Stationen von Benedikt XVI. in München
Foto: Agência Brasil / Ricardo Stuckert/PR, Wikipedia
Am Donnerstag, 28. Februar legte Papst Benedikt XVI. sein Amt nieder, um genau 20 Uhr endete das Pontifikat. Das Erzbistum München und Freising feierte an diesem historischen Tag Gottesdienste, bei denen für das Wirken des Papstes gedankt wurde. Am Mittwoch zeigte sich Benedikt XVI. noch einmal den Gläubigen bei einer Generalaudienz auf dem Petersplatz. Tausende Gläubige nahmen dort Abschied vom Kirchenoberhaupt. Ein Video und Worte von der Generalaudienz, wie und wo Benedikt XVI. den letzten Tag verbrachte, was er danach macht und alles Wichtige zum Rücktritt...
Die letzten Tage Benedikts im Amt des Papstes
Am Mittwoch, den 27. Februar, hielt der Papst seine letzte Generalaudienz im Vatikan ab. Dabei verabschiedete sich Benedikt XVI. von den Gläubigen auf dem Petersplatz und in aller Welt.
Video: Papst Benedikts letzte Generalaudienz
Papst Benedikt richtet sich an die deutschsprachigen Gläubigen. (Quelle: Sankt Michaelbund)
Foto: D. Iliff (License: CC-BY-SA)
Bei bestem Wetter hatten sich auf dem Petersplatz tausende Gläubige versammelt um die Ansprache des Papstes zu hören. Mit dem Papamobil kam Benedikt XVI. mit einigen Minuten Verspätung unter dem Jubel der Massen an. Zu Beginn der Generalaudienz wurde der Brief des Apostel Paulus an die Kolosser in mehreren Sprachen verlesen.
In einer 17-minütigen Ansprache wandte sich das scheidende Kirchenoberhaupt dann an die Gläubigen. "In den letzten Monaten habe ich empfunden, dass meine Kräfte nachlassen", sagte der Papst. "Ich habe die Entscheidung getroffen - im vollen Bewusstsein der Schwere der Entscheidung." Dennoch sei sein Herz voller Dank Gott gegenüber, so Benedikt XVI. Aus aller Welt hätten ihn in den letzten Wochen "rührende Zeichen der Freundschaft, Aufmerksamkeit und des Gebets" erreicht.
Am Ende der Ansprache gab es auf dem Petersplatz frenetischen Jubel. Die Blaskapelle Traunstein spielte für Papst Benedikt XVI. die Bayern-Hymne - das Kirchenoberhaupt bedankte sich auf Deutsch ausdrücklich bei den Musikern. Die Generalaudienz endete mit dem Vaterunser. Dann spendete Papst Benedikt XVI. dort den Gläubigen ein letztes Mal seinen Segen.
Wegen des großen Interesses war das letzte Treffen der Gläubigen mit dem katholischen Kirchenoberhaupt von der Audienzhalle auf den Petersplatz verlegt worden. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer reiste mit seiner Frau Karin nach Rom. Seehofer bedankte er sich beim scheidenden Papst. Bayern und Deutschland seien ihm "sehr, sehr dankbar". "Die Bayern sind aber auch traurig", fügte er hinzu. Seehofer überbrachte dem Papst Grüße von Bundespräsident Joachim Gauck. Zum letzten öffentlichen Auftritt von Benedikt XVI. reisen auch Vertreter der Erzdiözese München und Freising an, mit dabei ist auch Erzbischof Kardinal Reinhard Marx.
Gottesdienste in München zum Ende des Pontifikats
Als Papst Benedikt um 28. Februar um 20 Uhr den Fischerring ablegte, war er mit seinen engsten Mitarbeitern bereits in der Sommerresidenz Castel Gandolfo - ganz ohne Feier. Schon vormittags um 11 Uhr verabschiedete sich der scheidende Papst von den Kardinälen und verließ gegen 17 Uhr seine Wohnung im Apostolischen Palast.
Fast zeitgleich mit dem Ende des Pontifikats erinnerte das Erzbistum München und Freising an das Wirken von Benedikt XVI. - mit zwei Gottesdiensten. Im Münchner Liebfrauendom zelebrierte Dompropst und Weihbischof Bernhard Haßlberger, im Freisinger Mariendom Domrektor Rainer Böck. In vielen anderen Kirchen in Bayern wurden ebenfalls am Abend Gottesdienste gefeiert.
Der emeritierte Papst darf sich weiterhin Seine Heiligkeit Benedikt XVI nennen. In Zukunft wird der einstige Theologieprofessor eine Wohnung in einem Kloster im Vatikan beziehen. Der 85-Jährige hat sich vorgenommen dort weiter wissenschaftlich zu arbeiten.
Amtsverzicht des bayerischen Papstes
Historisches Ereignis im Vatikan: Am 11. Februar 2013 verkündete Papst Benedikt XVI. überraschend seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen. "Ich gehe zum Wohl der Kirche", begründete Papst Benedikt seinen Entschluss.
Am Aschermittwoch trat Papst Benedikt erstmals nach seiner Rücktrittsankündigung öffentlich auf. Bei der Generalaudienz in Rom begrüßte er am Vormittag tausende Gläubige, dankte den Menschen für ihre Zuneigung und erklärte noch einmal seinen Gesundheitszustand als Grund für seine Entscheidung. Am Abend hielt Papst Benedikt seine letzte öffentliche Messe im Petersdom mit der Aschermittwochs-Liturgie, um die Fastenzeit einzuläuten. Am 27. Februar 2013, einen Tag vor seinem offiziellen Amtsverzicht, wird er sich in Rom offiziell mit einer Generalaudienz von den Gläubigen verabschieden.
