Der neue Kreuzungsbahnhof der Linien U1 und U3 sorgt für eine weitere Erschließung des Münchner Nordens mit neuen Verbindungs- und Umsteigemöglichkeiten.
Schon in den Siebzigerjahren, als der Rotkreuzplatz ans U-Bahnnetz angebunden wurde, war sich der Stadtrat darüber einig, dass die U-Bahn bis nach Moosach verlängert werden sollte. Lange wurde um die planerisch beste Lösung gerungen, 1989 dann der endgültigen Trassenverlauf beschlossen: Verlängerung der U1 vom Rotkreuzplatz bis zum OEZ, und Fortsetzung der Olympialinie U3 über das OEZ bis zur S-Bahn in Moosach. Die Station OEZ wurde damit zum Kreuzungsbahnhof. Verwirklicht wurde das Projekt in mehreren Etappen, 2010 rollte schließlich die erste U-Bahn bis nach Moosach.
Der dreigeschossige Bahnhof mit Sperrengeschossen, Bahnsteighalle U1 und Bahnsteighalle U3 ist in Schlitzwand-Deckelbauweise gebaut worden. Diese Baumethode ist beim Münchner U-Bahn-Bau Standard, denn sie ermöglicht unter anderem große, stützenfreie Räume und eine gute Übersichtlichkeit; Faktoren, die wesentlich zum Gefühl von Sicherheit bei den Fahrgästen beitragen. Die zentrale Schalterhalle zeichnet sich durch eine architektonische Besonderheit aus: mit einer Spannweite von über 17 Metern ist sie die größte freitragende Stahlbetondecke im Münchner U-Bahn-Bau. Ein weiteres Novum im Münchner U-Bahn-Bau ist die unterirdische Bike & Ride-Anlage mit rund 400 Fahrrad-Stellplätzen.
Die Planung des Innenausbaus erfolgte durch das Münchner Büro Betz Architekten. Sie hatten die Idee, die Wandflächen mit plastisch geformten Edelstahlblechen zu verkleiden. Die seidenmatt schimmernden Bleche sind in der Bahnsteighalle der U3 pyramidenförmig und in der Bahnsteighalle der U1 vertikal gefaltet. Dies erleichtert den Fahrgästen die Zuordnung der Bahnsteighallen. 14 Edelstahlspiegelstreifen an Wänden und Decken gliedern die Bleche rhythmisch. Die Tiefe des cirka 100 Meter langen Raumes wird dadurch perspektivisch gesteigert und ist von stimmungsvollen Licht- und Farbreflexen begleitet. In den Schalterhallen sind die Wände mit Granit im freien Verband und den Treppenschrägen folgend mit verschieden großen Steinformaten belegt. Die Architekten haben auf abgehängte Decken verzichtet. Der puristische blaue Anstrich des Konstruktionsbetons steht in Kontrast zu den hochwertigen Verkleidungselementen und Beleuchtungskörpern. Die orangenen Brüstungen und Treppen bilden wiederum einen farblichen Kontrast zum blauen Anstrich, die Fahrgäste können sich somit gut orientieren.
Professor Olaf Metzel bezieht in sein Projekt die Säulenreihe in der Schalterhalle ein, ein für U-Bahnhöfe charakteristisches Element. Die vier Säulen sind sowohl in der Schalterhalle als auch von den Bahnsteigen gut sichtbar. Sie werden zum Bestandteil einer Skulptur, indem der Künstler sie mit einem umlaufenden Band von Autobahnleitplanken zusammenfasst. Olaf Metzel thematisiert mit dieser Arbeit nicht nur das Umsteigen zwischen den beiden U-Bahnlinien, sondern pointiert auch den Wechsel von der Straße zur Schiene.
Fotos: Betz Architekten