Die architektonisch, bautechnisch und künstlerisch meisterhaften U-Bahnhöfe sorgen für eine ausgezeichnete Innenstadt-Anbindung des Nünchner Nordwestens.
Die beiden neuen U-Bahnhöfe weisen architektonische Gemeinsamkeiten auf: Sie sind zweigeschossig, siebeneinhalb Meter hoch und stützenfrei. In die Bahnsteighallen dringt natürliches Licht über Glasoberlichter, die im Brandfall auch zur Entrauchung dienen. Eine Besonderheit, die es nur hier gibt: Gläserne Aufzüge transportieren Fahrgäste durch die Oberlichter an die Oberfläche. Künstlich beleuchtet werden die Bahnsteige jeweils mit rund 50 eigens entwickelten Pendelleuchten. Beidseitig reflektierende Folien in den Glasschirmen verstärken die Ausleuchtung der Bahnhöfe und bringen die Brillanz der künstlerisch gestalteten Wände besonders zur Geltung. Ein warmer Abstrahlcharakter und eine lange Lebensdauer waren entscheidend.
Masayuki Akiyoshis Wandarbeit „Forst“ im U-Bahnhof „Moosacher St.-Martins-Platz“ ist zusammengesetzt aus rund 76.200 Einzelfotos im Format 11 x 15 cm. Sie bedeckt auf 120 Metern Länge und fünf Metern Höhe beide Bahnsteigwände. Die Motive aus Architektur, Infrastruktur und Pflanzenwelt wurden im Lauf eines Jahres in Moosach und Umgebung aufgenommen und in chronologischer Reihenfolge angeordnet, sodass sich eine jahreszeitlich bedingte Farbabfolge ergibt. Eingefasst wird das Werk mit einem Passepartout in champagnerfarbenem, sanft gewelltem Blech, das sich bis in die Schalterhallen erstreckt. Dieser leicht warme Farbton korrespondiert mit einem gelblichen großformatigen Granitbelag am Boden, der sich in der Wandverkleidung der Schalterhallen und Ausgänge fortsetzt. Unterstützt wird die Farbabstimmung durch die in dieser Farbgebung gehaltenen Glasblenden der Schalterhallenleuchten und die leicht lasierend aufgehellten Sichtbetondecken.
Mit der Endstation der U3 in Moosach wurde der neue zwei Kilometer lange Bauabschnitt zwischen Olympia-Einkaufszentrum und Moosach abgeschlossen und der 100. Bahnhof des Münchner U-Bahnnetzes eröffnet. Die Anbindung an das S-Bahnnetz und die Innenstadt wertet den Münchner Nordwesten entscheidend auf. Der U-Bahnhof stellt eine wichtige Umsteigemöglichkeit zur Flughafen-S-Bahn S1 dar. Unter den Gleisen der S- und Bundesbahn die Schalterhalle zu errichten war eine bautechnische Herausforderung, die aber mit einer verstärkten Decke glückte. Es gelang außerdem, als natürliche Beleuchtung kleinere Oberlichter zu positionieren. Hier verbindet sich der Untergrund mit der Oberfläche, Aufzüge führen direkt zu den S-Bahnsteigen. Pendlern aus dem Umland steht die zweigeschossige Park+Ride-Anlage mit 282 PKW-Stellplätzen zur Verfügung. Zur Übersichtlichkeit im Bahnhofsgelände tragen die voll-verglasten Eingangsschleusen von der Schalterhalle zu den beiden Geschossen der Park+Ride-Anlage bei. Im oberen Geschoss sorgt Tageslicht für ein Gefühl von Sicherheit und Offenheit.
Für die raumhohe Wandverkleidung der Bahnsteigwände verwendete der Künstler Martin Fengel großformatige Pflanzenmotive. Der Fotokünstler sieht den Stadtteil als grüne Schnittstelle zwischen Stadt und Umland. Hier waren und sind viele Gärtnereien, hier beginnt das Grün. Fengel fotografierte die Pflanzen und Blumen der Moosacherinnen und Moosacher. Makroskopisch vergrößert, zieren sie nun die 7,80 Meter hohen, weißen Wände. Die Innenausstattung des Bahnhofs soll gegenüber der Kunst nicht in den Vordergrund treten – ähnlich der Gestaltung in der Nachbarstation Moosacher St.-Martins- Platz. Auch der U-Bahnhof Moosach ist in seiner Farbstimmung durch das Boden- und Wandmaterial der Schalterhallen in einem weichen, gelblichen Ton gehalten und die für die Moosacher Bahnhöfe entwickelte Pendelleuchte wurde in einer Doppelreihe direkt von der unverkleideten Sichtbetondecke abgehängt. Die Decke in den Schalterhallen ist in einem seidenglänzenden Glattblech ausgeführt, in dem sich die Leuchten sanft spiegeln. Durch die verglasten Brüstungselemente der Zwischengeschosse hat man einen Blick über die gesamte Bahnsteighalle. Dies ergibt nicht nur einen großräumigen Eindruck, sondern erlaubt auch eine bessere soziale Kontrolle über das Geschehen im Bahnhof.
Fotos: Baureferat München / Florian Holzherr