Aerosmith rockten den Königsplatz

Sänger Steven Tyler (links) und Gitarrist Joe Perry von der amerikanischen Rockband Aerosmith bei der Abschiedstournee am 26.5.2017 auf dem Königsplatz in München, Foto: dpa
Aerosmith Open Air auf dem Königsplatz: Sänger Steven Tyler (links) und Gitarrist Joe Perry

Deutschland-Tournee-Auftakt in München

(27.5.2017) Mit einer krachenden Rockshow haben Aerosmith am Freitagabend in München ihre Deutschland-Tournee gestartet. Vor mehr als 22.000 Fans zeigten Frontmann Steven Tyler und Co. auf dem Königsplatz, dass sie alles andere als müde sind - wenngleich es ihre letzte Tournee sein soll.

Abschied bei Traumwetter

Die fünf rüstigen Rocker aus Amerika gaben bei Traumwetter auf dem Königsplatz immer noch eine verschworene Gemeinschaft ab: Joey Kramer, der bullige Schmied am Schlagzeug. Tom Hamilton, der von Krankheit gezeichnete Bassist - von Tyler als "Mr. Sweet Emotion" begrüßt - sowie Rhythmusgitarrist Brad Whitford, der den stets treuen Adjutanten gibt für den genialen Solisten Joe Perry. Und natürlich: Steven Tyler. Der alterslose 69-Jährige mit Kleidergröße 0 steuert und lenkt und dirigiert gut gelaunt und souverän Band und Fans am ausverkauften Königsplatz.

Keine Frage, er ist immer noch – sorry, Mick Jagger – der vielleicht beste Zampano im Rock-Zirkus. Nicht nur, weil er stimmlich noch immer absolut auf der Höhe der Zeit ist. Sondern auch, weil er seine Bühnenshow, als ehemaliger Schlagzeuger, präzise setzt, weil er Pausen schafft, reduziert, innehält – um urplötzlich wieder mit erigiertem Mikrofonstativ über die ausufernden Laufstege der Open-Air-Bühne zu hopsen. Zwischendurch bedient der Multi-Instrumentalist kompetent Percussion, Mundharmonika und Flügel.

Optisch und verbal lässt Tyler kaum ein Rocker-Klischee aus. Bunte Hippie-Klamotten am androgynen Körper, eine noch immer lange Mähne und selbstverständlich mehrfach das "f"-Wort: Wenn er das Publikum im "fuckin' München" begrüßt, ist das ähnlich nett gemeint, wie wenn er seinen Gitarristen konsequent mit "Joe fuckin' Perry" anspricht.

Steven Tyler sagt "Aero-Vederci Baby!" - aber vielleicht nicht endgültig

Aerosmith-Frontmann Steven Tyler
Aerosmith-Frontmann Steven Tyler (Archivbild)

Für ihre Abschiedstour hat die Anfang der 1970er Jahre gegründete Musiklegende Aerosmith natürlich alles im Programm, was gut und Hit ist: "Let The Music Do The Talking" eröffnet den Song-Reigen, es folgen Knaller und melodische Songs aus ihrer 45-jährigen Karriere wie "Cryin'", "Jaded", "Livin' On The Edge". Mit dabei: das Beatles-Cover "Come Together" und - natürlich - die hymnische Ballade "I Don't Want To Miss A Thing" aus der Feder der legendären Songschreiberin Diane Warren. Alles in allem ein Sound, der mal bluesgetränkter Rock, mal rockgetränkter Blues ist.

Ob der Name "Aero-Vederci Baby" wirklich Programm ist? Man mag es kaum glauben - und die Rocker offenbar auch nicht. Sie haben enormen Spaß an ihrem Job. Und vielleicht überlegen sie es sich ja doch noch einmal anders. "Man kann nie wissen", sagte Steven Tyler am Tag vor dem Konzert. Tiefenentspannt, höflich, gut gelaunt und geradezu liebenswürdig gibt sich die Rocklegende im Gespräch. Eines ihrer Ziele sei eigentlich gewesen, die "last band standing" zu sein. Und jetzt, nachdem die Band wieder einige Shows zusammen gespielt habe, seien sie gerade dabei, sich wieder ineinander zu verlieben.

Da scheint der Rücktritt vom Rücktritt jedenfalls möglich zu sein. Das dürfte vor allem die Band-Kollegen freuen. Im Interview reagieren die Herren auf Frage, warum sie aufhören wollen, ziemlich ratlos. "Wir lieben die Musik. Das ist es, was wir machen wollen", sagt Drummer Joey Kramer. Und auch Tom Hamilton und Brad Whitford sagen unisono: "Es gibt keinen Grund aufzuhören." Die Fans dürfen hoffen.

Vor ihrem Konzert in München kam die Kultband am Donnerstag bereits zu einem Fototermin im Hotel Mandarin Oriental zusammen und schickte einen Gruß an die Münchner Fans raus.

(muenchen.de / dpa)

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