Was sind eigentlich Viktualien? Ein Lateinlehrer könnte uns da weiterhelfen. Der Begriff leitet sich nämlich vom spätlateinischen Wort victus ab, was soviel wie „Vorräte“ oder „Lebensmittel“ bedeutet. Auf 22.000 Quadratmetern gibt es im Herzen Münchens ein reichhaltiges Angebot an frischen Produkten, die nicht nur den Gaumen, sondern auch alle übrigen Sinne erfreuen und das Leben versüßen. Bäcker, Metzger, Fischhändler, Feinkostläden und Blumenstände machen den Viktualienmarkt zum herausragenden Wahrzeichen Münchens – und das seit über 200 Jahren.
Bis zum 2. Mai 1807 diente der Marienplatz (damals noch Schrannenplatz) als Handelsort für Getreide und andere Agrarerzeugnisse. Mit der Zeit wurde dieser jedoch zu klein und deshalb beschloss König Max I. Joseph den Marktplatz um das Gebiet neben dem Heilig-Geist-Spital zu erweitern. Das Spital wurde 1885 abgerissen und die gleichnamige Kirche in Richtung Westen verlängert. Langsam näherte sich der Platz jener Struktur, wie sie auch heute noch besteht und wurde zur „guten Stube“ Münchens.
In den Folgejahren erlebte der Viktualienmarkt seinen Aufstieg, aber auch einen gravierenden Tiefpunkt durch seine Zerstörung im zweiten Weltkrieg. Neue Verkaufshallen und „Standl“ (bayrisch für Stände) wurden errichtet: der Fischmarkt bekam 1855 seinen Standort in der Westenriederstraße. Später kamen noch die Bankmetzgerhalle, Brotläden, eine eigene Halle für Nordseefischerei und die Ladenbauten für den Obstverkauf dazu. Geflügel- und Wildbrethändler, die Petersberglmetzger und die Blumenfrauen nahmen ihre neuen Plätze ein. Während zuvor noch die Verkaufsstandorte jeden Tag neu vergeben wurden, gibt es auf dem Viktualienmarkt seit 1870 feste Stände.
Während des zweiten Weltkrieges wurde der Viktualienmarkt bei Luftangriffen so schwer beschädigt, dass man kurzeitig sogar von einer Wiedererrichtung abkam, um in Bestlage Hochhäuser errichten zu können. Zum Glück wurde der Vorschlag von der Stadtverwaltung rechtzeitig abgelehnt. Der gute alte Viktualienmarkt konnte rekonstruiert und wieder aufgebaut werden. Auch die an den Viktualienmarkt angrenzende Schrannenhalle wurde 2005 wieder errichtet, nachdem sie bei einem Brand im Jahr 1932 fast völlig zerstört worden war.
Mit dem Wirtschaftswunder in den 1950er Jahren entwickelte sich der Viktualienmarkt zum Münchner Schmankerlparadies. Feinkostwaren aus aller Welt reihten sich immer öfter in das einheimische Angebot von Holzofenbrot bis Leberkäs ein. Von italienischen Antipasti und exotischen Früchten und Säften über selten erhältlichen Gewürzen bis hin zu den originellsten Käsesorten – auf dem Viktualienmarkt findet man heutzutage alles, was das Feinschmeckerherz begehrt und das Markttreiben bunter macht.
Autor: St.St.





