einzelnen Abschnitten verursachte eine wandernde Baustellenlandschaft mit rund 90.000 Quadratmeter provisorischen Verkehrsflächen, was ungefähr einer Fläche von 18 Fußballfeldern entspricht.
Mit dem Verschwinden des Ringverkehrs unter die Erde entstand an der Oberfläche viel Grün, 900 Bäume wurden neu gepflanzt. Die Richard-Strauss-Straße hat jetzt eine Fahrspur pro Richtung, denn statt wie früher zirka 66.000 Fahrzeuge nutzen nur noch etwa 6.000 Fahrzeuge täglich diese Straße. Breite Grünstreifen mit Lindenbäumen münden am Böhmerwaldplatz in einen Hain.
Am Leuchtenbergring zwischen Einstein- und Prinzregentenstraße ging der Verkehr um zwei Drittel auf 25.000 Fahrzeuge pro Tag zurück, dafür genügen zwei Fahrspuren pro Richtung mit jeweils einer Abbiegespur an den Kreuzungen. An der gesamten Strecke gibt es auf beiden Seiten Platz für Parkbuchten sowie Rad- und Gehwege. Am Vogelweideplatz entstand durch die neue Straßenführung eine zusammenhängende bebaubare Fläche.
Die Streckenführung verlangte komplizierte bauliche Lösungen: Am Böhmerwaldplatz überquert der Tunnel den U-Bahnhof, an der Kreuzung Einsteinstraße/Leuchtenbergring unterquert ihn ein 580 Meter langer Seitenarm zur Bundesautobahn A 94. Auch die Sicherheitstechnik erfüllt höchste Standards. Eine massive Mittelwand mit Fluchttüren trennt die beiden Fahrtrichtungen, sodass im Notfall die benachbarte Röhre als Fluchtweg oder Zugang der Rettungskräfte dient. Zur Tunnel-Überwachung gehören Sensoren und Kameras. Effnertunnel, Leuchtenbergring-, Innsbrucker Ring- und Richard-Strauss- Tunnel wurden in einer "Tunnelkette" als sicherheits- und verkehrstechnisches System verbunden.
Fotos 1 und 2: Heribert Mühldorfer, Visualisierungen: winhard 3d+webdesign