Leben nach dem Amtsverzicht
Benedikt ist erst der zweite Papst in der Geschichte, der freiwillig vorzeitig aus dem Amt scheidet. Das erste Mal liegt mit dem Rücktritt von Papst Coelestin V. im Jahre 1294 (nach nur einem halben Jahr Amtszeit) mehr als 700 Jahre zurück. Deshalb ist momentan noch unklar, welche Zuwendungen Papst Benedikt nach seinem Rücktritt erhält. Nach gängiger Kirchenpraxis müsste er mit der Scheidung aus seinem Amt den Titel "Emeritus" annehmen.
Sicher ist, dass Papst Benedikt auch nach seinem Rücktritt sein Leben der Kirche widmet. Er wolle auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen, erklärte er in seiner Rede. Wie ein Sprecher mitteilte, wird Papst Benedikt dann voraussichtlich in einem Kloster innerhalb des Vatikans leben.
Der 1927 als Josef Ratzinger in Marktl am Inn geborene Papst war zeit seines Lebens mit München verbunden: Von 1977 bis 1982 war er Erzbischof von München und Freising. Am 19. April 2005 wurde er zum Papst gewählt und besuchte während seines Pontifikats einmal auch seine ehemalige Wirkungsstätte.
Wenn ein Papst stirbt, so ein alter Brauch, wird in der Kirche St. Peter die Tiara von der Petrusfigur am Hochaltar genommen - bis zur Wahl eines neuen Pontifex - so auch nach dem Rücktritt von Benedikt. Der Erzbischof von München und Freising Reinhard Kardinal Marx nimmt an der Papstwahl in der Sixtinischen Kappelle teil, im März tritt das Konklave in Rom zusammen und wählt den neuen Papst hinter verschlossenen Türen. Allerdings könnte das Konklave durch Anweisung von Papst Benedikt vorgezogen werden, wenn alle Kardinäle rechtzeitig eingetroffen sind. Reinhard Marx' Vorgänger Friedrich Kardinal Wetter ist wegen seines Alters jedoch nicht mehr wahlberechtigt.
Würdigung durch Erzbischof Marx
Der Erzbischof von München und Freising, Reinhard Kardinal Marx, würdigte am 11. Februar seinen Vorvorgänger:
„Heute hat Papst Benedikt XVI. seinen Rücktritt zum 28. Februar bekannt gegeben. Diese Entscheidung erfüllt mich als Erzbischof von München und Freising mit tiefem Bedauern, aber auch mit großem Respekt. Benedikt XVI. hat die Weltkirche nun acht Jahre lang mit höchstem Einsatz geführt und entscheidend mit seiner klaren Theologie geprägt. Wir als seine bayerische Heimatdiözese fühlen uns ihm als Priester und vormaligem Erzbischof des Erzbistums München und Freising auch in dieser Stunde eng verbunden. Wir sind voll des Dankes für sein segensreiches Wirken als Oberhaupt der katholischen Kirche, und wir blicken zugleich auf die vielen wertvollen Begegnungen mit ihm während seines Pontifikats zurück.
Ich erinnere hier gerne an seinen Besuch in Bayern im Jahr 2006, an den Deutschlandbesuch 2011 oder an die Pilgerreisen unserer Erzdiözese nach Rom, beispielsweise im vergangenen Sommer zur Feier seines 85. Geburtstags. Wir wollen uns für die Zukunft unserer Kirche weiter von der bedeutenden Theologie Benedikt XVI. inspirieren lassen. Im Gebet sind wir alle als Erzdiözese bei ihm. Wir bleiben mit ihm auch über den Rücktritt hinaus verbunden.“ (Quelle: Erzbistum München und Freising)
Papst Benedikts Leben und Wirken in München
Die Stadt München spielte im Leben von Papst Benedikt XVI. eine wichtige Rolle. Studium, Kaplanzeit und Erzbischoftum banden Joseph Ratzinger an die Bayerische Landeshauptstadt. Als Papst kehrte er 2005 für einen Besuch in das Herz seiner bayerischen Heimat, nach München, zurück.
Im Jahr 1927 wurde Joseph Aloisius Ratzinger in Marktl am Inn geboren, wo er auch aufwuchs. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs war Ratzinger dann für kurze Zeit in München stationiert. Von 1946 bis 1959 lebte und wirkte er durchgängig in München und Freising. In dieser Zeit nahm Ratzinger sein Studium an der LMU auf, erhielt 1951 im Freisinger Dom die Priesterweihe und wurde 1957 zum Professor für Fundamentaltheologie habilitiert. Als Kaplan war Ratzinger in dieser Zeit in der Sankt Martin Kirche in Moosach und in Hl. Blut in Bogenhausen tätig.
1977 führte ihn die Ernennung zum Erzbischof von München und Freising wieder in die bayerische Hauptstadt. Bereits vier Jahre später verließ er München erneut: Ratzinger wurde zum Präfekten der Katholischen Glaubenskongregation in Rom bestimmt.
Am 19. April 2005 wählte ihn das Konklave nach dem Tode seines Vorgängers Johannes Paul II. zum Papst, fortan nannte Kardinal Ratzinger sich Benedikt XVI. Ein Jahr später, vom 9. bis 14. September 2006, besuchte er seine alte Heimat Bayern, die ersten beiden Tage verbrachte er in München. Am 9. September wurde Benedikt auf dem Marienplatz empfangen, am 10. September zelebrierte er einen Gottesdienst auf dem Messegelände in Riem. Voraussichtlich war dies aus Altersgründen sein letzter Besuch in Bayern und München.



