Starkbierfeste - Tradition und Biere

Starkbierfeste: Tradition und Biere

Alles hat seine Zeit. Nach dem Ende der Faschingszeit beginnt in Bayern die Zeit des Starkbieres, die anno dazumal die Fastenzeit erträglicher machen sollte. Deshalb musste ein Bier her, das stärker war als alle anderen, stark und kalorienreich genug, um die Zeit der Enthaltsamkeit überbrücken zu können. Die Paulanermönche waren die ersten, die für die fromme Frühjahrskur einen Doppelbock brauten, der auf den ehrwürdigen Namen „Sankt Vater“ getauft wurde. Später machte der Volksmund daraus den Namen „Salvator“.

Auch die anderen Münchner Brauereien kamen auf den Geschmack des herb-süßlichen Energietrunks und zogen nach. Nachdem sich die Paulaner den heiligen Namen ihres „flüssigen Brotes“ hatten schützen lassen, wurde man erfinderisch und weitere, zum Teil römisch- heroisch anmutende Starkbiernamen entstanden: sie heißen Triumphator (Löwenbräu), Maximator (Augustiner), Unimator (Unionsbräu), und Animator (Hacker Pschorr). Die Perlacher Forschungsbrauerei Jakob zeigte sich besonders kreativ und entwickelte mit „St. Jakobus“ den einzigen blonden Doppelbock unter den vornehmlich dunklen Gerstensäften.

Wo getrunken wird, muss auch gefeiert werden, trotz Fastenzeit. Die Starkbierfeste in den Münchner Brauereiwirtshäusern sind legendär und weit über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt. Allen voran steht das berüchtigte Nockherberg-Spektakel. Dort wird zur Starkbierprobe geladen, zu der sich der Bayerische Ministerpräsident persönlich begibt. Wie früher dem Kurfürsten reicht ihm der Brauereichef die erste Maß mit den Worten: Salve pater patriae! Bibas, princeps optime! (lat. „Sei gegrüßt, Vater des Vaterlands! Trinke, bester Fürst!) Danach werden ihm, wie auch den anderen Staatsgrößen, beim traditionellen Politiker-Derblecken die Leviten gelesen.

In den Löwenbräukeller holt man sich zum Starkbier die stärksten Männer, die auf der Bühne den traditionellen Wettbewerb im Steinheben austragen. Ein 508-Pfünder muss dabei in die Höhe „gelupft“ und so die kräftigende Wirkung des Starkbieres unter Beweis gestellt werden. Zünftig gefeiert und getrunken wird auch im Augustinerkeller, im Unionsbräu Haidhausen und in der Perlacher Forschungsbrauerei.

Wenngleich das untergärige Doppelbockbier der Tradition nach dem leiblichen Wohl genügen sollte, werden bei den Starkbierfesten die Speisekarten nicht versteckt. Schließlich ist bei der etwas höherprozentigen Bierspezialität (zwischen sieben und acht Prozent Alkoholgehalt) auch eine gute kulinarische Grundlage erforderlich, die einem dann wiederum mehr Starkbier aufnehmen lässt. Zum Fasten sollte man dann doch lieber zu Hause bleiben.

Autor: St.St.