Derblecken und Singspiel: So war der Starkbier-Anstich auf dem Nockherberg

Die Schauspielerin Luise Kinseher spricht beim traditionellen "Politiker-Derblecken" am Münchner Nockherberg als Bavaria bei der Fastenpredigt, Foto: dpa
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Kinseher schenkt beim Salvator-Anstich letztmals kräftig ein

(1.3.2018) Es ist das Kult-Event in der Fastenzeit: Salvatoranstich auf dem Nockherberg! Beim Derblecken schenkte Luise Kinseher den Politikern ordentlich ein. Und sorgte für eine Überraschung: "Mama Bavaria" verkündete ihren Abschied vom Nockherberg! Das anschließende turbulente Singspiel wurde zum Western-Showdown. Das waren die besten Sprüche und Highlights...

Impressionen: Gute Stimmung und bissige Beiträge am Nockherberg

So bissig war die Fastenpredigt von "Mama Bavaria"

Prost! Horst Seehofer (r) und Markus Söder (l) beim Starkbieranstich., Foto: muenchen.de/ Dan Vauelle
Foto: muenchen.de/ Dan Vauelle

In kaum einem Jahr gibt es so viele Vorlagen für "Mama Bavaria" alias Luise Kinseher: Die turbulente Machtübergabe von Ministerpräsident Horst Seehofer an Markus Söder in Bayern oder die Wirren um Jamaika und die GroKo im Bund. "Wir haben Kultveranstaltung in Bayern und der Nockherberg ist eine dieser Kultveranstaltungen", freute sich Horst Seehofer schon vor der Fastenpredigt - und das obwohl er als Noch-Ministerpräsident dabei natürlich im Fokus stand.

"Noch nie gab es in Bayern so viele Ministerpräsidenten - einen amtierenden und einen gefühlten", legte Kinseher auch gleich los. Und: "Wer setzt sich schon gern auf einen Stuhl an dem er so lange gesägt hat?", spottete Mama Bavaria - denn ganz vorne im Saal saß ja Seehofer als Noch-Ministerpräsident und nicht Markus Söder. Angesichts des neuen potentiellen Amts Seehofers als Heimatminister in Berlin fragte sich die Kabarettistin: "Wie fühlt sich jetzt da so ein Oberlausitzer? Kaum ist der Russe weg, kommt der Bayer!"

Markus Söder habe die Amtszeit als Ministerpräsident auf zehn Jahre begrenzt, sagte Kinseher und teilte in Richtung des designierten Ministerpräsidenten aus: "Du Optimist!" Das sei genauso, als setze sich eine Eintagesfliege für die Viertagewoche ein. Auch Ex-Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) bekam sein Fett ab. Dessen umstrittenen Ausspruch der "konservativen Revolution" könne man allerdings nur ohne Geschichtskenntnisse machen. Dobrindt sei einfach "der Erfinder der scharfen Platzpatrone".

Foto: Im Mittelpunkt der Fastenpredigt - Horst Seehofer (r.) und Markus Söder (l).

Letzte Fastenpredigt - Standing Ovations für Luise Kinseher

Nockherberg: Luise Kinseher, Foto: muenchen.de/ Dan Vauelle
Foto: muenchen.de/ Dan Vauelle

Auch das aus den Nähten platzende München war ein Thema von Kinseher (Foto). 5,5 Milliarden wolle Münchens OB Dieter Reiter in den Ausbau der U-Bahn stecken. "In den Boden! Stell dir mal vor, der König Ludwig hätte statt Neuschwanstein einen Radlkeller gebaut", so die Kritik an die Adresse des Stadtoberhaupts. So werde das mit dem Ruhm nie etwas.

"Wir haben in Bayern so viele Menschen integriert. Wieso integrieren wir nicht mal die Frauen?", schlug Kinseher gegen Ende vor. In Richtung von Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) meinte die Kabarettistin: "Und dann kommst Du". Bayern sei ohnehin im Umbruch. Ein Umbruch, der sich auch auf dem Nockherberg abzeichnen wird. Denn die achte Fastenpredigt war die letzte von Luise Kinseher, die dem überraschten Publikum ihren Abschied verkündete. "Ihr müsst jetzt ohne mich zurecht kommen", sagte Mama Bavaria und schlug Horst Seehofer einen gemeinsamen Malkurs und Gesprächstherapie in der Toskana vor. Vom Publikum gab es großen Applaus und Standing Ovations. "Acht Jahre sind genug", sagte Kinseher nach ihrer Predigt im BR. Walter Sedlmayr habe es neun Jahre gemacht, ihn habe sie nicht überflügeln wollen.

Video: Fastenpredigt und Singspiel in voller Länge

Singspiel im Stil der Spaghetti-Western: "Die glorreichen Sieben"

Nockherberg: Singspiel "Die glorreichen Sieben", Foto: muenchen.de/ Dan Vauelle
Foto: muenchen.de/ Dan Vauelle

Fulminant ging es dann beim Singspiel weiter, für das diesmal das neue Autorenduo Richard Oehmann und Stefan Betz verantwortlich war. "Die glorreiche 7" trat am Anfang dezimiert auf: Horst Seehofer, Markus "El Marco" Söder und Ilse Aigner - beziehungsweise ihre Darsteller - standen nur als "glorreiche 3" auf der Bühne. Grund: "Wir sind in unseren eigenen Kugelhagel geraten" - ein Anspiel an die Machtkämpfe in der CSU bei der Nachfolge von Ministerpräsident Horst Seehofer. Erster Neuzugang bei den Glorreichen war dann Grünen-Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter - auf einem Steckerlpferd. Seine Waffe: "Der Humor" - Gelächter im Publikum.

