Nach Abstiegs-Drama: So geht es bei den Löwen weiter

Die Gschäftsstelle des TSV 1860 München in der Grünwalder Straße., Foto: picture alliance / Pressefoto Ulmer
Die Geschäftsstelle des TSV 1860 München in der Grünwalder Straße

Markus Fauser übernimmt Geschäftsführer-Posten

(6.6.2017) Der TSV 1860 München hat einen neuen Geschäftsführer: Wie der Verein am Dienstag mitteilte, übernimmt Markus Fauser ab sofort das Amt. Seine wichtigste Aufgabe in den nächsten Tagen ist die Sicherung der Lizenz für die Regionalliga Bayern. Die Löwen haben zudem einen neuen Präsidenten - zumindest übergangsweise: Der bisherige stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende, Robert Reisinger, hat nun das Amt inne.

Das Wichtigste in Kürze

Neuer Geschäftsführer muss sich um Regionalliga-Lizenz kümmern

Der nächste Schritt in puncto Handlungsfähigkeit: Die Löwen haben nach dem Rücktritt von Ian Ayre wieder einen Geschäftsführer. Markus Fauser übernimmt ab sofort den Posten im geschäftlichen Bereich für die Profifußballgesellschaft mbH & Co..

Der 39-jährige Wirtschaftswissenschaftler muss sich zunächst um die Lizenz für die Regionalliga Bayern kümmern. Hierfür fungiert Fauser als Ansprechpartner auf Seiten des TSV 1860 für den Bayerischen Fußballverband, der demnächst über die Ligazugehörigkeit der Löwen entscheiden wird. Auch muss Fauser für die Einreichung des entsprechenden Antrags Sorge tragen.

Robert Reisinger ist übergangsweise neuer Präsident

„Mein Ziel ist es, mit Hilfe unserer exzellenten Jugendarbeit auch den Erwachsenenbereich wiederaufzubauen. Ich hoffe, dass die überwiegende Mehrheit der Mitglieder in dieser schwierigen Zeit hinter uns steht“, so zitiert der TSV 1860 München den neuen Übergangspräsidenten Robert Reisinger in einer Mitteilung. Darin heißt es außerdem: "Präsidium und Verwaltungsrat des e.V. werden nun im Rahmen ihrer Zuständigkeit alle Maßnahmen treten, um einen Neuanfang der ersten Mannschaft im Amateurbereich zu unterstützen. Als erste dieser Maßnahmen ist am 3. Juni 2017 die durchgeführte übergangsweise Bestellung von Robert Reisinger – bisher stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender – zum Präsidenten erfolgt. Robert Reisinger war auch schon von 2009 bis 2013 Leiter der Fußballabteilung und hat somit Erfahrung im Bereich des Jugendfußballs und im Verein."

Der TSV 1860 München hat sich außerdem gegen die Vorwürfe von Investor Hasan Ismaik gewehrt. "Wir nehmen befremdet zur Kenntnis, dass unser Mitgesellschafter öffentlich den Verein zum Sündenbock erklärt", heißt es in der Mitteilung. Und: "Es soll der Eindruck erweckt werden, die Führung des Vereins sei in den letzten Monaten untätig und nicht in der Lage gewesen, Probleme zu erkennen und anzugehen. Das Gegenteil ist richtig".

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) habe gegenüber dem Verein zu den von Ismaik geforderten Satzungs- und Zuständigkeits-Änderungen "ablehnend Stellung genommen", erklärte der Verein. "Es kann von uns nicht erwartet werden, dass wir diese gesetzlichen Regelungen ignorieren." Auch deshalb hätten die Forderungen nicht erfüllt werden können.

BFV wartet auf Antrag der Löwen für Regionalliga

Bei einer Pressekonferenz des Bayerischen Fußball-Verbands in München zur Situation beim TSV 1860 München, bezogen BFV-Präsident Rainer Koch und die 1860-Vizepräsidenten Heinz Schmidt und Hans Sitzberger am Freitagabend Stellung.

"Der TSV 1860 München e.V. ist ein sehr wichtiges Mitglied im BFV, mit dem wir in den vergangenen Jahren und Tagen eng zusammengearbeitet haben. Ich bin mir ganz sicher, dass der Verein auch nach den Ereignissen der vergangenen Tage eine gute Zukunftsperspektive hat", sagte der BFV-Präsident Rainer Koch.

Er sieht nach der gescheiterten Einigung zwischen 1860 und Investor Hasan Ismaik keine unüberwindbaren Hürden, dass der Verein zukünftig in der Regionalliga spielen könne.

Sollte 1860 in der Regionalliga mitspielen, würden dort 19 Vereine konkurrieren, was Koch zufolge realisierbar sei. Geklärt werden müsse im Zusammenhang mit der Zulassung, die 1860 nun für die Regionalliga beantragen muss, unter anderem auch in welcher Spielstätte gespielt werden wird.

