Das Dokumentationszentrum soll Bildungseinrichtung, Ausstellungs- und Veranstaltungsort für die kritische Auseinandersetzung mit der Rolle Münchens während des Nationalsozialismus sein.
Im April 2008 gab der Münchner Stadtrat den Startschuss für die Auslobung des Architekturwettbewerbs und damit für die Realisierung des NS-Dokumentationszentrums. Über sechzig Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs nimmt diese Einrichtung damit Gestalt an – auch dank eines starken bürgerschaftlichen Engagements.
Insgesamt haben sich 115 Architekturbüros beworben. Ein Auswahlgremium aus Vertretern des Baureferates sowie der freien Architektenschaft wählte daraus 63 geeignete Büros aus. Per Losverfahren wurden von diesen unter notarieller Aufsicht 50 Teilnehmer ermittelt. Darüber hinaus wurden zehn international renommierte Architekturbüros zum Wettbewerb zugeladen. Nach ihrer ersten Sitzung am 23. Januar 2009 vergab die Jury unter Vorsitz von Professor Peter Kulka in einer zweiten Preisgerichtssitzung am 6. März 2009 folgende drei Preise, einen Sonderpreis und zwei Anerkennungen.
Gegenstand und Zievorstellungen des Wettbewerbs
Ziel des Wettbewerbs ist der Neubau eines NS-Dokumentationszentrums in München als moderner und zukunftsfähiger Lernort von überregionaler und internationaler Bedeutung. Dieser widmet sich der Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit der herausragenden Rolle der Stadt für den Nationalsozialismus.
Der besondere Anspruch der neuen Einrichtung besteht darin, die Erinnerung an die Zeit und Geschichte des Nationalsozialismus topographisch zu verankern. Gebäude, Ausstellungen, Seminar und Veranstaltungsprogramm sollen die historische Topographie sowohl der unmittelbaren Umgebung als auch ganz Münchens aufnehmen. Die historische Bedeutung des Standortes auf dem Gelände der ehemaligen Parteizentrale der NSDAP, dem „Braunen Haus“, erfordert eine besondere Sensibilität der Gestaltung und eine deutliche Auseinandersetzung mit diesem Ort der Täter. Die Architektur des Gebäudes und die Gestaltung des Außenraums müssen den fundamentalen Bruch mit der Geschichte des Standortes und zu den überlieferten NSDAP-Verwaltungsbauten in der Nachbarschaft eindrücklich kenntlich machen.
Das Dokumentationszentrum vereint die Funktionen eines Ausstellungsortes und einer Bildungseinrichtung. Es soll ein lebendiger, alle Generationen ansprechender Ort der historisch-politischen und demokratischen Bildung, der Erinnerungsarbeit, der kritischen Auseinandersetzung und der Diskussion über die Geschichte des Nationalsozialismus werden. Aktuelle Bezüge sollen dabei hergestellt werden. Das Haus sollte zugleich als städtischer Veranstaltungsort zu diesem Themenbereich vielseitig nutzbar sein. Aufgrund der unterschiedlichen Aufgaben muss sich das Gebäude durch eine hohe Multifunktionalität und Flexibilität auszeichnen und die verschiedenen Anforderungen funktional miteinander verbinden oder verschränken. Es soll eine sensible, auf den Lern- und Bildungscharakter eingehende Architektur, kein Repräsentations- bzw. Denkmalbau entstehen.
Die Eröffnung des NS-Dokumentationszentrums ist voraussichtlich im Frühjahr 2014.
Architekten in zwingender Arbeitsgemeinschaft mit Landschaftsplanern
| Erster Preis | |
| Georg Scheel Wetzel Architekten Mitarbeit: Weidinger Landschaftsarchitekten, | Informationen zum Entwurf |
| Zweiter Preis | |
| Lamott Architekten BDA Stötzer und Stötzer Landschaftsarchitektur Mitarbeit: Heinz Stadler, Lynh Nguyen, Felix Yaparsidi Fachplaner: Transsolar (Energieplanung, Stuttgart) | Informationen zum Entwurf |
| Dritter Preis | |
| Kusus + Kusus Architekten Frank Kiessling Landschaftsarchitekten | Informationen zum Entwurf |
| Sonderpreis | |
| Busmann + Haberer Gesellschaft von Architekten mbH Berlin Bernard:Sattler Landschaftsarchitekten Mitarbeit: Ronny Huse, Johann Plagemann (B+H Architekten), Beratung: Dr. Jan Wurm, Arup Materials Berlin, | Informationen zum Entwurf |
| Anerkennung | |
| Burger Rudacs Architekten Freilich Landschaftsarchitektur Mitarbeit: Dipl. Ing. André Frühoff | Informationen zum Entwurf |
| Anerkennung | |
| Schultes Frank Architekten Dipl. Ing. Hannelore Kossel, Landschaftsarchitektin, Berlin Mitarbeit: Sören Timm, Monika Bauer, Anna Hougaard, | Informationen zum Entwurf |
Empfehlung
Das Preisgericht empfiehlt dem Auslober einstimmig, die Verfasser der mit dem ersten Preis ausgezeichneten Arbeit mit den weiteren Planungsleistungen zu beauftragen. Dabei sollen die in der Beurteilung formulierten Anmerkungen bei der weiteren Planung besondere Beachtung finden. Das Preisgericht empfiehlt eine dementsprechende Überarbeitung der Arbeit.