Für den Bühnen-Seehofer gab es einen Westernsong von "El Marco" Söder: "Sieh' es ein, alter Horst, Du musst jetzt gehen" schallte es von Söder-Double Stephan Zinner durch den Saal, nachdem kurz vorher ein Duell gerade noch einmal abgewendet wurde - der Ohrwurm des Abends. Doch natürlich: Horst wollte nicht gehen. Auch der Chor in Richtung Seehofer "Wir haben Dich gerne - aus der Ferne" half da erst einmal nichts.

Dann noch der umjubelte Auftritt der Angela Merkel als Femme fatale des Westernsaloons, den "El Marco" kommentierte: "Seit 12 Jahren das gleiche Programm".

Uschi Glas tritt beim Singspiel als Apanatschi auf

Nockherberg: Uschi Glas, Foto: muenchen.de/ Dan Vauelle
Foto: muenchen.de/ Dan Vauelle

Am Ende kam es fast zum irren Shoot-Out unter den glorreichen 7 - obwohl Natascha Kohnen und Anton Hofreiter diesen so gar nicht gut fanden. Unterbrochen wurde der Showdown in letzter Sekunde von einer besonderen Überraschung: Schauspielerin Uschi Glas als Apanatschi (Foto), die mittlerweile die Stadt von OB Dieter Reiter gekauft hatte. Weil zum Schluss alles nur noch drunter und drüber ging, übergab Horst Seehofer dann doch an den Revolverhelden "El Marco". Und Seehofer verabschiedete sich mit Angela Merkel in die Hauptstadt.

"Es war insgesamt eine riesige schauspielerische Leistung - und urig", sagte Noch-Ministerpräsident Horst Seehofer nach dem Singspiel . Den Auftritt von Uschi Glas fand der CSU-Chef eine "nette Idee". "Uschi Glas hat das grandios gemacht", lobte Münchens OB Dieter Reiter und nannte das Singspiel "großes Kino".

Das Starkbierfest hat begonnen - alle Infos

Tatsächlich ist die Salvatorprobe nicht in erster Linie eine Kabarett-Veranstaltung, sondern ein Starkbieranstich. Heißt: bevor die saftigen Sprüche durch den Saal geschleudert wurden, musste erst das Fass angezapft werden. Mit dem Anstich hat das Starkbierfest auf dem Nockherberg begonnen - es läuft täglich vom 2. bis 25.3.2018 unter dem neuen Wirte-Duo Christian Schottenhamel und Florian Lechner.

Der Brauereichef übergab traditionell nach dem Anstich mit den Worten "Salve pater patriae! Bibas princeps optimae!" ("Sei gegrüßt Vater des Vaterlandes! Trinke bester Fürst!") dem Bayerischen Ministerpräsidenten die erste Maß zum Probieren (Foto Andreas Steinfatt Horst Seehofer). Dieser Brauch geht auf den Ursprung des Salvatorbiers zurück: Im Jahr 1751 soll Paulaner Mönch und Braumeister Bruder Barnabas mit eben diesen Worten Kurfürst Maximilian III. Joseph die erste Maß eingeschenkt haben. Der Anstich war wie immer leider nur für geladene Gäste.

Mehr Infos zum Starkbierfest

Woher kommt die Tradition des Derbleckens und wer durfte schon derblecken?

Luise Kinseher als Mama Bavaria, Foto: BR/sampics/Stefan Matzke
Foto: BR/sampics/Stefan Matzke

Die Starkbierprobe hat in München eine lange Tradition: War es ursprünglich der Wirt, der die Gäste derbleckt hat, machte der Münchner Humorist Jakob Geis das Derblecken 1891 bei einer Starkbierprobe auf dem Nockherberg zu einer festen Tradition.

Seitdem ist es für die jeweiligen Festredner sowohl eine Ehre als auch eine Herausforderung, den Politikern bissig und humorvoll den Spiegel vorzuhalten. Vor allem, weil der Bayerische Ministerpräsident und zahlreiche Kollegen aus der Bundes- und Landespolitik persönlich anwesend sind. Auch die müssen allerdings einstecken können und live im TV ihren Humor beweisen. Motto: Gute Miene zum bösen Spiel...

Die Riege der früheren Festredner liest sich wie ein "Who is who" der Münchner Volkskultur: Adolf Gondrell, der Roider Jackl, Walter SedlmayrMichael Lerchenberg und Bruno Jonas standen schon auf der Paulaner-Bühne. Max Grießer schuf 1992 die Rolle des "Bruder Barnabas“, in Anlehnung an den historischen Paulaner-Mönch Frater Barnabas, auf den das Rezept des Salvators zurückgehen soll.

Nach 16 Männern hatte seit 2011 nun erstmals eine Frau das Sagen: Schauspielerin und Kabarettistin Luise Kinseher war als "Mama Bavaria" die gütige Landesmutter - zumindest, wenn ihr danach ist. Allerdings schlugen ihr die Kapriolen unserer Spitzenpolitiker ziemlich aufs Gemüt. Nach acht Auftritten als Mama Bavaria gab Kinseher nun ihren Rücktritt bekannt.

Mehr zum Starkbier und weitere Veranstaltungen

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