Anders als in den obersten drei deutschen Ligen, gibt es für Mannschaften die in der Regionalliga Bayern spielen wollen beim Zulassungsverfahren keine Wirtschaftlichkeitsprüfung.

Gewissheit: Der TSV 1860 erhält keine Drittliga-Lizenz

Den gesamten Freitag über herrschte große Anspannung rund um das Vereinsgelände an der Grünwalder Straße. Die Unsicherheit, ob Investor Hasan Ismaik die nötigen rund 10 Millionen Euro überweisen würde, die für die Drittligalizenz nötig waren, hielt die zahlreich erschienenen Löwen-Fans in Atem. Um 15:30 Uhr lief die Frist schließlich ab. Eine wenig später veröffentlichte Erklärung des DFB brachte die traurige Gewissheit: Der fällige Betrag war nicht rechtzeitig überwiesen worden, der TSV 1860 erhält damit keine Lizenz für die 3. Liga und spielt in der kommenden Saison im Amateurbereich.

Damit ist mehr denn je unklar, mit welchem Team die Löwen in die Vorbereitung einsteigen werden - und wer das sportliche Sagen hat. Investor Hasan Ismaik kündigte jedenfalls an, sein Engagement beim TSV 1860 aufrecht zu erhalten. In einer Pressemitteilung hieß es: "Herr Ismaik wird dem Club auch in der 4. oder 5. Liga unterstützen und notwendige Veränderungen vorantreiben. Seine emotionalen Bindungen zu 1860 und seine Loyalität gegenüber den Fans bleibt stark."

Die wichtigsten Fragen zur Löwen-Zukunft in der Übersicht

Der Präsident des TSV 1860 München, Peter Cassalette, neben Investor Hasan Ismaik, Foto: picture alliance / dpa
Präsident Peter Cassalette (unten li.) ist bereits zurückgetreten, Investor Hasan Ismaik bleibt wohl

Hasan Ismaik soll dem Verein weitreichende Bedingungen gestellt haben, die dieser nicht erfüllen konnte. Dies wird als Grund für das Scheitern der Verhandlungen und die Lizenzverweigerung für die 3. Liga gesehen. Mit dem Sturz in den Amateurbereich sind einige Fragen zur Löwen-Zukunft offener denn je.

  • In welcher Liga spielt der TSV 1860 nun? Hierzu gab es unmittelbar nach Bekanntwerden der Lizenzverweigerung keine Gewissheit. Die wahrscheinlichste Variante ist der direkte Abstieg in die Regionalliga Bayern (4. Liga), doch es könnte auch noch eine Klasse tiefer gehen. Nachdem die Drittliga-Teilnahme nicht mehr möglich war, stellte der Bayerische Fußball-Verband einen Startplatz in der Regionalliga in Aussicht. BFV-Präsident Rainer Koch sagte, 1860 sei "einer der bedeutendsten Vereine" im Freistaat. Durch ihren Namen und ihre Tradition würden die Löwen die höchste Amateurliga in Bayern massiv aufwerten. Allerdings betonte Koch, dass eine Aufnahme als 19. Team nur möglich sei, wenn die Rahmenbedingungen passen. Dazu gehört, dass die dem Mehrheitseigner Ismaik unliebsame 50+1-Regel zum Schutz der Stammvereine gegenüber Investoren unbedingt eingehalten wird. Laut «Süddeutscher Zeitung» (Samstag) will Ismaik "gegen 50+1 klagen". Die 50+1-Regelung der Deutschen Fußball Liga (DFL) und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) besagt, dass ein Verein stets mehr als die Hälfte der entscheidungsrelevanten Anteile an einer ausgegliederten Fußballabteilung haben muss. Dadurch soll Machtmissbrauch eines Geldgebers zu Lasten des Vereins vermieden werden.
     
  • Welche Bedingungen stellte Ismaik? Mit Verweis auf eine schriftliche Korrespondenz Ismaiks mit dem Vereinspräsidenten Peter Cassalette und Ayre hieß es in der «SZ», der Investor wolle unter anderem ein Weisungsrecht des Stammvereins an den Geschäftsführer partiell abschaffen - was den Bundesliga-Statuten klar widerspreche. Zudem wolle er den gesamten Jugendbereich vom e.V. loslösen und der für die Profis zuständigen Kapitalgesellschaft untergliedern; in der KGaA hat Ismaik seit jeher das Sagen. Der Hauptanteilseigner beteuerte, dass sowohl der Verein als auch die Deutsche Fußball Liga seine Vorschläge guthießen. "Zusammenfassend glaube ich nicht, dass meine Forderungen in irgendeiner Weise anrüchig sind." Indes warf er dem e.V. vor, Steuerprobleme zu haben und die Zukunft der Profis und seines Investments zu gefährden.
     
