Lustig, dramatisch, gefühlvoll, politisch: Die Türkischen Filmtagen im Gasteig geben vom 17. bis 26.3.2017 Einblicke in das türkische Kino mit 12 Spielfilmen und 5 Dokumentationen. Vielfach prämierte Filme zeigen die Facetten des Landes am Bosporus auf und vermitteln die Gegensätze zwischen der finanziell aufstrebenden städtischen Kultur und der armen Bevölkerung vom Land.

Dramen im armen Anatolien und dem reichen Istanbul

Szene aus "Oh this mortal world" (Ah yalan dünyada)
Szene aus "Oh, this mortal world"

Eröffnungsfilm der Türkischen Filmtage ist am 17.3. das Drama "Das blaue Fahrrad" von Ümit Köreken, das auf der Berlinale 2016 lief. Der 12-jährige Junge Ali stammt aus einer armen Familie und kämpft für die Schülersprecherin Elif, die durch eine Intrige ihr Amt verliert und in die er heimlich verliebt ist. Seine Sehnsucht gilt nicht nur der Gerechtigkeit, sondern auch einem Fahrrad, auf das er spart - doch er ist zu einem Opfer bereit.

Eine Coming-of-Age-Geschichte erzählt das Drama "Rauf" - in dem ein 9-jähriger aus Anatolien sich in ein weitaus älteres Mädchen verliebt und seiner Verehrten unbedingt ein Geschenk in der Farbe Pink machen möchte. Durch die Suche entdeckt er das Erwachsensein. In eine ganz andere Welt führt "The Swaying Waterlily": In einem reichen Stadtteil Istanbuls verliert sich ein Paar in der Routine des Alltags - er geht fremd, sie sucht nach intellektueller Beschäftigung. Dabei entfremden sie sich auch von vermeintlichen Freunden...

Die Dokumentation "Oh, this mortal world" (19.3.) porträtiert den poetischen Volkssänger Neşet Ertaş (1938-2012), der in den 1970er Jahren in der Türkei berühmt wurde und später jahrelang in Deutschland lebte, wo er die türkischen Gastarbeiter mit seiner Musik unterhielt.  

In den Spielfilmen und Dokumentationen der Filmtage zeigt sich die Zerrissenheit der Türkei zwischen einer reichen bürgerlichen, modernen Schicht und einer armen, rückständigen Landbevölkerung - beide können nicht mehr miteinander verständigen. Dabei spielen vor allem Kinder die Hauptrollen, die noch einen unschuldigen Blick auf die Gesellschaft haben und die eklatanten Gegensätze beim Erwachsenwerden schmerzhaft erfahren.

Die Filme werden im türkischen Original mit deutschen oder englischen Untertiteln gezeigt. Einige der Spielfilme werden zweimal aufgeführt. Die Festival-Party der Filmtage steigt am 25.3. ab 21 Uhr in der Uni-Lounge.

Programm der Türkischen Filmtage (PDF)

Geschichte und Intention der Filmtage

Szene aus "The Swaying Waterlily"
Szene aus "The Swaying Waterlily"

Seit 1989 finden die Türkischen Filmtage in München statt und sind mittlerweile ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt. Jedes Jahr werden Beiträge von noch jungen, unentdeckten türkischen Regisseuren und Filme aus der Türkei präsentiert. Seit den Anfängen des Festivals hat sich viel getan auf dem türkischen Filmmarkt: Während bis in die späten 90er Jahre das türkische Kino nicht am internationalen Markt orientiert war, und die Veranstalter für das Festival zunächst die Dialoge selbst übersetzten und über eine Synchronanlage einsprachen, feiern türkische Regisseure heute Erfolge auf internationalen Festivals.

Gefördert vom Münchner Kulturreferat, veranstaltet der Verein SinemaTürk Filmzentrum e.V. die Türkischen Filmtage. Er wurde Ende der 80er Jahre von filmbegeisterten türkischen und deutschen Münchnern gegründet und möchte der hiesigen Öffentlichkeit hochwertige türkischsprachige Filme bzw. Filme des türkischen Kulturkreises vorstellen, um auch auf diesem Gebiet für eine bessere Verständigung zwischen deutschen und türkischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern einzutreten.

Das könnte Sie auch interessieren

Top