  • Die ersten Personalentscheidungen fielen bereits bereits unmittelbar nach Ende des Relegationsspiels: Präsident Peter Cassalette und Geschäftsführer Ian Ayre haben ihre Ämter zur Verfügung gestellt. Auch bei Coach Vitor Pereira stehen die Zeichen auf Abschied.
  • Als erster Abgang bei den Spielern steht Kai Bülow fest. Der Relegationsheld von 2015 wechselte am Tag nach dem besiegelten Abstieg zum Karlsruher SC, wie die Löwen bei Twitter bestätigten. Welche Spieler außerdem bleiben oder gehen, ist derzeit noch nicht abzusehen, aber die Mannschaft wird in der neuen Saison ein anderes Gesicht haben – das immerhin steht fest. Schon für die 3. Liga hätten nur wenige Verträge Gültigkeit gehabt - im Amateurbereich dürfte dies wohl für alle Verträge gelten.

In welchem Stadion spielt der TSV 1860 künftig?

Die Allianz Arena in Blau., Foto: Yuri Turkov / Shutterstock.com
Ob die Löwen auch weiterhin in der Allianz Arena spielen, ist derzeit noch nicht klar

Die Stadion-Frage entbrannte bereits unmittelbar nach dem verlorenen Relegations-Spiel. Mit dem nun feststehenden direkten Abstieg in die 4. oder 5. Liga dürfte ein Verbleib in der Allianz Arena sehr unwahrscheinlich sein. Fakt ist aber, dass der Mietvertrag des TSV 1860 für die Allianz Arena weiterhin gültig ist. Der FC Bayern als Stadioneigentümer müsste die Löwen also aus ihrem Vertrag entlassen.

Das bei den Fans beliebte, traditionelle Grünwalder Stadion ist in seiner jetzigen Form für die 4. Liga zugelassen. So haben beispielsweise in der vergangenen Saison die zweiten Mannschaften des FC Bayern und des TSV 1860 München dort ihre Regionalligaspiele bestritten. Dennoch: Für einen Umzug bräuchte der Verein auch grünes Licht von der Stadt. Es werden voraussichtlich Gespräche in nächster Zeit zu diesem Thema geführt.

Niederlage gegen Regensburg besiegelte Abstieg

Enttäuschung bei den Löwen: Der TSV 1860 München steigt in die 3. Liga ab., Foto: dpa
Hängende Köpfe bei den 1860-Spielern nach dem besiegelten Abstieg

Auslöser der turbulenten Tage war die Niederlage im Relegations-Rückspiel gegen Jahn Regensburg und der vermeintliche Abstieg in die 3. Liga. Die Verzweiflung stand den Löwen-Anhängern am Dienstagabend in der Allianz Arena ins Gesicht geschrieben. Doch damals konnte noch niemand ahnen, dass sich das Schicksal des TSV 1860 München noch verschärfen würde.

Oberbürgermeister Reiter: "Schwarzer Tag für den Fußball in München"

Oberbürgermeister Dieter Reiter brachte am Tag nach dem feststehenden Abstieg sein Bedauern zum Ausdruck: „Gestern war ein schwarzer Tag für den Fußball in München. Der Abstieg des TSV 1860 hat mich trotz der schlechten Saison überrascht. Bestimmt habe ich nicht als einziger ‚Roter‘ gestern den Löwen die Daumen gedrückt. Der Verein ist in seiner traditionsreichen Geschichte schon durch viele Tiefen gegangen und wird, wenn alle zusammenhalten, auch den Abstieg überstehen.“

Auch zu einem möglichen Auszug aus der Allianz Arena äußerte sich der Münchner OB: „Sollten die Löwen tatsächlich zurück ins Grünwalder Stadion wollen, dann werden wir das gerne prüfen und so weit wie möglich auch unterstützen. Das Stadion ist ja grundsätzlich drittligatauglich ausgebaut, aber trotzdem braucht es für den Spielbetrieb ein Konzept, das auch alle sicherheitsrelevanten Fragen bedenkt.“

Die Ausschreitungen gegen Ende der Partie verurteilte Reiter scharf: „Ich verstehe, dass die Fans das alles erst verkraften müssen und enttäuscht sind. Was ich allerdings nicht verstehe und wofür ich keinen Funken Verständnis aufbringen kann, sind die skandalösen Ausschreitungen des gestrigen Abends. Ich bedanke mich ausdrücklich bei allen Polizei- und Ordnungskräften, die gestern im Einsatz waren und wünsche den Verletzten rasche Genesung.“

Auch der Münchner Polizeipräsident Hubertus Andrä fand klare Worte:

Verein appelliert an seine Fans

Doch nachdem der erste Schock nun überwunden ist, sollte auch das Positive gesehen werden, das in jedem Neuanfang steckt.

In einem Appell hat sich der Verein unmittelbar an seine Fans gewandt: „Wir brauchen Euch auch in Zukunft!“ Diese Botschaft ist klar, auch wenn momentan noch nicht abzusehen ist, wie diese Zukunft genau aussehen wird.

(muenchen.de / dpa)

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